Jeder Topf findet seine Deckel oder auch nicht ... (fm:Romantisch, 1944 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Ayse1985 | ||
| Veröffentlicht: Jan 17 2026 | Gesehen / Gelesen: 1633 / 1392 [85%] | Bewertung Teil: 9.67 (78 Stimmen) |
| Frederike weiss nicht mit der Situation umzugehen ... | ||
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wirkte hohl. Frederike konnte nicht arbeiten. Der Gedanke, vor Gericht für das Recht anderer zu streiten, während sie ihr eigenes Leben zerstört hatte, war unerträglich.
Sie rief ihren Chef an, einen älteren, erfahrenen Anwalt, der sie sehr schätzte. "Dr. Bergmann... ich brauche eine Auszeit. Urlaub. Mit offenem Ende", sagte sie mit einer Stimme, die sie selbst kaum wiedererkannte. Bergmann war überrascht. "Frederike? Was ist passiert? Die Kanzlei braucht Sie, wir haben den Prozess gegen die Versicherungsgruppe vor uns." "Ich kann nicht", antwortete sie einfach. "Ich bin nicht... ich funktioniere nicht mehr."
Sie versprach, ihre Akten ordentlich zu übergeben, was sie in den folgenden Tagen auch wie ein Roboter tat. Doch danach zog sie die Vorhänge zu. Sie rutschte tiefer und tiefer in eine dunkle Melancholie, die man wohl medizinisch als Depression bezeichnen würde. Sie aß kaum noch, starrte stundenlang die Wand an und fragte sich, wie sie so blind sein konnte. Warum hatte sie ihm nie gesagt, dass er der Einzige war, der wirklich zählte? Warum hatte sie geglaubt, dass Sex mit Fremden ein Zeichen von Freiheit sei, wenn es doch nur die Flucht vor der Intimität mit dem einen Menschen war, der sie wirklich kannte?
Johanns Aufbruch: Von der Elbe an den Tiber​
Während Frederike in Hamburg in Trümmern lebte, befand sich Johann Schwartz in einem Zustand der kontrollierten Flucht. Er funktionierte mit der Präzision, die ihn zu einem herausragenden Chirurgen machen würde. Er hatte den Vertrag der Gemelli-Klinik unterzeichnet, die Tinte war kaum trocken, als er ihn per Express nach Rom schickte.
In drei Monaten würde sein neues Leben beginnen. Rom. Die ewige Stadt. Ein Ort, der weit genug weg war, um den Duft von Frederikes Parfüm und das Echo ihres Lachens zu vergessen.
Um die Leere in seinem Kopf zu füllen, belegte er Intensivkurse in Italienisch an der Volkshochschule. Er lernte Vokabeln wie ein Besessener. Cuore - Herz. Sutura - Naht. Ricominciare - Neuanfangen. Das Studium der neuen Sprache war für ihn wie eine Gehirnwäsche. Wenn er italienische Sätze bildete, gab es keinen Platz für deutsche Vorwürfe.
Doch er war nicht allein.
Nicole: Das Licht im Umzugskarton​
Nicole Hoffmann war zu einer Konstante in seinem Leben geworden, die er nie geplant hatte. Seit jenem Tag in Kiel, als sie gemeinsam im Auto saßen, war sie nicht mehr von seiner Seite gewichen. Was anfangs wie die Solidarität zweier Betrogener gewirkt hatte, entwickelte sich zu einer tiefen, warmen Verbindung.
Nicole war das krasse Gegenteil von Frederike. Wo Frederike laut, fordernd und egozentrisch war, war Nicole ruhig, aufmerksam und von einer fast schon schmerzhaften Ehrlichkeit. Sie half Johann beim Packen. Sie sortierte seine medizinischen Fachbücher, während er die Möbel zum Verkauf inserierte.
Sie verbrachten fast jeden Tag zusammen. Wenn Johann von der Volkshochschule kam, war Nicole oft schon in seiner Wohnung. Sie kochten gemeinsam. Es war kein spektakuläres Kochen für das Ansehen, wie Frederike es geliebt hätte, sondern ein Kochen für die Seele. Der Duft von frischem Basilikum, Knoblauch und gutem Olivenöl füllte die Räume, die zuvor so leer gewirkt hatten.
Eines Abends, während sie eine Flasche Rotwein teilten und über die Unterschiede zwischen dem Hamburger Regen und der römischen Sonne sprachen, sah Johann sie lange an. Nicole lachte gerade über eine Geschichte aus ihrer Kindheit. Ihr Lachen war nicht fordernd. Es war wie ein Geschenk.
"Du willst wirklich mitkommen?", fragte er leise. "Nach Rom? Du gibst alles hier auf." Nicole stellte ihr Glas ab und sah ihn direkt an. Ihr Blick war fest. "Johann, hier gibt es für mich nichts mehr. Thomas hat nicht nur unsere Tanzpartnerschaft zerstört, er hat mich jahrelang klein gehalten. Bei dir... bei dir fühle ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wie ein ganzer Mensch. Ich möchte sehen, wer ich in Rom sein kann. An deiner Seite."
Johann fühlte eine Wärme in seiner Brust, die nichts mit dem Wein zu tun hatte. Er schätzte ihre sanfte Art, ihre unaufgeregte Freundlichkeit. Sie war der Lichtblick, der ihn aus der Dunkelheit nach Frederikes Verrat zog.
Thomas im Abseits​
In einer anderen Ecke der Stadt versuchte Thomas Schmid verzweifelt, die Scherben seines eigenen Lebens aufzusammeln. Er hatte versucht, Nicole anzurufen, hatte ihr dutzende Nachrichten geschrieben. Er bat um Entschuldigung, versprach Besserung, schlug sogar vor, das Training wieder aufzunehmen. Doch jede seiner Nachrichten blieb ungelesen oder wurde sofort blockiert. Nicole war für ihn verloren, und mit ihr sein Status als Top-Tänzer. Ohne sie war er nichts auf dem Parkett.
Er versuchte es auch bei Frederike. Er glaubte, dass sie vielleicht in ihrem gemeinsamen Schmerz zueinander finden könnten. Doch Frederike reagierte nicht einmal. Wenn er vor ihrer Tür stand, öffnete sie nicht. Thomas wurde schmerzhaft bewusst, dass er sich zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Er hatte zwei Leben zerstört und dabei sein eigenes in die Bedeutungslosigkeit gestürzt. Der große Verführer war zum einsamen Geist geworden, den niemand mehr in seinem Raum haben wollte.
Die Nacht der Heilung​
In Johanns Wohnung waren die meisten Möbel bereits mit Laken abgedeckt. Die Kisten stapelten sich im Flur, ein Labyrinth aus Kartons, die sein altes Leben enthielten. Es war die letzte Nacht, bevor die großen Umzugswagen kommen sollten.
Der Abend war ruhig verlaufen. Sie hatten Pasta gekocht, italienische Musik gehört und sich gegenseitig italienische Vokabeln abgefragt. Die Stimmung war geladen, aber nicht mit der aggressiven Spannung, die Johann von Frederike kannte. Es war eine tiefe, harmonische Anziehungskraft, die sich über die letzten zwei Wochen langsam aufgebaut hatte.
Als sie schließlich im Schlafzimmer standen - das Bett war eines der wenigen Dinge, die noch nicht abgebaut waren -, blieb Johann vor Nicole stehen. Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Hand war ruhig, die Hand eines Chirurgen, doch sein Herz klopfte wie das eines Jungen.
"Nicole...", hauchte er. Sie legte ihren Finger auf seine Lippen. "Sag nichts, Johann. Wir sind beide verwundet. Aber heute Nacht... heute Nacht möchte ich einfach nur wissen, dass du da bist."
Sie küssten sich. Es war ein Kuss, der nach Wein und Sehnsucht schmeckte, aber auch nach einer tiefen, gegenseitigen Anerkennung. Johann hob sie hoch und legte sie behutsam auf die Matratze.
Als sie sich entkleideten, gab es keine Scham. Das Licht der Straßenlaternen warf lange Schatten an die Wände. Johann betrachtete ihren Körper, der so anders war als Frederikes. Nicole war zierlicher, aber ihre Haut fühlte sich an wie Seide. Jede Berührung war eine Entdeckung. Johann war vorsichtig, fast ehrfürchtig. Er wollte ihr zeigen, dass Sex mehr sein konnte als eine Machtgeste, mehr als das, was Thomas ihr angetan hatte.
Nicole öffnete sich ihm mit einer Hingabe, die Johann zu Tränen rührte. Es war kein Kampf, kein Wettstreit. Ihre Körper fanden einen gemeinsamen Rhythmus, der nichts mit dem künstlichen Takt eines Tanzturniers zu tun hatte. Es war ein organischer, natürlicher Fluss.
Johann spürte ihre Wärme, ihr leises Stöhnen an seinem Ohr, das nicht wie das verzweifelte Geräusch Frederikes klang, sondern wie ein Seufzer der Erleichterung. Als er in sie eindrang, war es wie ein Ankommen nach einer langen, stürmischen Reise. Sie bewegten sich zusammen, eins im Atem, eins im Gefühl.
Es war eine lange, harmonische Nacht. Sie schliefen nicht sofort ein, sondern lagen eng umschlungen da, während draußen der Hamburger Regen gegen die Scheiben peitschte. Johann hielt sie fest im Arm und spürte ihren regelmäßigen Atem auf seiner Brust.
In dieser Nacht wurde ihm klar, dass er Frederike nicht mehr brauchte. Die Besessenheit, die ihn ein Jahrzehnt lang gefangen gehalten hatte, war einer reifen, ehrlichen Zuneigung gewichen. Er hatte Nicole nicht gesucht, aber sie war genau das, was sein Herz zur Heilung benötigte.
Nicole schmiegte sich enger an ihn. "In Rom wird alles besser, Johann", flüsterte sie im Halbschlaf.
"Ja", antwortete er und küsste ihr Haar. "In Rom beginnen wir von vorn."
Während die Stadt Hamburg langsam erwachte, lag in Johanns Wohnung das Versprechen eines neuen Morgens in der Luft. Die Schatten der Vergangenheit waren noch da, aber sie hatten ihren Schrecken verloren. Denn zwischen den Umzugskartons und den Trümmern zweier gescheiterter Leben war etwas Neues gewachsen: Eine Liebe, die nicht auf Blendwerk und Dominanz basierte, sondern auf Wahrheit und der einfachen, wunderbaren Tatsache, füreinander da zu sein.
*** Fortsetzung folgt ****
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