Bis zum Horizont ... und darüber hinaus (fm:Romantisch, 15279 Wörter) | ||
| Autor: Mr_Empire | ||
| Veröffentlicht: Jul 15 2026 | Gesehen / Gelesen: 898 / 679 [76%] | Bewertung Geschichte: 9.06 (18 Stimmen) |
| Akt I: Vor dem Horizont (LP) | ||
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AKT I: Vor dem Horizont
Da sitzt sie wieder. Wie an so vielen Tagen in den vergangenen Jahren. Auf derselben Bank, unter demselben Baum, als gehöre dieser Platz längst zu ihr. Über den Wegen liegt das matte Gold des späten Nachmittags und aus dem feuchten Gras steigt jener milde, erdige Duft auf, den der Park an warmen Tagen annimmt. Meist trägt sie diesen freundlichen, hellen Ausdruck im Gesicht, der Manuel jedes Mal unwillkürlich langsamer werden lässt. Wie oft hat er sich schon vorgestellt, sie einfach anzusprechen. Nur ein paar Worte. Etwas Belangloses vielleicht. Doch der Ring an ihrer Hand war stets wie eine lautlose Grenze zwischen ihnen gewesen. In diesem Moment könnte er nicht einmal sagen, wie lange er schon in diese Frau verliebt ist, in ihre natürliche, unangestrengte Ausstrahlung. Vier Jahre? Vielleicht fünf?
Alles, was er weiß, ist, dass sein Herz ihretwegen seit Jahren wie unter einer stillen Glut steht – und dass es für ihn nie eine wirkliche Möglichkeit gegeben hat. Selbst wenn es heißt, im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt, gilt das für ihn nicht. Zwei solcher Schlachten hat er bereits verloren. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn ein fremder Schatten zwischen zwei Menschen fällt und man selbst am Ende mit leeren Händen zurückbleibt. Nein, so etwas will und kann er niemandem antun. Nicht einmal aus Trotz darüber, dass er es selbst erleben musste.
Sein Blick gleitet zurück zu ihr. Doch seit zwei, vielleicht drei Wochen erkennt er die Frau, in die er sich verliebt hat, kaum wieder. Wo sonst Stimmen, Vogelrufe und das ferne Lachen spielender Kinder, die den Park mit Leben füllen, sie sichtbar erfreuten scheint um sie herum nun eine merkwürdige Stille zu liegen, als habe sich ein feiner Schleier zwischen sie und die Welt gelegt. Ihr warmer Ausdruck ist verschwunden. Statt sich wie früher mit den Menschen zu unterhalten, die sich für ein paar Minuten zu ihr auf die Bank setzten, sitzt dort nun – knapp zwanzig Meter von ihm entfernt – nur noch eine in sich zusammengesunkene Gestalt im blasser werdenden Licht. Fast wirkt sie wie ein Bild, aus dem die Farbe gewichen ist. Manuel spürt, dass etwas geschehen sein muss. Etwas, das sie verändert hat. Sein Blick wandert von ihrem Gesicht hinunter zu ihrer Hand. Da erst begreift er es. An ihrem Ringfinger fehlt das kleine Stück Metall, das ihn all die Jahre auf Abstand gehalten hat: Der Ehering.
Manuel hebt den Blick wieder und sieht ihr direkt ins Gesicht. Im selben Augenblick fühlt er sich ertappt – wie früher in der Schule, wenn man beim Spicken oder heimlichen Beobachten erwischt wurde. Hastig wendet er sich ab und macht schon den ersten Schritt, um zu gehen.
„Bitte, setzen sie sich ruhig“, hört er ihre Stimme. Doch in ihr fehlt jene Klangfarbe, die er sonst so sehr an ihr liebte.
Langsam dreht sich Manuel wieder zu ihr um. Er schaut sie an, fast vorsichtig, als könne schon der kleinste falsche Schritt diesen Moment zerstören und deutet dann mit einer unsicheren Bewegung auf sich selbst. „Meinen sie mich?“
„Ja“, erwidert sie leise. „Ich habe sie hier schon öfter gesehen. Und außerdem gehört mir die Bank ja nicht.“ Ihr Blick ruht nur kurz auf ihm, matt und erschöpft, bevor er wieder ins Leere sinkt.
Fast zögernd setzt Manuel sich in Bewegung. Noch immer schämt er sich ein wenig dafür, dass sie bemerkt haben muss, wie lange er sie angesehen hatte. Unter seinen Schuhen knirscht der Kies, jeder Schritt klingt ihm lauter, als er sollte. Ein leichter Wind fährt durch die Blätter über ihnen und trägt den grünen Geruch des Parks herüber. Mit wenigen Schritten erreicht er die Bank und setzt sich mit respektvollem Abstand neben sie.
„Sie kommen oft in den Park, wenn ich das richtig mitbekommen habe“, sagt sie leise. Ihre Stimme klingt brüchig und nachdem sie ihn kurz angesehen hat, senkt sie den Blick wieder auf den Boden.
„Ja. Es ist ein schöner Park. Oder besser, er hat seine schönen, stillen Ecken“, erwidert Manuel und schaut dabei immer wieder zu ihr hinüber.
„Ja, das stimmt. Man kann hier gut Zeit verbringen“, sagt sie und hebt
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