Mein Campingabenteuer - Teil 3 (fm:1 auf 1, 15837 Wörter) [3/3] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Roman Tiker | ||
| Veröffentlicht: Nov 04 2026 | Gesehen / Gelesen: 1273 / 1047 [82%] | Bewertung Teil: 9.77 (30 Stimmen) |
| Das Abenteuer nimmt seinen Lauf und wir hatten gerade eine herrliche Menage a trois erlebt. Doch was ist mit Agnes? Warum musste sie vor ihrem Mann fliehen? Und was war mit den Räubern? Waren sie vielleicht hinter uns her? | ||
Ersties, authentischer amateur Sex
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sich um und lief zu ihrem Auto.
Christin rannte ihr hinterher und holte sie ein, bevor sie einsteigen konnte. Geistesgegenwärtig schnappte ich mir die Kamera aus meinem Zelt und setzte ihnen nach. Mir war klar, dass sie den Mann erkannt hatte. Egal wo sie so schnell hinwollte, sie war zu aufgeregt, um alleine zu fahren.
»Ich begleite dich«, sagte ich und setzte mich ungefragt auf den Beifahrersitz.
Erstaunt sah Agnes mich an und sie musste die Entschlossenheit in meinen Worten bemerkt haben, darum wandte sie sich von Christin ab und stieg ein.
»Hast du dein Handy?«, fragte diese mit ernstem Blick.
Ich fühlte an die Tasche meiner Hose, doch da war es nicht.
»Auf dem Tisch«, sagte ich und Christin rannte los, es zu holen.
Mit aufheulendem Motor fuhr Agnes los, während Christin im Rückspiegel äußerst besorgt aussah. Dennoch hatte ich in diesem Moment das Gefühl, dass sie mir vertraute.
»Wo fahren wir hin?«, fragte ich, bekam keine Antwort, sah stattdessen, wie sich eine Träne auf Agnes Wange nach unten schlich.
Ich konnte mir einiges zusammenreimen und, auch wenn ich den wirklichen Grund für ihre Aufregung nicht kannte, war mir bewusst, dass es besser war, Agnes in diesem Moment nicht alleine zu lassen. Ihre Fahrweise war rasant, wenn auch aus meiner Sicht nicht gefährlich. Mit über 70 passierte sie den Ortseingang von Troyes, nahm anschließend zum Glück etwas Gas weg und ich hatte den Eindruck, dass sie sich gefangen hatte, als wir kurze Zeit später in ein Wohnviertel einbogen. Weit weniger impulsiv als noch zu Anfang lenkte Agnes den Wagen vor einem Wohnblock an den Straßenrand in eine freie Parklücke und hielt nicht einfach mitten auf der Fahrbahn an. Sie schaltete den Motor aus und stieg aus.
»Was ist los? Ich gehe mit, warte bitte.« Ich löste den Sicherheitsgurt und wollte aussteigen.
»Warte bitte hier. Isch muss da alleine rein.« Sie war zurückkehrt und sprach zu mir. Ihre Stimme klang gefasst. Als Agnes zielstrebig auf den Eingang eines der Häuser zuging, war mir klar, dass ich, sollte sie nicht spätestens in zehn Minuten wieder da sein, ihr folgen würde. Ich wartete, bis sie das Haus betreten hatte und sie mich nicht mehr sehen konnte, dann zog ich den Wagenschlüssel ab, steckte ihn ein und stieg aus. Das Haus hatte sechs Stockwerke, ähnlich wie die meisten hier im Umkreis. Es war mir unmöglich zu erkennen, in welche Etage Agnes gegangen war, darum wählte ich Christins Nummer. Sie hob ab, noch bevor ich vor dem Eingang stand und mir die Klingelschilder ansehen konnte.
»Ich weiß, dass er Francois heißt, der Nachname ... warte ... ich meine, es klang so wie Dumont?«
Ich durchforstete die über dreißig Schilder nach einem Namen, der ähnlich klang.
»Ich habe einen Dupont und einen Dourant. Wie heißt Agnes denn weiter?« In diesem Moment ging die Türe auf und Agnes stand vor mir.
Sie schüttelte mit dem Kopf und ich wusste nicht, ob das mir galt oder ob sie etwas anderes dazu bewog. Zusammen gingen wir zurück zum Auto. Ich flüsterte Christin zu, dass ich mich später melden würde und schloss auf. Agnes setzte sich, mit den Händen am Lenkrad und dem Kopf zwischen den Armen vergraben.
»Es wäre Zeit, mir ein paar Kleinigkeiten zu erklären, denke ich.«
Sie hob den Kopf und sah mich an.
»Der Typ auf dem Foto, das ist Ernest. Er ist ein Krimineller, mit dem Francois seit einiger Zeit regelmäßisch abhängt. Der war auch schon im Prison ... ähm ... Knast?«
Ich nickte. »Francois ist dein Mann?«
»Ja, mein -wie sagt ihr- Lebensgefährte? Also, wir sind nisch verheiratet. Wir waren zusammen, mensch, fast acht Jahre. Er war ein guter Mensch, bis er auf diesen Ernest getroffen ist. Francois hat in einer Fabrik gearbeitet, ist Schlosser, das hat er jedenfalls gelernt. Dann fing er an zu trinken und Drogen zu nehmen. Man hat ihm rausgeworfen, aber das hab isch erst später erfahren. Statt zur Arbeit zu gehen, ist er in eine Bar oder hat sich mit diesem Typen getroffen. Isch habe ihm gedroht, zu gehen, wenn er ... «
Sie sprach nicht weiter, stattdessen lief wieder eine Träne über ihre Wange.
»Und du meinst, er, also dein Francois, hat was mit der Sache zu tun? «
»Ganz sischer. «
»Habt ihr hier gewohnt?«
Agnes nickte. »Bis vor zwei Monaten, dann hab isch es nisch mehr ausgehalten.« Ich reichte ihr ein Taschentuch. »Bei meiner Schwester hab isch geschlafen, war aber noch öfter da, um nach ihm zu sehen. Roman, es war nisch auszuhalten. Er war ständisch betrunken und hat immer nur geschimpft. Über alles hat er ... «
»Ist er handgreiflich geworden? Also, hat er dir wehgetan?« Entsetzt sah sie mich an.
»Nein, das könnte er nisch.«
»Weißt du, wo die beiden sich getroffen haben?«
»Es gibt da eine alte Fabrik.«
»Dann lass uns da hinfahren. Soll ich?«
Agnes nickte, stieg aus und ließ mich ans Steuer. Völlig aufgelöst saß sie neben mir, hatte Mühe, mit dem Navigationssystem zurecht zu kommen. Nach einiger Kurverei erreichten wir ein Gewerbegebiet mit lauter Industriebrachen.
»Langsam, isch glaube, das ist es.« Sie zeigte auf einen verfallenen Gebäudekomplex. Vorsichtig näherten wir uns, ich versuchte, so verdeckt wie möglich, das Gebäude zu umrunden. Durch eine Zufahrt, bei der das Tor fehlte, gelang es uns, in die Halle zu kommen. Vorsichtig tastete ich mich vor, stellte den Motor aus und ließ den Wagen ausrollen. In einer Ecke parkte ein Pickup, ein alter Toyota, der von so viel Rost befallen war, dass er bestens zu der alten Halle passte.
»Das ist sein Auto.«
»Das von Ernest?«
»Das von Francois.«
»Pass auf, die schreiben in der Zeitung, dass sie zu dritt waren. Hast du eine Ahnung, wer der dritte Mann sein könnte?«
Agnes überlegte, zuckte schließlich mit den Schultern. »Weiß isch nisch, isch kenne nur Ernest. Und der ist bei der Polizei, oder?«
»Ja, der ist bei der Polizei.« Ich wusste es natürlich nicht genau, ging aber davon aus, dass man ihn nicht wieder hatte laufen lassen. Außerdem musste ich sie beruhigen. »Du möchtest mit deinem Freund reden, wenn er da ist?«
»Ja, man, isch mach mir Sorgen. Der hat sisch sischer in was verstrickt ...«
»Bist du dir sicher, dass er dir nichts tut?«
»Da bin isch ganz sischer.«
»In Ordnung. Aber du weißt, ich bin in der Nähe. Wir machen ein Wort aus, das du rufen kannst, dann komme ich dir sofort zu Hilfe.«
»Das ist gut. Und was soll isch rufen? «
»Lass mich kurz überlegen. -Pussycat-, rufe laut -Pussycat-, wenn es brenzlig wird.«
Agnes schmunzelte. »Na, dann eben -Pussycat-.« Sie schien, etwas gelöst zu sein. »Roman?« Sie sah mich an. »Danke.«
»Pass auf dich auf.«
Leise öffnete sie die Tür des kleinen Peugeot, schloss sie wieder hinter sich und ging aus unserer Deckung langsam, im Schutz der Wand, auf den Pickup zu. Ich stieg ebenfalls aus, stellte mich so hinter den Mauervorsprung, dass man mich nicht sofort entdecken konnte, beobachtete sie, wie sie sich vorbewegte, und an ihrem Gang konnte ich erkennen, dass sie Angst hatte. Die war noch nie ein guter Ratgeber, das wusste ich von früher, doch es war klar, dass sie sich unwohl fühlte.
Am Toyota angekommen, sah sie durchs Fenster hinein und zog fragend die Schultern hoch. Ich folgte ihr, langsam und immer darauf bedacht, dass mich niemand sehen konnte. Aus sicherer Entfernung schoss ich ein paar Fotos von dem Pickup und der Umgebung. Bald war ich am Heck des Wagens angekommen und machte eine Detailaufnahme des Reifenprofils. Mir fiel ein, dass mir mal ein junger Kollege die Funktion erklärt hatte, mit der jemand anderes meinen Standort nachvollziehen kann. Ich entsperrte mein Handy und aktivierte die Standortdaten. Anschließend versandte ich meine Live-Standort-Verfolgung an Christin. Darunter fügte ich die Telefonnummer der Polizeistation ein, die mir die nette Polizistin gegeben hatte. Natürlich waren wir von dort zu weit entfernt, doch sie würde sicher wissen, wie sie uns finden konnte und was zu tun war. Noch schnell fügte ich -nur im Notfall- hinzu, damit Christin nicht einfach so meinen Standort weiterleitete. Sofort erschien das Zeichen, dass sie verstanden hatte. Vermutlich hatte sie ihre Augen ständig auf ihr Handy gerichtet. Das war gut.
Agnes war inzwischen eine Treppe hochgestiegen, die zu einem Büroraum führte, möglicherweise früher mal das Büro des Betriebsleiters. Es lag hoch über der Fläche, wo einst die Arbeiter ihr Werk verrichteten, und bot einen guten Überblick über die gesamte Halle. Die Fenster hielt ich schon seit Beginn immer im Blick und bisher hatte ich keine Regung wahrgenommen.
Ich ging hinter dem Pickup in Deckung, ließ Agnes nicht aus den Augen und scannte die Umgebung. Es war mucksmäuschenstill. Vorsichtig warf ich einen Blick in den Wagen, er war komplett zugemüllt. Überall lagen leere Kartons, Tüten und Flaschen herum und es schien so, als habe jemand tagelang darin gehaust.
Agnes war oben angekommen und hatte scheinbar etwas entdeckt, denn ihre Haltung war nicht mehr gebückt. Sie sprach mit jemandem und an der Stelle verfluchte ich ein weiteres Mal meine Ohren. Also versuchte ich, näher zu kommen. An den Pausen, die sie machte, glaubte ich zu erkennen, dass ihr Gegenüber antwortete.
Auf einmal schreckte sie zurück und ich war schon drauf und dran, zu ihr hoch zu laufen, doch sie beruhigte sich wieder. In der Türe des Büros erschien eine Gestalt, etwa im gleichen Alter wie sie, also vielleicht irgendwo zwischen 40 und 50. Er stand nicht bedrohlich vor ihr, eher gelassen, darum ging ich davon aus, dass es ihr Freund war.
Dass sie miteinander sprachen, konnte ich sehen, was sie redeten konnte ich von meinem Posten aus allerdings immer noch nicht verstehen. Dennoch blieb ich am Fuß der Treppe stehen und beobachtete den Rest der Halle, schließlich fehlte noch einer der drei Täter.
Als ich wieder nach oben sah, waren beide verschwunden. Gedämpfte Geräusche konnte ich hören und es klang, als unterhielten sie sich im Inneren des Büros. Ein- zweimal wurde es lauter und mir war mulmig zumute. In diesem Moment musste ich einfach darauf vertrauen, dass Agnes nichts Unüberlegtes tat.
Es dauerte nicht lange, bis sie die Treppe wieder herunterkam. Zielstrebig ging sie auf die Ecke zu, hinter der der Peugeot stand. Ich saß hinter einem Pfeiler und sie hatte mich nicht gesehen. Aus meinem Versteck beobachtete ich die Szene, ließ Agnes zum Auto gehen und, nachdem sie aus meinem Blickfeld verschwunden war, sah ich hoch zu dem Büro, in dem ihr vermeintlicher Freund sich befand. Ich sah ihn nicht, demnach musste er wieder im Inneren verschwunden sein, also lief ich, so schnell ich konnte, zum Auto zurück. Mit dem Finger vor den Lippen zeigte ich Agnes, dass wir nicht reden sollten. Erst als wir beide im Auto saßen, traute ich mich, sie anzusprechen.
»War das Francois?« Agnes nickte. »Und, was sagt er?«
»Er beteuert, nisch damit zu tun zu haben, aber er hat einen Revolver. Isch hab ihn gesehen, in seinem Hosenbund.«
»Was hat er noch gesagt?«
»Er hatte getrunken, ziemlisch viel. Isch habe ihn geweckt.« Ihr liefen die Tränen die Wangen herunter.
»Hat er was gesagt von dem Komplizen, der noch fehlt?« Sie schüttelte mit dem Kopf. »Wo willst du hin?«
»Fahr erstmal. Der Idiot bringt sisch noch selbst um.« Ich reichte ihr ein weiteres Taschentuch. Sie schniefte und sah mich mit verheulten Augen an.
Eigentlich ein Wunder, dass uns niemand gehört hatte, als wir ankamen, denn jetzt, wo ich den Motor startete, wurde mir erst bewusst, wie laut er war. Ich gab Gas, um so schnell wie möglich weg zu kommen. Trotz des Regens staubte der Sand unter den Reifen, darum versuchte ich, festen Boden zu erwischen.
Plötzlich stob eine Staubwolke in weiter Entfernung auf uns zu. Ich lenkte scharf und brachte den Peugeot hinter einer Wand zum Stehen.
»Was ist?«, fragte Agnes, »Was ist los?«
»Warte, ich glaube, da kommt jemand.«
Es dauerte nicht lange, bis ich einen aufheulenden Motor hören konnte. Ein dumpfes Grollen wie bei einem Achtzylinder. Dem Geräusch nach zu urteilen musste der Wagen mächtig Tempo draufhaben und manchmal heulte der Motor auf, als würden die Reifen durchdrehen oder den Bodenkontakt verlieren. Wir standen zwar hinter einem kleinen Nebengebäude und konnten vom Hauptweg aus nicht gesehen werden, dennoch fühlte ich mich alles andere als sicher. Kurz kam mir Gedanke, besser auszusteigen und das Auto hier stehen zu lassen, doch dann würden wir uns jegliche Fluchtmöglichkeit nehmen. Beruhigend legte ich meine Hand auf die von Agnes. Sie zitterte förmlich, als ich sie ertastete. Diese Frau tat mir in dem Moment so leid, weil sie, oder besser gesagt ihr Freund, in etwas hineingeschlittert war, aus dem es sicher keinen vernünftigen Ausweg gab.
Der Lärm wurde lauter und nahm wieder ab, so dass ich annahm, das dicke Auto sei vorbeigefahren. In Sekunden legte sich eine Staubwolke um das Gebäude, hinter dem wir uns versteckt hatten und erreichte auch den Peugeot. Es war also besser, noch ein paar Sekunden auszuhalten, bis sich alles etwas beruhigt hatte.
Es war gut möglich, dass der dritte Täter zum Treffpunkt zurückgekehrt war und unmittelbar auf Francois traf. Um den konnten wir uns jetzt aber nicht kümmern. Agnes ließ ich natürlich nicht an meinen Gedanken teilhaben, vielleicht wäre sie noch auf die Idee gekommen, ihm zu helfen. Wir waren schon jetzt zu weit gegangen, wenn sie davon redete, bei ihm einen Revolver gesehen zu haben. Dabei war er auch noch unberechenbar, wenn er so viel getrunken hatte. Das alles war Aufgabe der Polizei und nicht unsere. Ich dachte darüber nach, Christin eine knappe Nachricht zukommen zu lassen, nur dass alles in Ordnung sei, damit sie sich keine Sorgen machte, doch auf einmal kam mir das so absurd vor. Es war nicht alles in Ordnung und wir hatten auch gar nichts im Griff. Ganz im Gegenteil saßen wir in Agnes kleinem Peugeot hinter einer Wand und warteten darauf, dass sich der Staub legte und wir abhauen konnten, währenddessen mindestens ein bewaffneter Gewalttäter nicht weit von uns entfernt betrunken auf seinen Kumpel traf.
Gerade als ich den Motor startete, um uns von hier zu verziehen, hörte ich Motoren aufheulen, diesmal weit mehr als einen. Sie kamen alle in unsere Richtung, mir brach der Schweiß aus. Gleichzeitig kam aus Richtung der Fabrikhalle ein lauter Knall, dann noch einer und noch einer. Ich war mir sicher, dass jemand geschossen hatte.
Agnes wurde kreidebleich und sah, wie in Zeitlupe zur Fabrik zurück. »Francois«, sagte sie und hielt sich die Hand vor dem Mund.
Ein ohrenbetäubender Lärm kam von der Straße und ich hatte den Eindruck, dass mindestens ein halbes Dutzend Fahrzeuge unser Versteck auf der anderen Seite des Gebäudes passierten. Das blaue Blinklicht, das aus der Richtung kam, beruhigte mich ungemein.
Der Motor des Peugeot lief immer noch. Ich drehte den Schlüssel, stieg aus und ging langsam auf die Ecke der Wand zu, von wo aus ich glaubte, die Fabrikhalle sehen zu können. Die Staubwolke erfasste mich gerade, als ich hinter der Ecke hervortrat. Sehen konnte ich nichts, aber ich hörte laute Rufe, Geschrei und massenweise Autotüren schlagen.
Ein weiteres Auto kam die Straße entlanggefahren, es war ein Ambulanzwagen. An meinem Rücken spürte ich Agnes, sie war ebenfalls ausgestiegen und drückte sich von hinten an mich.
»Was ist passiert, hast du was gesehen?«, fragte sie.
»Noch nicht, der Nebel ist noch zu dicht.«
Langsam legte sich der Staub wieder auf die Straße und die Polizisten, die in die Halle stürmten sahen eher wie Soldaten aus, trugen Helme und waren vermummt.
»Eine Sondereinheit«, kommentierte ich die Szenerie und spürte Agnes Hand an meiner. Ich erfasste sie und hielt sie fest. Für mich sah das alles aus wie ein heilloses Durcheinander, wenn an jeder Ecke Männer in Tarnkleidung mit Schnellfeuergewähren und Schutzschilden in die Halle strömten, es an mehreren Stellen knallte, Schreie zu hören waren und Nebelwolken die Sicht behinderten.
Gebannt schauten wir zu, wie die ersten Einsatzkräfte wieder herauskamen und den Leuten der Ambulanz zuwinkten. Nach vorne gebeugt und an beiden Armen eingeklemmt führten zwei der Polizisten einen Mann ins Freie. Es war Francois. In meinem Rücken atmete Agnes hörbar auf, er schien nicht verletzt. Einen zweiten Mann führten sie mit drei Polizisten zu einem Einsatzwagen, er humpelte, wehrte sich dennoch vehement gegen die Griffe der Polizisten.
Eigentlich wäre es mir lieber gewesen, uns von diesem Platz zu verziehen, doch das würde sicher nicht unerkannt gelingen, deshalb blieben wir verdeckt hinter der Mauer stehen.
Mir kam eine Idee, wie wir vielleicht unerkannt aus der Sache rauskommen konnten. Ich drehte mich zu Agnes, nahm ihr Gesicht in die Hände und sah ihr tief in die Augen.
»Hör zu, Francois geht es erstmal gut, wir können ihm nicht helfen.« Sie nickte.
»Mit dem Auto können wir nicht weg, das würde man merken. Darum versuchen wir, so unauffällig wie möglich, uns zu Fuß zu verdrücken. Kennst du einen anderen Weg von hier weg?« Agnes überlegte, zeigte dann auf ein weiteres Gebäude, einige Meter entfernt und in entgegengesetzter Richtung zu der Fabrikhalle.
»Dahinter müsste ein Zaun sein. Wenn wir da rüberkommen, liegt nisch weit entfernt ein Weg.«
»Okay, glaubst du, du schaffst das?« Agnes nickte. »Dann komm, bleib dicht hinter mir.«
Wenn wir auch nichts mit der ganzen Sache zu tun hatten, waren wir in der Halle gewesen und Agnes hatte mit Francois gesprochen. Wenn uns die Polizei jetzt entdeckte, würde man uns sicher einige unangenehme Fragen stellen und darauf hatte ich überhaupt keine Lust und Agnes sicher auch nicht. Darum war es besser, wenn wir erstmal machten, dass wir wegkamen und uns vielleicht nachher bei der Polizei meldeten, wenn wir uns etwas beruhigt hatten.
Im Schutz der Mauer, hinter der der Peugeot stand, schafften wir es, unerkannt zu dem Gebäude zu gelangen, hinter dem, nach Agnes Schilderung, ein Zaun auftauchen sollte. Dieser stellte sich als sehr lückenhaft heraus, so dass wir nicht mal darüber klettern mussten, sondern einfach durchgehen konnten. Es dauerte nicht lange, bis wir auf dem Weg waren, den Agnes beschrieben hatte.
»Was ist mit dem Auto?«, fragte sie, als wir in Richtung einer Bebauung gingen.
»Das holen wir nachher ab. Wenn die Polizei es findet, kommen sie schnell auf dich und auf die gemeinsame Wohnung von dir und Francois. Wir überlegen erstmal in Ruhe, wie wir weiter vorgehen. Ich rufe jetzt Christin an, damit sie uns abholt.« Wieder nickte Agnes.
So einfach, wie ich mir die ganze Sache vorgestellt hatte, funktionierte das alles natürlich nicht. Bevor wir die Häuser erreichten, kam ein Polizeiwagen um die Ecke und zwei Uniformierte stiegen aus. Mit der Hand an der Waffe kamen sie auf uns zu, forderten uns in gebührendem Abstand auf, stehen zu bleiben, bevor einer der beiden nach einem Ausweis verlangte. Ich hatte meinen natürlich nicht dabei, Agnes ebenfalls nicht, weshalb der Beamte sein Funkgerät zückte und hineinsprach. Nach wenigen Sekunden mussten wir einer nach dem anderen unsere Hosentaschen auf der Motorhaube des Polizeiwagens entleeren.
Ich kannte diese Situationen zur Genüge und fand sie schon immer peinlich. Natürlich ging es den Beamten nicht darum, zu erfahren, was wir nicht alles Schönes in unseren Taschen durch die Gegend trugen. Sie wollten nur sichergehen, dass wir zum ersten die Wahrheit sagten und tatsächlich keinen Ausweis dabeihatten und zum anderen nichts versteckten, wo wir jemanden mit verletzen konnten. Außer meinem Handy und dem Autoschlüssel fand ich zum Glück nur noch ein gebrauchtes Taschentuch. Agnes hingegen musste zusätzlich noch den Wohnungsschlüssel und ein Blister mit Tabletten ans Tageslicht befördern. Der Polizist nahm die Tablettenpackung, sah sie sich genau an, sandte einen fragenden Blick an Agnes und legte sie anschließend wieder hin.
Er fragte, wozu die Schlüssel gehörten und es brachte jetzt überhaupt nichts, drumherum zu reden. Ich trat dazu und erklärte, dass wir den Polizeieinsatz gesehen und Angst bekommen hätten. Darum stand der Peugeot dort, wo wir ihn geparkt hatten. Der Schlüssel gehöre zu Agnes Wohnung. Auf die Frage, was wir dort gemacht hätten, antwortete Agnes, dass wir uns den Platz ausgesucht hätten, weil man dort ungestört sei, und deutete damit an, dass wir ein tête à tête geplant hätten. Ungläubig sahen uns die beiden an.
Der eine sprach in sein Funkgerät und forderte uns nach kurzer Zeit auf, die Hände auf das Dach des Polizeiwagens zu legen. Es dauerte eine ganze Weile, bis ein zweiter Wagen kam und man uns abtastete. Getrennt voneinander wurden wir auf die Rücksitze der Autos gelotst und nicht mal zehn Minuten später fanden wir uns auf einer Polizeistation wieder.
Agnes nahmen sie als Erste mit zur Befragung, mich ließ man auf einer Bank sitzen. Zu verbergen hatte ich nichts und ich war mir auch keiner Schuld bewusst, doch ein ungutes Gefühl machte sich in meinen Magen breit. Es ist immer unangenehm, von der Polizei befragt zu werden, und im Fall von Agnes konnte ich mir vorstellen, dass sie sie richtig in die Mangel nahmen. Man weiß nie, was sie wissen, und wenn sie dir eine Frage stellen, kann man immer schwer abschätzen, ob sie das tun, um dich zu testen, und die Antwort schon wissen, oder ob sie einen Verdacht bestätigt oder dementiert haben wollen.
Meine Gedanken kreisten, um die Szene in der Halle, um den Polizeieinsatz, den ich beobachtet hatte und natürlich auch um Agnes. Ich kannte sie kaum, teilte mit ihr und Christin ein wundervolles gemeinsames Erlebnis, na gut, doch, wer sie war, wusste ich nicht. Wie kam es eigentlich dazu, dass ich mich so Hals über Kopf von den beiden Frauen hatte einwickeln lassen? War es meiner Urlaubsstimmung geschuldet, lag es einfach daran, dass ich auf meine alten Tage nochmal das Gefühl genoss, von zwei Frauen gleichzeitig begehrt zu werden, oder war ich am Ende auch treibende Kraft gewesen?
Und was war mit Agnes? Sie hatte eine Beziehung mit diesem Francois gehabt, hatte sich im Streit getrennt und war mir nichts dir nichts mit Christin und mir ins Bett gestiegen. Wie kam sie dazu? Ich hatte es an sich nur für ein Abenteuer gehalten, etwas, das man macht ohne Hintergedanken, nur um sich mal fallen zu lassen. Jetzt, wo ich ein wenig mehr über sie wusste, fragte ich mich, wie jemand so ungehemmt sein konnte, bei einer derartigen Vorgeschichte.
Eine vertraute Stimme drang an mein Ohr. Ich schaute auf und sah auf der anderen Seite des Tresens, hinter dem ich saß, Christin stehen. Ihre Haare wirr um den Kopf wirbelnd, versuchte sie dem Polizisten zu erklären, dass sie auf der Suche nach ihren Freunden sei. Ich sprang auf und winkte ihr zu.
»Roman, mensch, da bin ich aber froh, dich zu sehen. Wo ist Agnes?«
Der Polizist wies mich unfreundlich an, mich wieder zu setzen. Ich erklärte ihm, dass sie mich und die Frau im Befragungsraum suchen würde, woraufhin er Christin zu mir ließ. Ich schloss daraus, dass man keinen schwerwiegenden Verdacht gegen mich hegte, ansonsten hätte man sicher nicht irgendwen zu mir gelassen.
Christin fiel mir um den Hals und klammerte mich so fest, dass ich mich wehren musste, wollte ich nicht erdrosselt werden.
»Was ist passiert?« Sie flüsterte, so dass es der Polizist nicht hören konnte, wenn ich auch nicht davon ausging, dass er überhaupt etwas von dem verstand, was wir sagten.
»Nicht jetzt. Agnes ist da drin.« Ich zeigte auf die Tür, durch die die beiden Polizisten sie in den Raum geführt hatten. Mittlerweile dauerte das Ganze schon über eine halbe Stunde.
»Wie hast du uns gefunden?«, fragte ich Christin.
»Dein Live-Standort endete hier und in der Nähe war nichts, was ich zuordnen konnte, darum bin ich ...«
Sie stockte, weil die Tür aufging und einer der Polizisten herauskam. Er ging zu dem Tresen, tuschelte mit seinem Kollegen und verschwand wieder. Durch den Türspalt konnte ich nur einen Teil des Raumes einsehen, Agnes saß offensichtlich in dem anderen, den ich nicht sehen konnte. Das, was ich hörte, war nur ein Schluchzen, das offenbar von ihr stammte.
Ich stand auf, sprach den Mann hinter der Theke an und fragte ihn nach meiner Kamera. Ich erklärte ihm, dass ich Aufnahmen gemacht hatte, die vielleicht hilfreich wären. Er sah mich düster an, griff unter den Tresen und zeigte mir meine Kamera. Ich nickte. Prüfend sah er mich an und reichte sie mir, nachdem seine Skepsis anscheinend verflogen war.
Ich schaltete sie ein und aktivierte den Bildschirm. Anschließend zeigte ich ihm die Aufnahmen, die ich in der Halle gemacht hatte. Ob das klug war, dessen war ich mir in diesem Moment nicht klar, jedoch würde es mir die Möglichkeit geben, Agnes eine Pause zu gönnen. Wie erwartet, trat er vor, klopfte an der Tür des Befragungsraums und ging hinein. Bei offener Tür redete er mit seinem Kollegen. Ich sah Christin an, aber auch sie verstand nichts, was sie mit einem Schulterzucken andeutete. Nach einem kurzen Moment kam er wieder heraus und forderte mich auf, ihm zu folgen.
Ich wurde allerdings nicht in den gleichen Raum geführt, in dem Agnes saß, sondern in einen anderen, der weiter den Flur runter lag. Derjenige, der Agnes befragt hatte, kam mit mir, nahm die Kamera an sich und schaute sich die Fotos an.
Ich erklärte ihm, dass er die Karte herausnehmen und die Bilder auf dem größeren Bildschirm ansehen sollte. Er stimmte zu, nahm die Karte, nachdem ich sie ausgebaut hatte, und schob sie in den Slot des Computers.
Für ihn schien es selbstverständlich zu sein, dass ich französisch sprach, darum bemühte er sich gar nicht erst, ins englische zu wechseln. Franzosen sind halt so. Gemeinsam klärten wir, warum Agnes und ich wirklich in der Fabrik gewesen waren. Ausreden brachten alles nichts, wenn sie schon den Zusammenhang zwischen ihr und der Adresse eines der Festgenommenen herausgefunden hatten.
Außerdem erklärte ich ihm, welche Beobachtung Christin und ich auf dem See gemacht hatten, und dass der Hinweis auf den ersten Täter offenbar von uns stammte. Schnell war die Sache geklärt und ich wieder entlassen. Agnes war noch nicht wieder da, als ich zu Christin zurückkehrte. Plötzlich öffnete sich die Tür und sie strahlte, als sie Christin sah.
»Lass uns bitte fahren«, sagte sie und drängte an die frische Luft.
Immer noch beeindruckt von der Befragung bei der Polizei, schwieg sie die Rückfahrt über. Wir ließen sie in Ruhe, holten unterwegs den Peugeot und fuhren zurück.
Erst, als wir wiedermal bei einem Kaffee zusammensaßen, erzählte sie, wie man sie in die Mangel genommen hatte.
»Die glaubten escht, isch habe was damit zu tun, nur weil Francois und isch zusammengewohnt haben.«
»Die machen ihre Arbeit«, versuchte ich sie zu beruhigen. »Sei froh, dass sie dich haben gehen lassen. Das ist ein gutes Zeichen. Und wenn dein Freund darin verstrickt ist ...« Ich konnte nicht weiterreden, ohne ihr zu nahe zu treten.
»Ex-Freund«, sagte sie. »Isch weiß, was du sagen willst.«
Nach einer Pause schob sie hinterher: »Isch kann es mir nisch vorstellen. Die anderen haben ihn sischer nur ausgenutzt.«
»Du magst ihn immer noch, oder?«
»Ja ... nein ... nisch so. Isch will eigentlisch nisch mehr mit ihm zu tun haben. Da, wo er jetzt ist, kann man ihm vielleisch helfen.«
»Nach den ganzen Strapazen möchtest du dich sicher etwas hinlegen«, mischte sich Christin ein und meinte wohl Agnes, denn sie nahm ihr die Tasse ab und stellte sie im Camper ins Becken. Nachdem ihre Freundin ihr gefolgt war, zog sie die Schiebetüre zu. Vorher zwinkerte sie mir gutmütig zu und ich wusste, dass sie mir verständlich machen wollte, dass sie mit Agnes alleine sein wolle.
Nach über einer Stunde, die ich sinnierend am Ufer des Sees verbracht und nur nebenbei die Landschaft beobachtet hatte, öffnete sich der Bus und der rotblonde Wuschelkopf streckte sich heraus. Ich fing meine immer noch oft undurchsichtige Reisebegleitung ab, als sie sich eine Zigarette anzündete.
»Sie hat sich schlafen gelegt«, klärte sie mich auf.
»Sag mal, findest du das nicht komisch?«
»Was meinst du?«, flüsterte sie.
»Du kennst sie viel länger als ich. Sie wohnt bei diesem Typen, zieht aus, hängt aber immer noch an ihm und dann schlüpft sie einfach mit dir und mir ins Bett? Das ist doch ... ich verstehe das nicht.«
»Hey, Roman, bilde dir jetzt nichts ein, das war nur Sex und nichts weiter.«
»Du musst mir doch zustimmen, dass viele Frauen das anders sehen würden, oder?«
»Agnes ist eine sehr feinfühlige Frau. Wenn sie einmal erregt ist, könnte eine Biene sie bestäuben und sie würde es mögen. Verstehst du? Sie musste auf andere Gedanken kommen, darum habe ich sie mitgebracht. Dass wir dann alle zusammen im Bett gelandet sind, liegt nur daran, dass sie etwas nachzuholen hatte. Und sie vertraute mir ... was dich anging, wenn du weißt, was ich meine. Es wäre mir lieb, wenn du sie aber erstmal alles verdauen lässt.«
»Wofür hältst du mich? Glaubst du etwa, ich würde ihre Situation ausnutzen?«
»Nein, natürlich nicht. - Ich weiß, dass du das nicht tun würdest.«
Dann sah sie mich mit diesen einfühlsamen Augen an.
»Ich möchte aber auch nicht, dass Agnes das falsch versteht. Sie ist gutmütig, immer überaus dankbar und ...«
»In diesem Zustand wäre sie nur zu offen für eine Affäre, die du mir nicht gönnen möchtest.«
»Du bist ein echter Schwerenöter. Ist es so schlimm bestellt um dich?« Sie drückte die Zigarette aus, sah mich mitleidig an und wieder einmal konnte ich erkennen, dass sie sich ein fieses Grinsen unterdrücken musste.
»Lass sie einfach eine Weile zu sich kommen. Ich habe gemerkt, dass du sie magst, und, wenn dir etwas an ihr liegt, gib ihr etwas Zeit.«
»Zeit, in der du mich an dich bindest und nach Kräften versuchst, mich von ihr fernzuhalten«, sagte ich nicht laut, sondern dachte ich nur bei mir. Christin lag wirklich was an mir. Und sie bemühte sich nicht einmal, herauszukriegen, ob es bei mir ebenso war.
Christin stand auf, legte eine Hand auf meine Wange, sah mir einen Moment tief in die Augen und küsste mich. Zärtlich legte sie ihre Lippen auf meine, schloss kurz die Augen und markierte mich. Anschließend ließ sie ihre Finger von der Wange über meinen Hals und meine Brust wandern, bevor sie in den Bus zurückkehrte und leise die Schiebetüre zuzog.
Natürlich war ich neugierig und es wäre ein leichtes gewesen, mich an die verdunkelte Heckscheibe zu stellen, um zu beobachten, was im Inneren des Campers vor sich ging. Mein Anstand siegte dieses Mal.
Hielt aber nicht lange. Auf dem Weg zu meinem Fahrrad konnte ich mich nicht beherrschen und musste einen kurzen Blick hineinwerfen. Agnes lag auf dem Bauch und schlief und Christin saß im Schneidersitz daneben und streichelte ihr sanft über den Rücken. Man konnte am Stoff des T-Shirts, das Agnes trug, kaum erkennen, dass die Finger sie berührten. Auch wenn sie kurz über den Po der schlafenden Freundin streiften, konnte man nur erahnen, dass Christins Finger tatsächlich Kontakt zum Stoff der Hose hatten, die die wohlgeformten Rundungen nur spärlich bedeckten.
Christins Erklärung zu Beginn unserer gemeinsamen Reise war eindeutig. Wenn sie die Tür des Campers schloss, wollte sie alleine sein, nun eben alleine mit ihrer Freundin. Daran gab es nichts zu rütteln, also akzeptierte ich ihre Entscheidung, schnappte mir mein Fahrrad und tat das, wozu ich eigentlich mit ihr zusammen aufgebrochen war.
Ziellos fuhr ich herum, bog wahllos ab, wenn mir danach war, studierte die Gegend, genoss die schöne Landschaft, lauschte den Geräuschen, den Landmaschinen, die auf den Feldern zugange waren, machte eine Pause und setzte mich an den Straßenrand. Konnte ich die Gedanken an die vergangenen Tage auch nicht beiseiteschieben, so gestand ich mir dennoch ein, dass ich nicht das Recht hatte, in das Leben meiner mitreisenden beiden Frauen einzudringen. Es stand mir einfach nicht zu.
Auf dem Weg kam ich bei einem netten Restaurant vorbei, dessen Terrasse mich geradezu anlächelte. Ich setzte mich an einen der freien Tische, bestellte einen Kaffee und eine kleine Süßigkeit, die meine Laune auflockern sollte. Ein paar komische Blicke der anderen Gäste nahm ich sehr wohl wahr, führte sie aber weniger auf meine Person zurück, als auf die Tatsache, dass ich mit dem Fahrrad gekommen war. Die Franzosen sind halt keine Radfahrernation. Zum Sport gerne, aber nur so zum Zeitvertreib fahren vermutlich nur wenige Franzosen mit einem Drahtesel durch die Gegend. Oder eben, wenn sie nicht mit dem Auto fahren wollen oder können. So vermutlich auch die Frau, die zwei Tische weiter saß und mit ihrem Handy beschäftigt war und dann und wann an ihrem Glas Wein nippte.
Ich schätzte sie etwa in meinem Alter. Die Haare trugen deutliche graue Spuren, ähnlich so wie meine, und ihre Kleidung sprach eher die Sprache der Zweckdienlichkeit denn der Eleganz. Ich muss zugeben, sie gefiel mir. Frauen, die nicht versuchen, durch Akzente den Blick auf bestimmte Körperregionen zu lenken und dadurch von anderen abzulenken, gefallen mir eben besser, als die, die sich immer herausputzen um aufzufallen. Diese stille Schönheit der natürlichen Ausstrahlung, die, die von innen kommt und nicht aufgesetzt wirkt, macht für mich den Unterschied zwischen denen, die schön sind, und denen, die es sein möchten.
Ungehemmt sah ich sie an, verfolgte ihre Mimik, ihre Bewegungen, wenn sie ein Bein über das andere legte und den Rock darüber glattstrich, beobachtete ihre Lippen, die sich sanft an das Glas legten, wenn sie kurz innehielt, weil sie auf dem Handybildschirm etwas las, um anschließend einen großen Schluck Wein hinein zu lassen.
Und ich fühlte mich ertappt, als sie plötzlich den Kopf hob und mich direkt ansah, versuchte, die peinliche Situation mit einem Lächeln zu glätten und erreichte damit, dass sie sich wieder ihrem Handy widmete, nachdem sie ihr Haar hinters Ohr geschoben hatte, das sich, als sie ihren Kopf senkte, sofort wieder befreite und herabfiel. Dazu wippte sie auch noch mit dem Fuß, an dessen großem Zeh ihr flacher Schuh verführerisch pendelte.
Tatsächlich hatten Christin und auch Agnes in den letzten Tagen meine Libido wieder derart in Schwung gebracht, dass mich diese kleinen Gesten anmachten, und es tat mir ehrlich leid für dieses unschuldige Geschöpf, das ein paar Tische weiter saß und davon absolut nichts ahnte. Befreit von meinem voyeuristischen Angriff wurde sie schließlich von einem Mann, der sich von hinten an sie annäherte und sie mit einem vertrauten Kuss hinters Ohr von ihrem Handy aufsehen ließ. Ein herzliches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als sie ihn ansah, aufstand und sie sich innig umarmten. Das war der Zeitpunkt für mich, den Kellner zu rufen und um die Rechnung zu bitten.
Auf dem Weg zurück hielt ich nochmals an dem kleinen Laden, kaufte etwas fürs Abendessen und machte mich auf den Rückweg. Der Camper war verschlossen, als ich mein Fahrrad abstellte. Ich ging nicht davon aus, dass Agnes immer noch schlief, schließlich war ich mindestens zwei Stunden weggewesen, dennoch verbot ich mir diesmal, durchs Fenster zu schauen. Würde ich die beiden sehen, wie sie sich gegenseitig ... naja, ich wäre sofort gefangen und könnte mich sicherlich nicht losreißen. Außerdem war ich ein wenig müde, verstaute die Lebensmittel vorübergehend in meinem Zelt und legte mich auf die Matratze.
Sanft geweckt wurde ich, weil eine Hand mir über die Wange strich.
»Allo Roman, flüsterte unsere französische Begleiterin. Hab isch disch geweckt? Das wollte isch nisch.«
Dann hätte sie mich nicht anfassen sollen, dachte ich und sah in Agnes strahlende Augen. Ohne zu fragen legte sie sich zu mir, als sei es das Normalste der Welt. Dabei glitt ihre Hand über meinen Oberkörper, und das nicht unabsichtlich, sondern gewollt, strich über meine Brust und meinen Bauch und Agnes ließ keinen Zweifel aufkommen, dass sie in diesem Moment Zärtlichkeiten mit mir austauschen wollte. Ihren Kopf legte sie an meine Schulter und kuschelte ihren verführerischen Körper an meine Seite. Normalerweise schlief ich nicht auf dem Rücken, lag jetzt aber genau so, dass sich die weiblichen Rundungen dieser atemberaubenden Frau an mich schmiegten.
»Wo ist Christin?«, fragte ich und wurde mir im gleichen Moment bewusst, dass ich in Agnes Augen nicht einfach so fragte, sondern mir der Abwesenheit unserer gemeinsamen Spielfreundin bewusst werden wollte.
»Die musste mal raus«, sagte sie.
»Und wo ist sie hin?«
»Keine Ahnung. Sie hat sisch ihr Fahrrad genommen und ist weg.«
»Und da hast du dir gedacht, du kommst mal zu mir«, resümierte ich.
»Schlimm? Magst du das nisch?«
»Doch doch ...« Ich legte einen Arm um sie und streichelte ihren Rücken.
»Es ist schön bei dir«, sagte sie wie selbstverständlich und drückte sich enger an mich.
Mit der Hand streichelte ich über ihren Arm, der auf meinem Bauch lag. Für mich war es eine komische Situation, zwischen den beiden Frauen zu stehen, für Agnes hingegen war es offenbar die normalste Sache der Welt, bei mir zu liegen und sich streicheln zu lassen. Sie hatte wohl sehr viel Nachholbedarf, wie mir schien. Ich konnte mir nur vorstellen, was sie erlebt hatte, darum war ich weit davon entfernt, mich ihr zu entziehen, wenn mein inneres Ich auch mit dem Zweifel kämpfte, dass es das war, was Christin gemeint hatte. Welche Verpflichtung hatte ich auch schon ihr gegenüber? Musste ich mich etwa rechtfertigen? Sicher nicht.
Ich zog Agnes noch näher und küsste ihr auf die Stirn. Das war der Frau in meinem Arm offenbar nicht genug, denn sie streckte sich und küsste mich ungefragt auf den Mund, lächelte mich an und begann, erneut ihre Hand über meinen Oberkörper wandern zu lassen. Mit einem Augenaufschlag, der Berge zum Schmelzen bringen könnte, sah sie mir in die Augen und ließ ihre Hand unter mein T-Shirt gleiten. Wenn sie meinte ... Meine Hand fand ebenfalls den unteren Rand ihres T-Shirts und glitt auf ihren Rücken.
Agnes hatte zwar Kurven, war aber alles andere als dick. Im Gegenteil würde ich sie eher als nicht dürr bezeichnen. Sie hatte eine herrlich weiche Haut und einen sehr sinnlichen Mund. Diesen küsste ich nun und spürte, dass ihre Zunge an meinen Lippen kitzelte. Einen Moment ließ ich sie zappeln, dann kam ich ihr entgegen. Schon bemerkenswert, dass in diesen Momenten, in denen man mit jemandem intim wird, der Geschmack im Mund gar nicht den Ausschlag gibt. Vermutlich hat es die Natur so eingerichtet, dass die Hormone entweder den Geschmack des anderen besser dastehen lassen, oder aber die eigenen Geschmacksnerven dermaßen täuschen, dass alles nach Erdbeereis schmeckt.
Mittlerweile war Agnes meinem Gesicht noch näher gekommen, lag fast auf mir und streichelte mit ihren wunderschönen Brüsten durch den Stoff zweier T-Shirts meinen Oberkörper. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie sich auch damit nicht zufriedengab und mir mein Shirt hochschob, um meine blanke Haut mit den Lippen zu huldigen. Um es ihr leichter zu machen, hob ich die Arme und animierte sie, es mir komplett auszuziehen.
Einen Augenblick lang saß sie auf mir und musterte meinen Blick, und ihre Augen sagten mir unmissverständlich, dass sie berührt werden wollte. Als würde ich die Konturen einer wertvollen Skulptur ertasten, ließ ich meine Fingerkuppen über diesen atemberaubenden Körper gleiten, fühlte, wie sie aufgeregt atmete, sah zu, wie sie begann zu zittern, wenn ich kitzeliges Terrain betrat und bestaunte, wie unter meiner Berührung diese herrlichen Knospen zum Leben erweckt wurden.
»Roman, isch würde sehr gerne mit dir schlafen«, sagte sie, »aber isch kann nisch.«
»Das ist in Ordnung, Agnes, mach dir keine Vorwürfe. Ich kann sehr gut verstehen, dass du an Francois denken musst.«
»Es geht nisch um Francois.«
»Nein? Ist es Christin?«
»Nein, das ist es auch nisch. Isch ... ähm ... isch blute.«
Das war nicht zu glauben. Dieses liebenswürdige Geschöpf saß auf mir und erzählte mir allen Ernstes, dass sie mit mir schlafen wollte, es aber nicht könne, weil ihre Regelblutung eingesetzt hatte?
»Bei mir kommt das oft plötzlisch. Tut mir leid.«
»Hey, komm mal her.« Ich zog sie zu mir herunter und drückte ihr einen Kuss auf den Mund. Glauben konnte es noch immer nicht.
Na gut, ich hätte ihr davon erzählen können, dass ich mal davon gelesen hatte. In dem Artikel wurde beschrieben, dass die Beschwerden während ihrer Menstruation bei manchen Frauen nicht so stark ausfallen, wenn sie dennoch Sex haben. Eigene Erfahrungen hatte ich natürlich nicht und ich hatte auch nie mit einer Frau während ihrer Periode geschlafen, zumindest wusste ich es nicht. Und ich hatte schon gar nicht irgendjemanden danach gefragt, ob es besser liefe, wenn man trotz Regelblutung Sex hatte. Den Gedanken fand ich noch nicht mal abstoßend. Aber sollte ich das Agnes jetzt wirklich erzählen? Würde sie nicht glauben, ich wäre sowas von notgeil, dass ich ihre Zurückhaltung nicht akzeptierte? Unter Umständen hatte sie ja eigene Erfahrungen und tat es deshalb nicht. In meinem Kopf wirbelten derart wirre Gedanken umher, die ich nicht einfangen konnte, dass ich mich sogar schämte. Ich hielt sie einfach fest. Langsam glitt sie von mir herunter, lag kurz danach wieder an meiner Seite und allem Anschein nach brauchte sie meine Zuneigung. Nicht, weil ihr Erlebnis sie so mitgenommen hatte, sondern weil sie ...
Seite an Seite lagen wir eng umschlungen auf meiner Matratze und ich zog sie noch näher an mich, küsste sie ungehemmt und sie küsste zurück.
»Das tut mir so leid«, nuschelte sie.
»Das braucht dir überhaupt nicht leid zu tun.«
Eine ganze Weile lagen wir innig vereint in meinem Iglu und Agnes hatte sich mittlerweile beruhigt, atmete gleichmäßig und ruhig, als wir die Schiebetüre des Campers hörten. Christin war anscheinend zurückgekehrt, doch wir dachten gar nicht daran, uns loszulassen. Offenbar suchte sie nach ihrer Freundin, denn die Schiebetüre wurde auf- und wieder zugeschoben. Es dauerte einige Zeit, bis ich vor meinem Zelt ein leises Rufen hörte: »Roman. ... Roman?!«
»Agnes ist bei mir.« Ich zog den Schlafsack über uns, damit sie nicht auf dumme Gedanken kam, wenn sie mich mit entblößtem Oberkörper sehen würde.
Wieder vergingen etliche Augenblicke, bis Christins Stimme erneut zu hören war: »Darf ich reinkommen?«
Ohne auf unsere Zustimmung zu warten, öffnete sich der Reißverschluss. Manchmal sagen Blicke mehr als Worte, so auch in diesem Moment. Sie sah uns an, sah, wie wir dort lagen in inniger Umarmung, hätte Rücksicht nehmen und gehen können, doch sie blieb, krabbelte über mich, küsste mich auf den Mund, anschließend Agnes und legte sich zu uns.
»Du bist ja pitschnass«, sagte ich zu ihr, als sie sich unter der Decke an mich drückte.
»Was du nicht alles weißt«, grinste sie und nahm unseren running gag ein weiteres Mal auf. »Und verschwitzt bin ich auch noch. Ich sollte eigentlich duschen... Oder geht jemand mit in den See?«
Agnes sah uns fragend an, hatte Christins Witz sicher nicht verstanden, und nickte mir zu.
»Geh ruhisch. Das kalte Wasser tut dir sischer gut«, alberte sie und strich mit der Hand über die Decke an der Stelle, an der sie meinen Schoß vermutete und traf auf die Beule, die sie erwartet hatte.
»Na komm«, forderte die rotblonde Schönheit zu meiner Rechten und machte sich auf, das Zelt wieder zu verlassen. Wieder nickte Agnes mir ermutigend zu, küsste mir auf die Wange und deutete mit einer schiebenden Bewegung in meinem Rücken an, ich solle keine Zeit verlieren.
Draußen angekommen musste ich feststellen, dass Christin schon Richtung Wasser unterwegs war. Ihre verschwitzten Klamotten lagen achtlos in dem Campingstuhl und ließen mich ein weiteres Mal ihre verlockende Rückseite bestaunen, als sie den Saum des Wassers erreichte.
Ich streifte meine Hose und mein T-Shirt ab, legte beides auf den zweiten Stuhl und zögerte kurz bei meiner Unterhose.
»Was soll es«, dachte ich mir, stieg heraus und legte sie dazu.
Christin hatte das tiefere Wasser bereits erreicht, ließ sich auf dem Rücken treiben und beobachtete mich ganz genau, während ich zu ihr in den See stieg.
Die Sonnenstrahlen zauberten glänzende Muster auf die ruhige Wasseroberfläche, spielten mit dem glatten Spiegel und verliehen der Szenerie eine magische Note. Neben meinem Gehör waren auch meine Augen nicht mehr die besten, doch das, was sich vor mir auf dem Wasser abspielte, konnte ich ganz genau erkennen. Eine rotblonde Mähne umrahmte das Gesicht meiner neuen Hausärztin, die mich selbstgefällig anlächelte, und unter deren Kinn zwei sanfte Hügel sich aus dem Spiegel erhoben, gekrönt von sich deutlich abzeichnenden Gipfeln. Weiter unten bildeten sich Wellen auf der Oberfläche, weil Christin sich mit leichtem Beinschlag über Wasser hielt. Dort, wo ihre muskulösen Schenkel sich trafen, tauchte immer wieder eine krausige Erhebung auf. Das alles blieb bei mir sicher nicht ohne Folgen, darum bemühte ich mich, zügig bis zum Bauch einzutauchen. Agnes hatte Recht gehabt, ich brauchte Abkühlung.
Die letzten Tage hatten, mein inneres Verlangen betreffend, ganze Arbeit geleistet und mich wieder wie dreißig fühlen lassen und, bevor die Vernunft der aufkeimenden Gier nach dem Ausleben zwischenmenschlichem Trieb nachgab, glitt ich sanft ins Wasser.
Ich schwamm auf Christin zu, wollte beim Treiben durchs Wasser eigentlich nur einen belanglosen Plausch mit ihr beginnen, doch sie behielt ihre Position bei, bis ich bei ihren Füßen anstieß. Mehr noch kam sie mir ein wenig entgegen, krallte ihre Zehen in meinen Nacken und war sich mit Sicherheit bewusst, welchen Anblick sie mir bot.
»Agnes geht es nicht gut«, ließ ich sie wissen und gestattete, dass sie mit ihren Füßen an meiner Brust spielte.
»Aha, was ist denn los? Bist du auf einmal der Fachmann für Frauenleiden? Sie hat ihre Tage, das geht vorbei.«
»Ich wollte nur, dass du es weißt.«
»Du Armer, hat sie dich nicht rangelassen?«
Ich packte Christins Füße und zog sie unter meine Arme.
»Schätzt du mich so ein? Glaubst du, dass ich sie nur in mein Zelt gelassen habe, weil ich mit ihr schlafen wollte? Nach allem, was passiert ist?«
Christin entwand sich meinem Griff, kam näher und plötzlich spürte ich, wie sie ihre Füße an meinem Penis vorbeiführte.
»Warum nicht? Es wäre nur natürlich, wenn du bei zwei verführerischen Frauen in deiner Nähe keine Gelegenheit ausschlagen würdest.«
Sie grinste mich an, schlang ihre Arme um meinen Hals und ihre Beine um meine Taille.
Der Seegrund war noch nicht so weit entfernt, dass ich unter ihrer Last untergegangen wäre, stand also noch fest auf dem Boden, doch, als sie sich an mich drückte, um mich zu küssen, senkte sie ihr Becken so weit ab, dass sich ihre Vulva auf die Wurzel meiner ansteigenden Erregung legte.
»Na also, hab ich es doch gewusst, der feine zurückhaltende Herr hat schon wieder Lust.«
Ich schob sie sanft weg.
»Du bist unmöglich. Deine Freundin liegt in meinem Zelt und krümmt sich vermutlich vor Schmerzen und du hast nichts anderes zu tun, als mich hier zu verführen? Schäm dich«, übertrieb ich die Situation vielleicht ein wenig.
»Oh, auf einmal so abweisend. Was ist los?«
Sie grinste mich an und wusste ganz genau, welche Wirkung ihr atemberaubender Körper auf mich hatte. Sie schwamm zurück zum Ufer und zwang mich ein weiteres Mal, ihr dabei zuzusehen, wie sie ihre verführerischen Rundungen gekonnt in Szene setzte.
Nach einer entspannenden Runde im See ging auch ich zurück, trocknete mich ab und zog mir etwas an. Gegenüber Agnes machte ich den Vorschlag, in die Stadt zu fahren und vielleicht etwas zu bummeln oder eine Kleinigkeit zu essen, um auf andere Gedanken zu kommen. Sie fand den Vorschlag hervorragend und schlüpfte aus meinem Schlafsack.
Ihr Anblick, die femininen Rundungen, das freundliche Lächeln unter dem zerzausten dunklen Haar und nicht zuletzt ihre atemberaubende Ausstrahlung ließen meine Lust auf diese Frau ein weiteres Mal aufbegehren. Ich nahm sie in den Arm und küsste sie leidenschaftlich.
Christin erfreute der Vorschlag mit dem Ausflug in die Stadt offenbar gar nicht so sehr, denn sie gab Agnes gegenüber deutlich zu verstehen, dass sie gerne mit mir alleine in die Stadt fahren könne. Agnes erzählte es mir, als sie startklar vor mir stand in ihrer engen Jeans und einem Oberteil, dass keine Zweifel an ihrer Anmut verborgen ließ.
Es bedurfte einiger Überredungskunst meinerseits, inklusive massiver Beschwichtigungsversuche, die letztlich dazu führten, dass Christin mich des Busses verwies. Nach nicht mal zehn Minuten kam sie heraus, trug den langen Rock, die schweren Lederstiefel und eine weiße Bluse, die ich an ihr noch nie gesehen hatte. Den Bund des Rockes hatte sie soweit nach unten geschoben, dass ich die Gefahr sah, ihre rotblonden Löckchen würden gleich den Weg ans Tageslicht suchen, und die Bluse war aufgeknöpft bis zum unteren Ansatz ihrer zierlichen Brüste. Auf Höhe des Bauchnabels hatte sie die Enden verknotet, was auf dem ersten Blick nicht auffiel, weil weiß vielleicht nicht ihre Farbe war bei ihrer hellen Haut. Ich war versucht, einen Spruch loszulassen und ihr anzubieten, am Bauch etwas Sonnencreme aufzutragen, damit die letzten Strahlen des Tages nicht doch noch einen Sonnenbrand hervorrufen würden, ließ es letztlich aber bleiben. Schließlich wollte ich die Situation nicht noch weiter anheizen und Gefahr laufen, Christin würde sich umentscheiden. Unzweifelhaft war jedoch, dass sie eine weitere Stufe des Kampfes gegen ihre Freundin eingeläutet hatte, an dessen Ende ich in den Fängen einer der beiden Frauen landen sollte.
Natürlich genoss ich es, wie Christin sich bemühte, mich nicht in Agnes Armen zu verlieren. Wir teilten alle drei gemeinsam ein sehr erotisches Erlebnis, wobei mir erst mit und mit klar wurde, dass Christin von Anfang an der Meinung gewesen war, die Oberhand zu haben, und sich sicher war, dass Agnes nur eine Mitspielerin war.
Dass meine Sympathie für ihre Freundin größer war, als sie gedacht hatte, und dass sie selbst mit ihrem zweifellos atemberaubenden sportlichen Körper nicht zu allen Zeiten die Geschehnisse zwischen uns in sexueller Hinsicht bestimmen konnte, damit hatte sie nicht gerechnet. An sich könnte es ihr egal sein, schließlich ging es ihr nur um Sex und nichts anderes, wie sie immer wieder beteuerte, doch es triggerte sie mehr als erwartet. Außerdem, so hatte sie mir gestanden, mochte sie mich, was vielleicht weitaus mehr bedeuten konnte als nur schlichte Sympathie.
Nun gut, ich mochte sie auch, ich fand sie toll, liebte ihren Sarkasmus, ihre spitze Zunge und letztlich auch ihre Leidenschaft, und doch war es mir ein Anliegen, ihr deutlich zu machen, dass sie nicht nur mit dem Finger schnipsen musste, um mich in ihr Bett zu bekommen.
Agnes hingegen war sich aufgrund ihrer herzlichen Art vermutlich gar nicht bewusst, in welcher Schlacht sie sich momentan befand, suchte etwas völlig anderes als Christin. Sie war enttäuscht, vielleicht sogar verraten und suchte Geborgenheit und etwas Ablenkung und war damit der perfekte Gegenpol zu Christin.
Und gerade deshalb, man nenne mich einen wahren Sadisten, legte ich es darauf an, Christins Eifersucht, so sie denn gegenwärtig war, anzufeuern.
Agnes öffnete absichtlich provokant oder eher unabsichtlich nichts ahnend die Fahrertüre und bat ihre Freundin, hinten einzusteigen, was die Situation keineswegs herunterkühlte. Ich nahm, wie selbstverständlich, auf dem Beifahrersitz Platz und ließ es mir nicht nehmen, das Radio einzuschalten, damit unsere rotblonde Schönheit auf dem Rücksitz nichts von unserem Gespräch mitbekam. Sie kochte förmlich, das konnte ich im Spiegel der Sonnenblende gut erkennen. Nicht, dass es um etwas Wichtiges ging, wir sprachen eher über belangloses Zeug, über die Stadt und darüber, wie lange Agnes schon dort lebte, was sie vorrangig abends unternahm und über das typische Essen der Region.
Wir parkten das Auto und sie zeigte uns ein paar nette Ecken, bis wir schließlich in einem schönen Restaurant landeten. Ich bestellte Wein und Muscheln zur Vorspeise und langsam taute Christin wieder auf. Wir aßen, tranken und alles in allem war es ein gelungener Abend, bis Agnes Telefon vibrierte und sie mit einem ernsten Gesicht abnahm. Bevor sie selber etwas sagte, entschuldigte sie sich höflich und ging vor die Tür. Nach wenigen Minuten kam sie zurück.
»Entschuldigt bitte, aber isch muss weg.«
»Was, jetzt sofort?«
Agnes kramte schon in ihrer Tasche und suchte vermutlich nach ihrem Portemonnaie. Sie war aufgeregt, nervös und fahrig, schaufelte mit der Hand ziellos durch die Tasche.
»Lass gut sein, das regeln wir«, versuchte Christin sie zu beruhigen. »Sag uns lieber, was los ist.«
»Meine Schwester, sie hatte einen Unfall. Isch muss zu ihr.« Sie sah uns an. Sie war bleich im Gesicht. »Hier«, sie reichte mir ihren Wagenschlüssel, »ihr könnt das Auto nehmen.«
»Kommt gar nicht in Frage«, wies ich ihr Angebot zurück. Ich selbst hatte mindestens drei Gläser Wein getrunken, Christin sicher auch nicht weniger, da sollte niemand von uns mehr fahren. »Du nimmst den Wagen, wir kommen schon zurecht. Sehen wir dich noch?«
»Pardon, isch muss los. Danke für alles.« Sie zeigte auf den Tisch, beugte sich zu Christin und gab ihr ein Küsschen auf jede Wange, bevor sie die Zeremonie auch mir angedeihen ließ. Total außer sich verließ sie das Restaurant und ließ uns beide mit fragender Miene zurück.
Völlig überfahren sahen wir uns an und uns beiden war klar, dass wir keine Lust mehr hatten, noch zu bleiben.
Wir hätten natürlich ein Taxi nehmen können, entschieden uns letztlich aber dafür, mit dem Bus zu fahren, an einer Station in der Nähe unseres Liegeplatzes auszusteigen und den Rest zu Fuß zurück zu legen. Wir wollten natürlich keinen Taxifahrer auf unseren geheimen Stellplatz aufmerksam machen. Christin ließ es sich nicht nehmen, die Rechnung zu begleichen, während ich meine Blase entleerte. Anschließend tranken wir aus und gingen. Der zentrale Busbahnhof war schnell gefunden, er lag nur ein paar Schritte entfernt, die Christin nutzte, sich eine Zigarette anzumachen.
»Kennst du Agnes Schwester?«, fragte ich meine Reisebegleitung auf dem Weg dorthin.
»Nur von Erzählungen. Warum fragst du?«
Die Sache mit dem überstürzten Aufbruch kam mir komisch vor, doch ich wollte Christin nicht von meinem Eindruck erzählen, schließlich war Agnes ihre Freundin.
»Ich dachte nur gerade darüber nach, was passiert sein könnte.«
»Ja, sie tat so geheimnisvoll. Wir hätten sie auch begleiten können.«
»Ich denke, sie wollte es nicht. Ist auch nicht so wichtig. Hauptsache, das Ganze geht gut aus.«
Christin nickte.
»Du, Roman, ich wollte mich entschuldigen ... wegen eben. Ich war irgendwie ...«
»Schon gut«, unterbrach ich sie und legte einen Arm um ihre Schulter. Ihr Kopf sank auf meine, so als wolle sie nochmals bekräftigen, dass es ihr leidtat. »Ich war auch nicht ganz fair.«
Kurz zuckte ich zusammen. Über den Platz, an dem die Busse auf ihre Passagiere warteten, ging ein Mann, dessen Gesicht mir bekannt vorkam. Es war der Kerl, den ich in der Halle gesehen hatte. Es war Francois. Wie konnte das sein? Er sollte doch bei der Polizei sein und nicht hier. Zielstrebig ging er auf eine Häuserecke zu, an der eine Nebenstraße von dem Platz abging und dort stand Agnes.
Ich hielt sofort an und zog Christin in meine Arme. Überrascht sah sie mich an.
»Wir sollten uns nicht so viele Gedanken machen über andere, meinst du nicht auch?«, versuchte ich sie von der Szenerie abzulenken.
»Du hast recht, schließlich sind wir im Urlaub.«
Jetzt fehlte nur noch, dass wir uns küssten.
Ich legte meine Hand in ihren Nacken und zog sie sanft zu mir, bis unsere Lippen sich trafen. Über ihre Schulter sah ich währenddessen zu, wie Francois und Agnes sich umarmten und dann in der Nebenstraße verschwanden.
»Komm, wir müssen den Bus bekommen«, hauchte ich Christin zu und löste unsere Umarmung.
»Ja, lass uns so schnell wie möglich zurück«, gluckste sie und ich merkte, wie der Alkohol ihre Sinne offensichtlich ein wenig vernebelt hatte, denn sie strahlte mich mit glasigen Augen an. Die Zigarette hatte ihr offenbar nicht gutgetan. Kaum im Bus, legte Christin ihren Kopf an meine Schulter und es dauerte nicht lange, bis ich ein vertrautes Schnurren vernahm.
Gegenüber, auf der entgegengesetzten Sitzreihe, saß ein junger Mann und sein lüsterner Blick auf die rotblonde Schönheit an meiner Schulter war mir nicht entgangen, wenn er immer wieder herübersah. Aus seiner Position musste die aufklaffende Bluse einen herrlichen Einblick bieten, darum zog ich an dem weißen Stoff und schloss ein paar Knöpfe. Es sollte eine eindeutige Geste sein, dass es sich nicht schickte, einer schlafenden Frau auf die nackten Brüste zu schauen. Er hatte sie verstanden und drehte sein Gesicht in Richtung Fenster.
Dass er keine böse Absicht hatte, war schnell klar, dennoch wollte ich meine wunderschöne Begleiterin vor seinen Blicken schützen, wenn ich ihn auch nur zu gut verstehen konnte.
Da wir bald unsere Haltestelle erreichten, weckte ich Christin sanft. War es mir bis dahin nicht wirklich so drastisch aufgefallen, wurde mir augenblicklich klar, dass sie die Menge Alkohol nicht wirklich gut vertragen hatte. Sie schwankte zwar nicht direkt, doch, als wir den Bus verlassen hatten und irgendwo im Nichts an einer verlassenen Bushaltestelle standen, meinte sie sofort, sie müsse unbedingt mal für kleine Mädchen. Ich wusste, dass es sie nicht störte, wenn jemand danebenstand, dennoch bat ich sie, sich ein wenig verdeckt in die Hocke zu setzen. Etwas abseits und aus dem Schein der Haltestellenbeleuchtung griff sie hemmungslos unter ihren Rock und zog, noch bevor ich ein paar Schritte zur Seite machen konnte, ihre Unterhose herunter. Beim in die Hocke Gehen schien sie noch sicher auf den Beinen. Als sie jedoch wenige Zeit später, nachdem sie lautstark ihre Blase entleert hatte, die Tücke der Schwerkraft übermannte, konnte ich durch einen festen Griff an ihrer Schulter gerade noch verhindern, dass sie vorne überkippte.
Sie nuschelte etwas, kicherte und fand wieder sicheren Stand. »Verdammt«, verstand ich noch, und etwas wie »aufs Höschen gepinkelt« folgte im gleichen Kicherton. Sie wedelte mit ihren Fingern, als wollte sie sagen: »Darf ich nochmal kurz um deine helfende Hand bitten?« Flehend sah sie mich an.
Ich reichte ihr meine Hand, die sie dankbar annahm, während sie mit der anderen unter ihrem Rock herumfuchtelte. Etwas ungelenk hob sie ein Bein und hätte beinahe ein weiteres Mal das Gleichgewicht verloren, weshalb ich sie mit beiden Händen an den Schultern festhielt.
»Geht es dir gut?«, fragte ich, ahnte zwar, dass sie an ihrer Unterhose herumfingerte, war mir aber nicht sicher, was sie da machte.
Schnaubend hantierte sie mit beiden Händen unter ihrem Rock herum, stieg, gesichert durch meinen Griff, mit ihren schweren Lederstiefeln aus dem Höschen und wusste nicht, wohin damit. Sie sah mich an und mittlerweile hatte ich nicht nur den Eindruck, sondern war mir sehr sicher, dass sie gehörig einen sitzen hatte. Unentschlossen knüllte sie das Stückchen Stoff zusammen.
»Gib schon her, wird schon nicht so schlimm sein«, gab ich mich erneut äußerst hilfsbereit, nahm ihr den Slip ab und versenkte ihn in meiner Hosentasche.
Hand in Hand gingen wir die Straße entlang zu der Stelle, an der der unbefestigte Schotterweg von der Hauptstraße abbog. Weniger, weil ich mich so eng mit meiner Hausärztin verbunden fühlte, sondern vielmehr, um sicher zu gehen, dass sie nicht strauchelte und womöglich noch fiel, hielt ich sie fest an der Hand. Erstaunlich sicher setzte Christin, angesichts ihres vorherigen Zustands, einen Fuß vor den anderen, hielt meine Hand vermutlich eher genau deshalb, weil es ihr so vorkam, als seien wir ein Paar. Mein Eindruck war sogar, als genieße sie es, durch diese vertraute Geste mit mir verbunden zu sein, und, ehrlich gesagt, fand ich es auch alles andere als unangenehm. Ich ertappte mich dabei, wie ich manchmal mit dem Daumen ihren Handrücken streichelte.
Gingen wir zunächst, ohne ein Wort zu reden, zu sehr mit uns und unserem sicheren Gang beschäftigt, begann Christin kurz nach Einbiegen in den dunklen Weg, zu erzählen. Daran merkte ich, dass ihr Körper durch den Alkohol nicht vollkommen unzähmbar geworden war, sich im Moment jedoch auf das Grundbedürfnis beschränkte, denn ich verstand nur Bruchstücke von dem, was sie mir sagen wollte. Einzelne Wortfetzen konnte ich deuten, versuchte, sie logisch zusammen zu setzen, was mir nur leidlich gelang, doch sie redete über Agnes. Eine gewisse Enttäuschung erkannte ich in ihren Worten, weil diese so plötzlich aufgebrochen war und uns sozusagen sitzen gelassen hatte. Ab und zu tauchte der Name Francois auf, ich konnte allerdings den Zusammenhang nicht recht in ihren Worten finden. Im Gegensatz zu ihrer Sprache war der Gang zwar nicht gerade, aber erstaunlich sicher.
Ich ließ sie reden, dachte mir, dass es für Christin gut war, genügend Frischluft einzuatmen und sich mit dem Finden von Worten zu beschäftigen, so verging die Zeit schneller. Ohne sie zu unterbrechen lenkte ich sie an der Abbiegung gekonnt in die richtige Richtung. Dennoch schien es sie irritiert zu haben, denn auf einmal wechselten ihre Gedanken und sie redete nicht mehr von Francois, sondern von Roman. War ich mir zunächst nicht sicher, ob sie die Namen einfach vertauscht hatte, merkte ich nach einiger Zeit, dass es in dem, was sie erzählte, um mich und Agnes ging.
Ich war sehr erstaunt, wie diese Frau auf einmal wie eine Spieluhr ablaufen konnte, ohne auf Punkt und Komma zu achten. Christin redete am laufenden Band - und hielt meine Hand.
Der See war im Mondlicht schon zu erkennen, spendete uns Licht durch die helle Reflektion auf der spiegelglatten Oberfläche, als Christins Redefluss plötzlich erstarb. Ohne weitere Worte gingen wir nebeneinander her, beide mit Blick auf den See. Anscheinend hatte sie sich etwas gefangen, war vielleicht sogar klarer oder wacher geworden und verlangsamte ihre Schritte.
»Is das nich schön?«
Christin war stehen geblieben und sprach mit einem Mal verständlich. Ich war baff. Nicht, weil der Anblick des Sees im Mondlicht so atemberaubend aussah, - also das war er tatsächlich -, sondern weil sie im Abstand von wenigen Minuten etwas klar Gesprochenes, durchaus für meine Ohren Verständliches, von sich gegeben hatte.
Neben ihr stehend, Hand in Hand, genoss ich den Moment, der mir so intim vorkam und ein wenig mein Herz erwärmte, zog die wunderschöne Frau an meiner Seite in den Arm und atmete tief ein. Es musste Christin genauso getroffen haben, denn sie legte ihren Arm um meine Taille und ihren Kopf an meine Schulter. Es mag kitschig klingen, aber es war der schönste Moment an diesem Abend.
Mit einem lauten Seufzer lösten wir uns eine halbe Ewigkeit später voneinander, sahen uns kurz an und bewegten uns, Arm in Arm, in Richtung des Campers, der so aussah, als warte er schon auf uns.
»Bleibs du heu ... heute Nacht ... bei mir?« Christin kicherte, als wir dort ankamen, weil ihre klare Stimme noch nicht vollständig zurückgekehrt war.
Ich nickte.
Natürlich würde ich sie in diesem Zustand nicht alleine lassen. Das war mir schon klar geworden, als wir noch im Linienbus gesessen hatten. Dass sie jetzt aber darum bat, bei ihr zu bleiben, vereinfachte die Sache ungemein.
»Ich muss noch pinkeln«, kündigte ich an und ging hinter den Bus.
Als ich zurückkam, stand die Schiebetüre offen. Im Inneren lag ihr Rock wahllos über den Sitz geworfen, darunter die Bluse. Ich kramte Christins Höschen aus meiner Tasche, war versucht, daran zu riechen, und hielt es mir in einigem Abstand unter die Nase. Ich muss zugeben, dass es mich irgendwie anmachte. Anschließend legte ich es zu ihren Sachen, wusch mir kurz die Hände und schloss die Tür. Christin lag auf dem Bauch auf ihrer Matratze und schnurrte schon wieder so herzerwärmend. Ein letzter Blick noch auf diesen verführerischen Po, dann zog ich meine Klamotten aus und ihr eine Decke über. Ich strich ihr das Haar aus dem Gesicht, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und legte mich neben sie.
Das Mondlicht schien herein und tauchte den unteren Teil ihres Bettes in ein fahles Licht, darum konnte ich ihr Gesicht nicht sehen, dafür aber genau erkennen, wie sie ihre Beine unter der Decke zurecht strampelte. Mit den Händen unter dem Gesicht lag ich auf der Seite und betrachtete ihr Gesicht, oder vielmehr die Stelle in der Dunkelheit, wo ich es vermutete und von wo dieses liebliche Geräusch kam, das mir ein Lächeln aufs Gesicht zauberte und das mich genüsslich wegdämmern ließ.
Als ich viele Stunden später die Augen wieder öffnete, sah ich an die Decke des Campers. Ich fühlte in mich hinein. Mein Kopf schmerzte nicht, dafür drückte aber meine Blase. Langsam drehte ich meinen Kopf in Christins Richtung, schaute überrascht in ihre wachen Augen, die mich anlächelten, und wollte gerade etwas sagen.
»Na, hast du gut geschlafen, mein Held?«
»Glaub schon, und du? Geht es dir gut?« Etwas schief lächelte ich zurück.
»Mhm«, murmelte sie und reckte sich. Dass dabei die Decke ein wenig nach unten rutschte, schien sie nicht zu stören, und dass dadurch die steife Spitze einer ihrer wunderschönen Brüste zum Vorschein kam, war ihr ebenfalls egal. »Es war schön zu sehen, wie du mit einem Lächeln auf dem Gesicht deinen Traum zu Ende geträumt hast. Du hast doch sicherlich von mir geträumt, oder?«
»Wie kommst du darauf, dass ich von dir geträumt habe?«
»Wer weiß, vielleicht konnte ich deine Gedanken lesen?«
Sie lag wieder auf der Seite, das Gesicht mir zugewandt und die Decke verhüllte oberhalb ihres Bauches nichts mehr.
»Dir scheint es zumindest wieder besser zu gehen«, stellte ich mit Blick auf ihre bezaubernden kleinen Brüste fest, deren Kronen wie kleine Türmchen in mein Richtung zeigten. Sie musste es gesehen haben, denn sie boxte mir leicht auf den Arm.
»Hast du Lust auf eine erfrischende Runde im See? Irgendwie müssen wir auf Touren kommen, oder?«
Ich willigte ein und zog die Decke von unseren nackten Leibern. Meine neue alte Bettgenossin war schon wieder zu Späßen aufgelegt, schob sich an mir vorbei, um als Erste im Wasser zu sein und spritzte mich nass, als ich den Rand des Sees erreichte. Das Wasser war wirklich herrlich erfrischend und weckte im nu die Lebensgeister, die uns in der Nacht verlassen hatten.
Zum Kaffeemachen zog ich mir eine Hose an, irgendwie ein Bedürfnis, nicht vollkommen unbekleidet in der Küche zu stehen. Frau Doktor hatte sich lediglich ein Handtuch umgelegt. Sie ging viel unbefangener mit ihrer Blöße um. Vielleicht konnte ich, was das anging, noch einiges von ihr lernen.
»Hast du heute etwas vor?«, fragte ich, eher anstandshalber.
»Wenn du mich so fragst ... ich würde mich gerne den ganzen Tag verwöhnen lassen.« Christin lächelte mich schelmisch an, doch ich war mir sicher, dass sie das absolut ernst meinte.
»Und das heißt?«
Mit geschürzten Lippen, als würde sie gerade erst nach einer Antwort suchen, sah sie an mir vorbei, um plötzlich direkt zu werden: »Jetzt, wo Agnes nicht da ist, hätten wir doch herrlich Zeit, uns ein wenig näher kennen zu lernen. Körperlich meine ich.«
»Bist du immer so, wenn du am Vortag betrunken warst?«
»Nimm es doch als Wiedergutmachung dafür, dass du mich heil nach Hause gebracht und die ganze Nacht über vor bösen Geistern beschützt hast.«
»Das würde ja bedeuten, dass das Ganze nur mir gefallen muss? Wie kommst du denn darauf, dass ich Spaß daran habe, dich zu verwöhnen und das auch noch als Belohnung ansehe?«
Nicht gerechnet hatte ich damit, dass sie unter dem Tisch mit ihrem zierlichen Fuß zielsicher meinen Schritt traf und durch die Hose meine Männlichkeit begann zu streicheln.
»Er hat es mir heute Morgen zugeflüstert«, hauchte sie mit einem lasziven Augenaufschlag und tippte mit ihren Zehen auf meine unweigerlich aufkommende Erregung.
Ich stand auf und wollte sie packen, doch sie war schneller. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit wehrte sie meinen Griff ab, wickelte das Handtuch, das sie trug, um meine Arme und verhinderte dadurch, dass ich selbst beim Nachsetzen etwas von ihr zu fassen bekam.
»Zuerst wird geduscht«, sagte sie mit einer niedlich unschuldig klingenden Stimme und ging um den Camper herum.
Ich muss, so glaube ich, nicht erklären, dass ich mich auf meine alten Tage schon wieder angestachelt fühlte, also folgte ich ihr.
Ein weiteres Mal kühlten wir uns an diesem Morgen ab, bevor ich meine schöne Hausärztin in meinen Armen zum Bus trug. Wie zwei Kletten klebten unsere Lippen aneinander, weil sie, ihre Arme um meinen Hals geklammert, sich von mir tragen ließ. Ich fragte mich, was sie vorhatte, als sie mit einer mächtigen Portion Waschlotion nicht nur sich, sondern auch meinen Schritt durch die Beine hindurch bis hinauf zu meinem Kreuzbein äußerst gründlich gereinigt hatte, doch ich sollte es erfahren.
***
»Was denkst du?«
Christin lag auf dem Bauch, den Kopf in die Hände gestützt, und sah mich an. Sollte ich ihr sagen, dass ich im Moment nicht denken wollte, weil ich völlig fertig war? Sollte ich ihr sagen, dass ich solche Anstrengung nicht gewohnt war? Sie würde mir sicher zu mehr Ausdauersport raten ... und brauchte ich das?
Ganz vorsichtig hatte ich sie auf das Bett in ihrem Camper abgelegt, hatte sie abtrocknen wollen, es dann aber sein gelassen, weil die Sonne sich zu schön in den Wassertropfen auf ihrer Haut widerspiegelte. Von ihrem Mund aus hatte ich meine Lippen an ihrem atemberaubenden Körper herunterwandern lassen, hatte nichts ausgelassen, keine noch so kleine Stelle, hatte es geliebt, die einzelnen Tröpfchen von ihrer Haut zu küssen, hatte ihre Brüstchen gereizt, bis sie es nicht mehr ausgehalten hatte. Schließlich war ich unterhalb ihres Bauchnabels angekommen und hatte mein Lustspiel nochmals verlangsamt.
Zitternd hatte sie mich sicher auf ihren krausigen Härchen erwartet oder noch weiter unten, so dachte ich zumindest, doch ich wollte sie zappeln lassen und war vom Bett gekrabbelt, um mich ihren Füßen zu widmen. Jede einzelne Zehe hatte ich geküsst, geleckt, hatte daran genuckelt, wie ein Baby an seinem Schnuller, und war bestätigt worden durch Christins Seufzen. Auf den Ellbogen abgestützt hatte sie mir zugesehen, hatte die Augen genießerisch geschlossen und sich wieder auf das Bett sinken lassen, als ich mich an ihren muskulösen Beinen hochgeküsst hatte, bis zur Innenseite ihrer Schenkel. Glänzend hatte mich ihre rosige Blüte schließlich derart in ihren Bann gezogen, dass ich meine Lippen hatte daran vorbeiküssen lassen.
Als ich schließlich versuchte, dem zitternden Bündel unter mir mit meiner Zunge näher zu kommen, hatte sie mich festgehalten. Fragend hatte ich sie angesehen, war nicht sicher, ob ich etwas falsch gemacht hatte.
»Das Beste möchte ich mir bis zum Schluss aufsparen«, hatte sie gesagt und war unter mir herausgekrochen.
»Komm jetzt, du bist dran«, hatte sie gesagt und mich sanft auf die Matratze gezogen.
Was dann kam, hatte ich nicht erwartet. Hände und Lippen überall auf meinem Körper, und damit meine ich wirklich überall. Auf einmal leuchtete mir ein, warum sie mich so gründlich gewaschen hatte, denn, auf dem Bauch liegend, hatte sie mir gezeigt, wo meine erogenen Zonen waren, was darin gipfelte, dass sie mir, nach einer Ewigkeit, die von mir aus nie hätte enden müssen, den letzten Tropfen aus meinem kleinen Freund gesaugt hatte. Wo ich meine weißen Biester überall hin verstreut hatte, wusste ich nicht und ich hatte auch andere Gedanken in dem Moment, als dass es mich interessiert hätte, ob ich die Frau Doktor besudelt, das Laken versaut oder aber ob sie es sich alles einverleibt hatte. Ich fühlte mich leer, erholsam leer, glücklich und äußerst wohl. Im Nachhinein konnte ich mich nicht erinnern, mich jemals so befriedigt ausgelaugt gefühlt zu haben. Christin hatte mich angelächelt und mir zu verstehen gegeben, dass sie bereit war, dort weiter zu machen, wo ich vor langer Zeit bei ihr unterbrochen worden war.
Nachdem ich wieder zu Atem gefunden hatte, war es mir ein Vergnügen gewesen, auch ihr ein solches Gefühl zu bescheren, wie sie es mir geschenkt hatte und ihre Blüte wie ein Schwarm Bienen abzuernten. Ich hatte mein Bestes gegeben, meine rattenscharfe Gespielin nach allen Regeln der Kunst zu bespielen, ihr zu zeigen, zu was Mann auch fähig sein konnte, woraufhin sie mir am Ende, das heißt, nachdem sie wimmernd darum gebeten hatte, ich solle aufhören, dankbar das Gesicht abschleckte wie eine Katze bei der Wäsche.
Jetzt lagen wir beide auf dem Bett, erschöpft, zumindest was mich betraf, und restlos befriedigt, und sie fragte mich allen Ernstes, was mir durch den Kopf ging.
»Ich kann nicht denken, mein Hirnschmalz ist soeben komplett verloren gegangen.«
Christins Kichern bestätigte mir, dass sie das ausgedehnte Liebesspiel weit weniger mitgenommen hatte als mich.
»Kann man dich mit einem nahrhaften Frühstück wieder auf Touren bringen?«
Sie sprang auf wie eine Gazelle, wenn die Löwinnen im Anmarsch sind, band sich eine Schürze um, und machte sich daran, Spiegeleier zu braten. Ich blieb liegen und labte mich an der Ansicht dieser atemberaubenden Frau, und das betraf nicht alleine ihr Aussehen.
Darüber hinaus war sie eine Künstlerin in der Küche, die Eier waren hervorragend. Zum letzten Schluck Kaffee genehmigte Christin sich eine ihrer doch eher selten gewordenen Zigaretten, genoss sie sichtlich, während ich es genoss, ihren Körper anzusehen, der sich unter der mehr oder minder kleidenden Schürze verbarg.
Ihrem Wunsch gemäß landeten wir erneut im Bett, dieses Mal gut genährt wieder bei Kräften und deutlich erholt, was meine Person betraf. Sie wollte sich den gesamten Tag über verwöhnen lassen, das hatte sie mir am Morgen gesagt, und ich war etwas enttäuscht, dass sie damit nicht auch das Essen eingeschlossen hatte. Kochen war meine Leidenschaft, doch anscheinend traf ich nicht immer Christins Geschmack.
»Was ist eigentlich zwischen dir und Agnes?«
Sie lag wieder auf dem Bauch, zappelte mit den Füßen und malte mit einem Finger kleine Kreise auf meiner Brust. Ich lag wie Balu der Bär, diesmal eher geschafft vom Frühstück als von körperlichen Aktivitäten, auf dem Rücken und hatte meine Hände unter meinen Hinterkopf geschoben.
»Was meinst du?«
»Denkst du an sie?«
»Im Moment nicht, warum meinst du?«
»Na, ich hatte den Eindruck, da wäre ... ja, vielleicht mehr zwischen euch.«
»Mehr als was?«
Sie kniff mit zwei Fingern in meine Brustwarze.
»Aua, was soll das?«
»Stell dich nicht so dämlich an. Du weißt genau, was ich meine. Hast du dich verliebt? Hat sie sich verliebt? Was läuft da?«
Ich wusste genau, worauf sie hinauswollte, aber ich fand es niedlich, wie sie um den heißen Brei herumredete.
»Ich weiß nicht, ob sie sich verliebt hat.«
Als nächstes landete ihre flache Hand auf meiner Brust.
»Schon gut, verprügle mich nicht, das wäre unfair. Ich habe nicht mal ein Seepferdchen, viel weniger einen Gürtel in Karate.«
»Sag schon.« Plötzlich legte sie ihre Zähne an meiner Brustwarze und deutete an, sie abzubeißen.
»Nein, wie kommst du darauf?«
»Ich möchte es einfach wissen.« Christin nahm ihr Gesicht ein wenig zurück, legte ihre Lippen an die Brustwarze, der sie gerade noch auf die Pelle rücken wollte, und küsste sie.
»Das ist schon viel besser.«
Ich nahm eine Hand unter meinem Kopf hervor und begann damit, ihren Nacken zu kraulen. Wie eine Katze schmiegte sie sich an mich, legte ihr Gesicht auf meiner Brust ab und lächelte mich liebevoll an.
»Wie gut kennst du Agnes eigentlich?«, fragte ich, war mir in diesem Moment noch unsicher, ob ich meiner Geliebten von dem erzählen sollte, was ich gesehen hatte.
»Puh, ich denke ganz gut. Warum fragst du?«
»Och, nur so.«
Christin krabbelte näher zu mir und begann, meinen Bauch abzuküssen.
»Gefällt er dir?« Sie musste lachen und prustete in meinen Bauchnabel. Ich gab ihr im Gegenzug einen leichten Klapps auf den Po.
»Ihr wart aber ein Liebespaar? Also damals, als ihr zusammengewohnt habt, meine ich.«
»Ist das wichtig?«
»Also wart ihr ein Liebespaar.«
Christin ließ ihre Lippen wieder über meine Brust streichen.
»Ja, waren wir ... zu Anfang zumindest. Sie steht aber mehr auf Männer ... und sie ist manchmal echt unersättlich. Irgendwann war es dann vorbei. Sie zog zurück nach Troyes.«
Ich strich mit der Hand über ihren Rücken, eine tröstende Geste vielleicht.
»Und kennst du auch diesen Francois?«
»Nein, nicht persönlich. Warum fragst du das alles? Was geht dir durch den Kopf?«
»Du hast ihn nie gesehen?«
Christin stützte sich auf die Ellbogen, hörte auf mit ihren Zärtlichkeiten und sah mich angestrengt an.
»Nein, auch das nicht. Agnes und ich, wir blieben in Kontakt, schrieben uns Briefe, nachher E-Mails. Wir sind Freundinnen.«
»Und irgendwann hat sie dir geschrieben, dass sie und ihr Mann Probleme haben?«
»Naja, sie sind nicht verheiratet, aber schon lange zusammen. Der Kontakt ist zwischendurch seltener geworden, nur noch zum Geburtstag und so. Später schrieb sie was von einem Typen, mit dem sie zusammenlebte und dann kam diese ganze Gefühlsduselei. Ich fand es schön, dass sie jemanden gefunden hatte. Aber, sag mir jetzt bitte, was los ist.«
»Ich dachte nur darüber nach, was alles passiert ist. Vielleicht meine Berufskrankheit, dass ich immer alles genau wissen möchte. Tut mir leid.«
Ich beugte mich herunter und küsste sie. Christin legte ihre Hand in meinem Nacken und zog mich näher. Eine zärtliche Schmuserei entstand, die ich auf keinen Fall durch blöde Fragen unterbrechen wollte. Nach einer Ewigkeit trennten wir uns atemlos voneinander, sahen uns lange in die Augen und ich hatte den Eindruck, dass ihr etwas schwer auf dem Herzen lag. In dem Moment kam ich mir so tölpelhaft vor, die doofe Geschichte mit Agnes aufwärmen zu wollen, wo Christin scheinbar ganz andere Gedanken quälten und ich so überhaupt nichts verstand.
Sie löste ihre Augen als Erste und legte ihren Kopf wieder auf meine Brust.
Es dauerte eine Weile, bis sie begann:
»Du, Roman?«
»Mhm?«
»Glaubst du, wir könnten nochmal von vorne beginnen?«
»So, als hätten wir keinen Sex gehabt?«
Sofort stülpte sie ihre Lippen über die Brustwarze, sog sie ein und entließ sie mit einem Plopp.
»Du bist echt ein gnadenloser Schwerenöter. Habe ich dir das schon mal gesagt?«
»Ich glaube nicht«, lachte ich, »das höre ich jetzt zum ersten Mal.«
»Nein, im Ernst«, sie hatte sich wieder auf die Ellbogen gestützt und kitzelte mit den Fingern an meiner Seite, »glaubst du, wir könnten uns nochmal auf einer anderen Ebene neu begegnen?«
»Und die wäre?«
»Bist du jetzt wirklich so schwer von Begriff, oder ziehst du mich nur auf?«
Ich legte beide Hände an ihr Gesicht und beugte mich herunter, um sie zu küssen. Anschließend umschlang ich sie mit den Armen. Eng aneinander gekuschelt lagen wir auf ihrem Bett in ihrem Camper und fühlten uns, spürten die Hitze und mir wurde richtig warm ums Herz. Wollte meine Hausärztin mir tatsächlich sagen, dass sie sich verknallt hatte? In mich, auf meine alten Tage?
»Der Sex soll aber dazu gehören, hörst du?«, sagte sie mir, nachdem sie mich gedreht und sich auf mich gelegt hatte.
»Und was ist mit all deinen Frauengeschichten?«, fragte ich.
»Für dich würde ich die aufgeben.«
Wow!!! Ich konnte es mir nicht erklären, musste bei meiner Frau Doktor, dieser liebenswerten wunderschönen Frau in den besten Jahren, aber mächtig Eindruck hinterlassen haben. Bisher wollte ich es mir nicht so richtig eingestehen, vielleicht, weil ich lange keine Beziehung gehabt hatte und mir in meinem Alter nicht vorstellen konnte, nochmal so etwas einzugehen, mit all seinen Höhen, Tiefen, Gefühlen, Herausforderungen, Enttäuschungen und Glücksmomenten.
»Hey, hörst du wieder schlecht?«
»Was ist denn? Hast du was gesagt?«
»Ich habe dich gefragt, was mit all deinen Frauengeschichten ist.«
»Achso, ja, ich zählte gerade durch und überlegte, ob ich die alle sausen lassen wollte.«
»Du Scheusal!«
Christin kletterte auf mich, wusste natürlich sofort, dass ich wiedermal Spaß gemacht hatte, und verschlang meine Lippen mit ihrem Mund.
Was soll ich sagen? Wir blieben den ganzen Tag im Bett. Und den nächsten auch.
***
Die Klinke klingt metallisch, als ich sie herunterdrücke. Ein schmaler Schein erhellt für den Moment das Zimmer.
Ich weiß, dass du da bist. Im fahlen Mondschein sehe ich den weichen Teppich, bleibe einen Augenblick stehen, nur um zu lauschen. Ein aufgeregtes Atmen dringt an mein Ohr und ich weiß genau, dass du mich erwartest. Die Schuhe habe ich ausgezogen, die Socken ebenfalls. Flauschig legen sich die Fransen des Vorlegers um meine Zehen, kitzeln mich ein wenig, warm und weich. Du hörst die Schnalle meines Gürtels. Du musst sie hören, denn ich bin nicht leise, will es nicht sein, weil du wissen sollst, dass ich da bin.
Du scheinst Wort gehalten zu haben. Das Bild, das du mir geschickt hast, hat es mir verraten. Du willst, dass ich es weiß. Völlig ausgeliefert erwartest du mich, dein Atem zittert erwartungsvoll. Ein Seufzen verrät dich.
Ich drücke auf den Schalter, die Vorhänge öffnen sich. Jeder soll es sehen, jeder, der will. Auf dem weichen Teppich klettert der Schein des Mondes, wirft Licht und Schatten, steigt über die Hügel und fällt wieder ab. Hell erscheinen die beiden lieblichen Rundungen, die beiden prallen Backen, die ich so liebe.
Der Vorhang geht weiter auf und das Mondlicht kriecht deinen Rücken hinauf bis zu deinem Nacken. Wie eine sanft geschwungene Ebene liegst du vor mir, kalt und grau. Aber du bist weder kalt noch grau. Du bist heiß, heiß und bunt. Weiß und rot habe ich dich in Erinnerung.
Meine Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit und in meiner Vorstellung erscheinst du, sinnlich, weich, rot und weiß. Meine Hose spannt. Ob du es ahnst?
Ein Knopf ploppt auf, weitere folgen. Stoff schabt über Haut. Ein dumpfes Rascheln von Stoff auf Teppich erreicht deine Ohren.
Du weißt, was folgt. Oder etwa nicht?
Spürst du, dass ich mich zwischen deine gespreizten Beine gekniet habe? Spürst du meinen Atem auf den Backen? Und in der Furche dazwischen? Du spürst es, denn du zitterst. Es glänzt wie ein Edelstein ... wenn das Mondlicht dich erreicht ... dort, wo sonst niemand hinsehen darf ... niemand außer mir. Und es duftet fantastisch. Es riecht nach dir. Wenn du verdorbene Gedanken hast. Wenn du heiß bist. Und wenn du es nicht erwarten kannst. Ich sauge dich ein, inhaliere dich und mache mich auch heiß, heiß zwischen deinen Beinen.
Der Schlag trifft dich unvorbereitet, du zuckst zusammen. Mitten auf die Pobacke habe ich getroffen. Es war die rechte. ... Aber es tat nicht weh. Ich war sanft, weil ich immer sanft zu dir bin. Vielleicht ein Stück zu sanft für deinen Geschmack. Darum habe ich ein Spielzeug mitgebracht, ein langes breites Etwas, mit dem ich dir so süße Qualen schenke. Du spürst sie an deiner Schulter, in deinem Nacken. Sie kitzelt hinter deinem Ohr, aber du kannst dich nicht wehren, weil du Wort hältst. Weil du die beiden Tücher benutzt hast, die ich dir geschenkt habe. Darum musst du sie ertragen, die lange Feder, die dich so süß quält.
Im fahlen Mondlicht erkenne ich, wie sich im Bruchteil einer Sekunde eine Gänsehaut über dich ausbreitet. Und du keuchst. Die Feder kitzelt sich an deiner Seite entlang, lässt deine definierten Rückenmuskeln zucken, führt dazu, dass du mir deinen Po entgegenstreckst, ihn vom flauschigen Teppich anhebst und mir einen Vorgeschmack auf diese feucht glänzende Stelle zwischen deinen Beinen erlaubst.
Ohne es direkt zu wollen, streift mein strammer Freund mit seiner Spitze die Lippen, die sich danach sehnen, von ihm gedehnt zu werden. Zur Strafe trifft ein weiter Klapps auf die bereits gerötete Backe. Du liebst es, das weiß ich. Darum streckst du sie mir ein weiteres Mal entgegen, erwartest eine Fortsetzung, doch ich verwehre sie dir. Stattdessen streichelt die Feder die gerötete Haut, umspielt sie, schiebt sich an deiner Haut entlang, bis sie die heiße Stelle erreicht. Ein lauter Seufzer entfährt dir und du öffnest deine Beine weiter, um sie dort zu spüren, die ersehnte Berührung. Auf die Knie musst du gehen, um dein Becken zu heben, um deinen Po höher zu schieben. Du öffnest dich ganz, zeigst mir deine Blüte, die nass im Mondlicht glänzt. Ganz langsam schiebe ich die feinen Fransen über die Nässe, verteile sie in der Furche darüber und lasse dich erzittern.
Quälend langsam zieht sie sich durch den Spalt, schnellt herab, um noch mehr Feuchtigkeit aufzunehmen, und verlässt diese nasse Venus wieder.
Die nächste Stufe wird eingeläutet.
Mit einem Stoß schiebe ich mich in dich. Du atmest scharf aus, fühlst dich ausgefüllt, wohlig ausgefüllt bis auf den letzten Millimeter. Du hast es nicht erwartet, hattest keine Zeit, dich daran zu gewöhnen, und genau das liebst du am meisten. Ohne mich zu bewegen, bleibe ich in dir, fühle, wie sich deine endorphinen Knospen in deinem Inneren um mich schmiegen, doch bevor du Spaß daran hast, ziehe ich mich zurück, stimuliere das sensible Knöpfchen mit meiner Spitze, indem ich sie links und rechts daran vorbeistreifen lasse, indem ich sie darum kreise und bringe dich weiter auf Touren.
Du möchtest mich bitten, dich endlich zu erlösen. Du kannst es unterdrücken, weil du weißt, ich würde dich dafür bestrafen, würde dich unbefriedigt zurücklassen. Als Belohnung landet meine Hand fest auf deiner linken Backe. Der süße Schmerz und die Dehnung deines Eingangs spornen dich an, ruhig zu bleiben. Aber nicht lange, denn ich bohre mich wieder bis zum Anschlag in dich hinein, streife mit der Spitze zum ersten Mal spürbar die raue Stelle in deinem Inneren. Du bäumst dich auf und ich weiß, dass ich dich gefangen habe. Du ergibst dich, sinkst zu Boden, genießt es, wie ich mich immer wieder in dich versenke, immer unbeherrschter werde, wie ich sie stimuliere, diese Stelle, die dir den Atem raubt. Ich wollte es hinauszögern, wollte, dass du noch nicht kommst, doch ich war zu schwach. Mit Schwung schieße ich in dir ab und spüre, dass auch du beginnst zu krampfen, anfängst zu zucken, dich nicht halten kannst und zittern muss. Zu stark die Empfindung, zu hart die Stöße, zu süß die Reizung deiner empfindlichsten Stellen. Du glaubst, es sei vorbei, doch da hast du dich getäuscht. Unbeirrt schiebe ich mich weiter in dich hinein, bin immer noch hart genug, um dich zu dehnen und um dich spüren zu lassen, dass du mich in dir hast. Dein Erstaunen weicht sehr schnell der Lust und du windest dich unter mir.
***
Christin und ich hatten entschieden, den gemeinsamen Urlaub vorzeitig zu beenden. Agnes hatte ihre Sachen nicht abgeholt, hatte nicht auf Anrufe reagiert, auch nicht auf Textnachrichten. Mir war es egal, ich glaubte zu wissen, warum. Christin schien es ebenfalls egal zu sein, zumindest sprachen wir nicht darüber. Auf dem Weg nach Hause offenbarte sie mir, dass das Labor bei der Untersuchung meines Bluts etwas festgestellt hatte, was abgeklärt werden musste.
»Keine große Sache, nur ein Wert, der aus dem Ruder läuft«, tat sie die Sache ab. Etwas mulmig war mir bei der Sache, zumal Bernd, mein bisheriger Hausarzt, sie und nicht mich angerufen hatte, aber sie war die Fachfrau und ich vertraute ihr.
Zu Hause, das heißt bei ihr angekommen, räumten wir den Camper leer, nachdem ich in meiner Wohnung nach dem Rechten gesehen und sie mich dort abgeholt hatte. Die Entscheidung war klar, ich zog für die nächsten Tage zu ihr, weil ihre Wohnung die Größere war.
Der zu hohe Wert in meinem Blut erforderte eine Darmspiegelung. Christin stand an meiner Seite, während der Facharzt das Endoskop in meinen Darm schob. Glücklicherweise fand er außer ein paar klärungsbedürftigen Stellen nichts Besorgniserregendes, bisher zumindest.
Den Text, den ich im Urlaub für sie geschrieben hatte, legte ich ihr auf den Nachttisch, während sie einkaufen war. Am Abend musste sie ihn gelesen haben, hatte aber nichts gesagt, bis ich wieder vollends bei Kräften war. Eine kurze SMS, ein Bild von ihren Händen und ein Kussmund, erschien nach dem Piepton meines Handys und ich wusste genau, was zu tun war. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung war mir klar, dass ich die Tabletten, die sie mir in die Jackentasche gesteckt hatte, nicht vergessen durfte. Ich war zwar fit, aber eben nicht mehr dreißig.
Auf dem Bild waren nur zwei seidene Stoffbänder zu sehen, die um Handgelenke gewickelt waren. Sofort wusste ich, was passieren würde, dass sie mich erwarten würde und dass sie von mir verlangte, streng behandelt zu werden. In den letzten Tagen unseres Urlaubs hatte sie mir gestanden, es zu lieben, wenn man ihr, während eines Aktes den Hintern versohlt. Das lag mir fern, das wusste sie, und doch fügte ich einzelne Passagen in meinen Text ein, um ihr zu zeigen, dass ich es respektierte. Diese Leute, die Schmerz als Lust empfinden, habe ich noch nie verstanden, wenn ich auch wusste, dass es sie gab. Ich tat ihr den Gefallen und machte alles so, wie ich es ihr geschildert hatte, vielmehr wie ich es noch in Erinnerung hatte, schließlich war der Text schon ein paar Tage alt und mein Gedächtnis nur wenig besser als meine Ohren.
Als sie besudelt und besamt auf dem Bett lag, band ich sie los, drehte sie und tat das, was sie am liebsten mochte und was auch mir am meisten Spaß bereitete. Ich schleckte genüsslich ihre Schnecke, saugte sie aus und ließ nicht eher von ihr ab, bis sie mindestens ein drittes Mal um Gnade gewinselt hatte.
Die rosige Farbe oberhalb ihrer Brüste, ein eindeutiges Zeichen dafür, dass meine Geliebte mindestens einen fulminanten Höhepunkt durchlebte oder bereits durchlebt hatte, breitete sich bis über Christins Wangen aus und ließ mich zufrieden zurücksinken. Anschließend lagen wir uns in den Armen und holten das als Vorspiel häufig bezeichnete Schmusen und Kuscheln nach. Christin wusste, dass ich das brauchte, darum respektierte sie mein Bedürfnis, so wie ich das ihre.
»Weißt du«, sagte sie wie aus dem Nichts, »ein lyrisches As bist du nicht, aber du bringst mich zum Lachen, hast viele gute Eigenschaften, die ein Mann mitbringen sollte und darum liebe ich den Menschen in dir ... und du bist ein verdammt guter Liebhaber.«
Wow! Sie machte mich sprachlos. Bevor ich etwas entgegnen konnte, verschloss sie meinen Mund mit ihren Lippen.
»Wie viele Tabletten hast du genommen?«, fragte sie nach einiger Zeit. Sie lag halb auf, halb neben mir und streichelte über meinen immer noch gespannten Penis, der sich, nach ihrer Berührung sehnend, auf und ab bewegte.
»Na, alle natürlich«, gab ich zurück.
Ruckartig hob sie ihren Kopf. »Bist du verrückt?«
Ihr entsetztes Ärztinnengesicht war herrlich anzusehen. Natürlich erkannte sie schnell, dass ich sie wieder aufzog, stürzte sich auf mich und biss mir in die Lippe.
»Weißt du, dass ich eigentlich meine Tage bekommen sollte?«
In dem Augenblick war ich es, der sie entsetzt ansah.
»Keine Angst, die kommen noch, da bin ich ganz sicher.«
Darüber hatten wir bisher nicht gesprochen und ich hatte geglaubt, dass der Zeitpunkt, Nachwuchs zu bekommen, bei ihr schon vorbei war.
»Müssen wir dann aussetzen? Mit dem Sex, meine ich.«
»Weiß nicht, ich habe es noch nie probiert.«
Bis dahin blieb uns noch ein ganzer Tag und eine ganze Nacht, denn am nächsten Morgen klagte sie über Ziehen im Unterbauch und in ihren lieblichen Brüsten. Wir probierten auch das, ganz sachte, und es machte uns nicht weniger Spaß.
Außerdem meldete ich mich, zusammen mit Christin, in einem Yoga Kurs an. Es war erstaunlich, wie man durch langsame kontrollierte Bewegungen seine Fitness stärken konnte und dabei noch nette Leute kennenlernte. Das war dann auch der Grund, warum sie uns wieder abmeldete und wir gemeinsam zu Hause täglich unser Programm abspulten. Unter den Teilnehmerinnen waren einige Frauen in meinem Alter, die mir, ihrer Meinung nach, zu schöne Augen machten. Ich fand Christins Anflug von Eifersucht süß.
Eines Tages hatte ich einen Anruf von Agnes auf dem Telefon. Sie hatte mich und nicht ihre Freundin angerufen und ich wusste natürlich sofort, was das zu bedeuten hatte. Sie wollte sicher wissen, ob ich noch Kontakt zu Christin hatte. Gemeinsam riefen wir zurück, doch das Gespräch dauerte nicht wirklich lange. Nach wenigen einleitenden Fragen nach dem Wohlbefinden lenkte ich das Gespräch auf Francois, was sie verstummen ließ. Zögernd erzählte sie sachlich die Geschichte. Zumindest wusste ich jetzt, dass er bei der Sache mit dem Überfall nur eine Nebenrolle gespielt hatte und deshalb nicht vor den Haftrichter musste. Die Beweise gegen seine Komplizen waren erdrückend. Francois befand sich jetzt in einer Entzugsklinik und sie hatten vereinbart, bis zur endgültigen Entlassung keinen Kontakt zu haben.
Nachdem wir aufgelegt hatten, war für uns beide klar, dass wir die nächste Reise planen mussten. An die französische Atlantikküste sollte es gehen, mit Christins Camper natürlich. Und, weil der auch genügend Platz für drei bot, würden wir Agnes anbieten mitzukommen. Bernd musste sich fürs erste eine andere Vertretung suchen, denn in zwei Wochen sollte es losgehen, den Spätsommer mussten wir nutzen. Unterwegs holten wir Agnes ab und fuhren in die Mündung der Garonne, genauer gesagt, auf die Halbinsel Medoc, einem herrlichen Platz Erde.
Natürlich hatte ich Christins Tabletten eingesteckt, nahm allerdings keine einzige davon. Wenn es bei mir mal nicht so lief, wie ich mir das vorstellte, vergnügten wir drei uns eben auf anderem Wege. Ich liebte meine Frauen und tue es noch heute. Gegenseitiger Respekt ist das Schlüsselwort, denke ich, und ein Moment ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Wir lagen wiedermal eng umschlungen auf dem Bett des Campers und Christin fragte mich, ob ich sie auch noch so liebevoll streicheln und küssen würde, wenn sie 70 und ihre Haut faltig sei. Ich sah meine beiden Frauen an und musste grinsen.
»Cherie, natürlich tue ich das.« Nach bedeutungsschwangeren Sekunden fügte ich hinzu: »Dann bin ich fast 80. Warum sollte es mir dann weniger Spaß machen, Falten zu küssen als heute?« Den Blick hätte man einfangen müssen, bevor ich vom Bett kroch und zwei faltige Blüten nacheinander küsste. Unseren Witz hatten wir nicht verloren.
Nun sitze ich hier und beende die letzten Zeilen meines Abenteuers, bin zufrieden, lausche dem Schnurren meiner liebsten rotblonden Ärztin, und freue mich auf den Ruhestand.
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