Häutung- Time to Shine (fm:Romantisch, 13582 Wörter) | ||
| Autor: elonagrey | ||
| Veröffentlicht: Mar 28 2026 | Gesehen / Gelesen: 873 / 708 [81%] | Bewertung Geschichte: 9.47 (19 Stimmen) |
| Durch seine bedingungslose Liebe fand Clara den Mut, die zu werden, die sie ist. Anfangs soft und romantisch, aber dann, nun ja - von manchem Einiges! | ||
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Häutung- Time to shine
Anfangs soft und romantisch, aber dann, nun ja - von manchem Einiges!
Durch seine bedingungslose Liebe fand Clara den Mut, die zu werden, die sie ist. Er glaubte fest an sie, bis auch sie an sich glaubte, da ihr bewusst wurde, dass man keine neuen Erdteile entdecken kann, ohne den Mut zu haben, die Küste aus den Augen zu verlieren (leicht abgewandelt nach André Gide).
Pflegeheim
Manuel ging jeden Mittwoch ins Pflegeheim. Nicht aus Pflichtgefühl allein, sondern aus Gewohnheit. Seit seine Mutter ihre Erinnerungen Stück für Stück verlor, war der Besuch zu einem stillen Ritual geworden. Das Gebäude roch nach Desinfektionsmittel und gekochtem Gemüse. Am Empfang nickte man ihm meist nur kurz zu. Man kannte ihn inzwischen. Seine Mutter saß an diesem Abend wieder im Aufenthaltsraum am Fenster. Die Hände gefaltet, der Blick irgendwo draußen im grauen Abendlicht. Als Manuel sich neben sie setzte, dauerte es einen Moment, bis sie ihn ansah.
„Bist du der Junge von vorhin?“ fragte sie.
Manuel lächelte. „Vielleicht.“
Sie lachte leise, als hätte sie selbst gemerkt, dass die Frage unsinnig war.
Später, gegen acht, begann im Heim die hektische Stunde des Abends. Bewohner mussten in ihre Zimmer gebracht, Medikamente verteilt, Betten vorbereitet werden. Es waren zu wenig Pflegekräfte da, wie so oft. Manuel half manchmal mit. Niemand hatte ihn offiziell darum gebeten. Aber irgendwann hatte er einfach angefangen.
An diesem Abend arbeitete eine neue Pflegerin auf der Station. Clara hatte dunkle Haare, die sie pragmatisch zu einem Knoten nach hinten gebunden hatte, bewegte sich mit einer ruhigen, konzentrierten Energie durch die Flure. Sie war sich ihrer Erscheinung sehr bewusst. Sie war deutlich mehrgewichtiger als die meisten Menschen um sie herum, da gab es nichts zu beschönigen. Seit der Schulzeit hatte sie gelernt, Blicke zu deuten. Manchmal waren sie spöttisch, manchmal mitleidig. Komplimenten, wenn überhaupt, traute sie nicht. Deshalb versuchte sie, gar nicht erst im Mittelpunkt zu stehen.
Manuel hingegen war das Gegenteil. Groß, sportlich, mit einem offenen Gesicht und einer Selbstverständlichkeit in seiner Art, die viele Menschen sofort für ihn einnahm. Wenn er einen Raum betrat, bemerkten ihn die Leute. Clara gehörte nicht zu denen, die ihn direkt ansahen. Sie war überzeugt, dass er sich sowieso nie für jemanden wie sie interessieren würde.
Doch der Alltag hatte seine eigenen Regeln. „Könnten Sie kurz helfen?“ musste sie fast notgedrungen Manuel fragen, als er gerade mit dem Rollstuhl seiner Mutter dastand. „Wir sind heute wieder zu zweit für die ganze Etage.“
Manuel nickte. „Kein Thema! Ich kenne das Prozedere schon.“
Sie lächelte kurz. „Dann sind Sie hier fast schon Teil des Teams.“
Gemeinsam brachten sie seine Mutter ins Zimmer. Manuel hielt sie vorsichtig an den Schultern, während Clara das Bett vorbereitete. Seine Mutter murmelte etwas Unverständliches und griff nach seiner Hand, als wäre er plötzlich wieder ein kleiner Junge. Nachdem sie eingeschlafen war, blieb Manuel noch einen Moment im Flur stehen. Clara kam mit einer Liste in der Hand vorbei.
„Danke für die Hilfe“, sagte sie.
„Sehr gerne. Kein Problem“, antwortete er. „Es fühlt sich komisch an, einfach nur Besucher zu sein.“ Sie lehnte sich kurz an die Wand. „Das verstehe ich. Angehörige helfen hier öfter. Ohne sie würde manches gar nicht funktionieren.“
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