Der Opel Manni (fm:Romantisch, 16266 Wörter) | ||
| Autor: RalfB | ||
| Veröffentlicht: Jun 11 2026 | Gesehen / Gelesen: 446 / 325 [73%] | Bewertung Geschichte: 9.84 (19 Stimmen) |
| Für diese Geschichte musst du zwingend Autofan sein. Viel Spaß damit | ||

Ersties, authentischer amateur Sex
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damals einfach vergewaltigt und diesen Braten in meine Röhre geschoben. Jetzt iss ihn auch!“
Damit sah er ihr hinterher und hatte immer noch nicht den Mund geschlossen. So stand er, wie versteinert vor der Werkstatt seiner Familie, als neugierig geworden sein Opa und sein Vater auf ihn zukamen und fassungslos auf Mannis Ballast starrten. Papa Volker sah ihn an und fragte:
„War das die Braut, die du auf der Klassenfahrt vernascht hast und die dich dafür danach verprügelt hat?“
„Ja…!“
Opa Klaus fragte dazu:
„Ist das da das Ergebnis deiner Bemühungen?“
Manni hatte langsam Tränen in die Augen bekommen, als er sagte:
„Ja…!“
Papa sah in das lachende Gesicht der kleinen Maus, die im Übrigen zu süß für diese Welt war und fragte:
„Ist das ein Zwei- oder Viertakter? Was tankt man da rein? 95 Oktan, oder Diesel?“
Manni begann zu heulen und jammerte:
„Mensch Papa, das ist nicht witzig. Und das weiß ich doch nicht… Was mache ich denn jetzt? Was soll ich denn jetzt mit einem Baby machen? Ich weiß doch nicht mal, wo man sowas startet…!“
Das Mäuschen fand es sau komisch und lachte ihn aus, was ihn echt von der Rolle wuchtete und somit stöhnte er:
„Milch…, Ich glaube mit Milch kommen wir hier weiter!“
Was Opa nur zu der Aussage veranlasste:
„Na dann haben wir ja endlich mal eine echte Frau im Haus!“
Echte Frau im Haus war gut, denn in diesem Dreigenerationen Haushalt, jetzt vier Generationen, war sie somit die einzige Frau, denn keiner der Männer hatte es jemals geschafft, eine richtige Beziehung aufzubauen. Mannis Gang, in Richtung Werkstatt und darüber liegendem Wohnhaus, mit dieser wirklich unglaublich süßen Maus im Arm, war für jeden normal denkenden Menschen sicher ihr Todesurteil. Das dachte anfangs auch das Jugendamt, dass mehrfach kontrollieren kam.
Aktuell arbeitete sie aber erfolgreich am Einwickeln dieser Männer und hatte einen absolut rekordverdächtigen Erfolg damit. Manni legte sie auf einen Sessel, der zwei Armlehnen hatte, womit sie nicht so einfach runterfallen würde. Volker legte schnell noch eine flauschige Decke unter und so standen die drei Krieger um deren Untergang herum und zwei sahen dem einen Opfer zu, wie Manni die mitgelieferte Tasche durchsuchte.
„Also, ein Bordhandbuch, oder Serviceheft ist nicht dabei! Ist wohl nicht Checkheft gepflegt!“
Damit breitete er den gesamten Inhalt der Tasche auf dem Tisch aus und durchsuchte alles. Lili fand das doof und meckerte. Sie knotterte motzig vor sich hin und wollte viel lieber wieder Aufmerksamkeit haben. Das brachte Manni zum Fluchen und so raunzte er seine vorhergehenden Generationen sauer an:
„Verdammte Hacke, dann kümmert euch doch auch mal um die Kleine. Ich muss doch erst mal kapieren, was das hier alles ist!“
Die Babymilchpackung hatte zum Glück eine Anleitung aufgedruckt. Windeln erkannte er so und Strampler bekam er auch noch so verstanden. Wenn auch die Frage zu klären war, ob man zur Anwendung einen zehner-, oder dreizehner Schlüssel nutzte?
Tja… und damit ging es los. Das wohl größte Abenteuer im Leben der drei Müllers. Naja, jetzt vier Müllers. Opa, jetzt Uropa Klaus machte das Taxi für die Kleine und versuchte sein verliebtes Grinsen vor den anderen zu verbergen. Papa, jetzt Opa Volker stand daneben und schüttelte den Kopf und Manni ging, die Anleitung lesend, in die Küche und bereitete ein Fläschchen voller Milch zu.
Uropa Klaus hat dieses Grinsen übrigens für den Rest seines jetzt schöneren Lebens nicht mehr gelassen, wenn er es mit Lili zu tun hatte und er hatte es oft mit Lili zu tun. Ganz sicher auch, weil er kein Interesse hatte, sich dagegen zu wehren.
Es lief weiß Gott nicht alles rund, aber es lief. Manni nahm nach dem Essen seine Tochter auf den Arm und ging mit ihr zu einer Nachbarin, um diese um Anleitung zu bitten. Das war der Hammer, genau wie deren Reaktion, als sie schimpfte:
„Noch mal, auf die Gefahr hin, dass ich mich verhört habe… Was hat diese Andrea gemacht? Die hat dir ihr Baby vor die Füße geschmissen?“
Manni stotterte verlegen:
„Naja, nein, eigentlich hat sie sie mir in die Arme gelegt. Okay, ein bisschen in die Arme geschmissen. Aber bitte Tessi, was mach ich denn jetzt? Was brauche ich? Was braucht die Maus?“
Oh, Oma Tessi war so sauer und frag nicht wie. Sie bekam echte Blutdruckprobleme und einen Knall roten Kopf. Jeder Arzt hätte sicher Alarm gegeben. Sie hatte selbst drei Kinder groß bekommen und war schon unzählige Male Oma, aber sowas war jetzt gar nichts für Oma Tessi. Sie sah den kleinen Nachbars Bengel an und sagte:
„Ne… So läuft das nicht, aber gut jetzt. Besser du kümmerst dich, als diese Missgeburt setzt ihr Kind am Ende irgendwo aus. Diese liebe Mutter wird sich noch umgucken. Also gut, komm mit!“
Und ja… Oma Tessi machte das Bisschen. Sie war es auch, die das Jugendamt verscheuchte und klar machte, dass die drei Männer die ganze Nachbarschaft zur Hilfe hätten und die kleine Maus nirgends sonst sicherer wäre. Junge, was war die Frau so sauer. Aktuell machte die das Bisschen erst mal mit dem Kerl hier. Sie gab dem Manni Unterricht und der lernte wie ein Schwamm. Sie rief ihre Familie an und besorgte Ausstattung, die überall noch herum lag. So eine Oma Tessi war schließlich nicht umsonst Oma geworden. So hatte Manni am gleichen Tag einen Kinderwagen, Trage, Kindersitz für das Auto. Klamotten, sehr viele Klamotten und alles was er so brauchte.
Viel wichtiger war, dass Oma Tessi dem Manni so sehr half und der so sehr glücklich war, dass diese Oma Tessi vom Manni einen riesigen Kuss und unglaublich herzliche Umarmung bekam. So herzlich, dass die arme Oma Tränen in den Augen hatte und knall rot anlief. Tomaten waren in dieser Farbe schon überreif.
Später war diese Oma Tessi der Grund, dass Andrea mit ihrer Mutter etwas weiter wegziehen musste und sogar den Job wechselte. Die Oma erzählte diesen Vorfall nicht nur überall rum, sondern sorgte hier, auf dem Lande dafür, dass es wirklich jeder wusste und die zwei Tussen sich nirgendwo mehr sehen lassen konnten.
Wer hingegen Manni mit seiner Tochter sah, insbesondere wenn er abends mit ihr im Kinderwagen Gassi ging, der wurde wohl weich, wie ein Daunenkissen, was sicher erhebliche Auswirkungen auf Müllers Ruf hatte.
Nein, Manni machte den Anfang nicht ganz alleine. Ja, er bekam aus der ganzen Nachbarschaft eine unglaubliche Hilfe und ja, alle drei Männer lernten und beteiligten sich an der Aufzucht dieses extrem kleinen Verbrenners. Lili war jetzt zwar kein Auto, aber für alle eine spaßige Abwechslung. Das Babybett war ebenfalls schon vor der ersten Nacht im Haus und so startete Manni zwar gebraucht, aber komplett. Babybett stand neben seinem eigenen und nicht mal das nächtliche Füttern, oder Wickeln konnten ihn schocken.
Eigentlich kein Wunder, dass Lili so die mit Abstand größte Familie hatte, die in Deutschland jemals möglich war. Die ganze Nachbarschaft war gefesselt. Jeder Geburtstag war ein Event. Jedes Ereignis in Lilis Leben wurde komplett und riesig gefeiert, zudem sogar die Dame vom Jugendamt immer eingeladen wurde.
Lili war zudem mit Sicherheit kein Mann und das noch nie. Männerhaushalt hin, oder her… Lili war nun wirklich ein echtes Mädchen, dass in jeder Entwicklungsstufe zu überzeugen wusste. Klein hatte sie meistens Zöpfe und Latzhose. Im Sommer auch mal Röcke. Sie trug sehr wohl auch Rosa und spielte mit ihren Pupen. Gut, die Pupen fuhren schon früh Auto, weil das cooler war, aber immerhin.
Tatsache war dann aber auch, dass Lili noch nicht laufen konnte und trotzdem schon die Hosen anhatte. Männerhaushalt hin, oder her, Lili war der Boss und hatte ab dem ersten Tag das Sagen und die Männer voll im Griff. Das galt für die drei Generationen genauso wie für die beiden angestellten Mechaniker. Sie war der Boss.
Und was für ein Boss. Lange, dunkelbraune Haare, recht knackig braune Haut und eine Figur, wie eine Sanduhr. Sie lief in all ihren Jahren meistens in einer Latzhose herum. Egal ob Jeans, oder Arbeitshose, Latzhose war ihr Ding. Sie ist heiß und bestens gebaut. Männer vergessen zu atmen, wenn sie sie sehen, aber mit typischen Frauensachen hat sie überhaupt nichts am Hut.
Am Rande sei erwähnt, dass eine echte heiße Mieze in Latzhose, ganz kurz, und Bikini Oberteil, oder schmalem Top ein echt verbotener Anblick ist. Eine Maus, mit großen grünen Augen, Sommersprossen auf den Wangen und süßer Stupsnase könne aber auch so nichts entstellen. Die willst du, egal wie dreckig. Wohl dem Männerhaushalt geschuldet, hat sie es dabei halt mit Öl und vielen Schrauben.
Das könnte daran liegen, dass sie die meiste Zeit ihrer Jugend im kleinen Büro der Werkstatt verbrachte. Anfangs im Bettchen, dann im Geh Frei und schließlich in der Werkstatt war sie unterwegs. Vom Kindergarten angefangen, später von der Schule war Manni sicher nicht das, was andere erwartet hatten. Die Zeit, seine Tochter zu bringen und zu holen. Sie zu versorgen und sich um sie zu kümmern musste sein.
In seiner Lehrzeit hatte er mit seinem Arbeitgeber ausgehandelt, dass er erst kam, wenn er seine Maus in den Kindergarten gebracht hatte. Dafür blieb er dann etwas länger, was Opa und Uropa forderte, die diese Maus in dieser Zeit versorgten. Als sie in die Schule kam, war Manni längst im Betrieb seiner Familie eingestiegen. Jetzt konnte er zwar alles alleine erledigen, aber Opa und Uropa waren doch nicht blöd. Die Zeit mit Lili zu verpassen hätte bedeutet, die schönsten Momente und Lacher zu verpassen.
In der Region, in der sie lebten war es üblich, dass man recht frei läufige Straßen hatte, an denen in unregelmäßigen Abständen einfach immer wieder mal eine Ortschaft entstand. Diese Ortschaft musste jetzt nicht zwingend mehr als fünf Häuser haben. War halt so. Diese Häuser standen dann an der Straße, meistens wenn ein Gewerbe dazu gehörte, oder eben weit zurückversetzt in der weitläufigen Wiese.
Die Müller Werkstatt lag direkt an der Landstraße in einem Bogen. Um sie herum waren die Nachbarhäuser verteilt und überall standen Obstbäume, mal ein Schuppen, selten ein Zaun. Sehr selten ein Zaun, eben alles freiläufig. Die wenigsten hier wussten genau, wo denn die Grundstücksgrenzen verliefen.
Diese Wiese, der angrenzende Wald und die vielen Nachbarshäuser waren das Jagdrevier der kleinen Lili. Wenn sie es satthatte, immer nur Öl zu riechen, war sie weg und zog dort draußen in der Welt herum, wobei sie bei fast jedem Nachbarn willkommen war. Eine wunderbare Abwechslung, die immer ein Garant war, sehr viel und herzlich zu lachen. Immer mehr lernte sie dann aber mit den Jahren, sich nützlich zu machen.
Manni hatte so überhaupt keine Zeit für andere Frauen und vermisste sie auch nicht. Vom Versorgen, bis hin zu Kochen und Hausaufgaben machen. Mit der Maus auch mal was unternehmen. Termine waren sowieso keine mehr frei und für alles was er tat entschädigte ihn immer dieses Lachen oder Lächeln. Dieses strahlen seiner unbeschreiblich süßen Maus.
Natürlich war es auch logisch, dass Lili schon bald mit den Jungs mitschrauben wollte und bald auch durfte. Das erste Projekt, dass Vater und Tochter vollständig zusammen restauriert hatten war ein alter Opel Commodore B Coupe als GS/E, bei dessen Sanierung die Kleine gerade zwölf Jahre alt war.
Von da ab verbrachte sie ihre Freizeit mit ihrem Papa zusammen und gemeinsam mit Opa bauten die Zwei eine richtige Opel Raritätensammlung auf, wobei auch der schon ein paar Schätze angeschafft hatte. Von Opa lernte sie, aus einer Blechtafel die einzelnen Teile zu formen und einzupassen. Sie war noch nicht mal richtig Frau und konnte schon mit Abkantbank, Ambos und Schweißgerät umgehen.
Rost raus, neue Teile rein. So schön und sauber konnten das nur wenige wie sie.
Manni war ein Gott in Elektrik und Mechanik. Sie konnte mit 15 einen Automotor zerlegen und repariert zusammenbauen. Damals wusste sie schon, was man wie machen musste, um diesen Motor besser und schneller zu machen.
Andrea, ihre Mutter hatte später zwar Kontakt zu ihr, aber die beiden passten wie Feuer und Wasser zusammen. Es war ein dummer Zufall, dass man sich mal auf einem kleinen Oktoberfest begegnete und nur weil sie ein paar Worte mit Manni wechselte, kam man überhaupt in die Situation, sich miteinander auseinanderzusetzen. Was damals schon auffiel war, dass sich beide Mädels überhaupt nicht riechen konnten. Lili reagierte sogar etwas bissig, was gerade Manni schwer verwunderte.
Lili hatte es nicht von ihrem Papa erfahren, auch erst später, aber von extrem angefressenen Nachbarn, was ihre Mama damals gemacht hatte und damit hatte die sowieso nicht mehr so die Chance. Andrea ist Friseurin und eine ziemliche Modetussi, wenn sie auch ihre Figur schon früh verloren hatte und Manni inzwischen froh war, dass er sie nicht bekommen hatte. Lili und sie passen bis heute nicht zusammen und wird wohl auch so bleiben.
Was passt, ist die Tatsache, dass Lili später auf die Fachhochschule ging und dort ihren Ingenieur machte. Was passt ist die Tatsache, dass die Familie in einer zweiten Halle eine ganze Sammlung von alten Opels unterhält und was passt, ist die Tatsache, dass Lili sie alle reparieren kann. Lili hatte aktuell auch die gleichen Probleme wie ihre Männer. Sie fand einfach keine Beziehung. Während die Jungs wohl nicht interessant genug waren, war Lili zwar interessant, aber die Jungs haben auch heute noch Angst vor ihr.
Tja… Nebenbei waren diese Jungs aber auch einfach zu langweilig und Lili hatte keine Zeit.
Dazu könnte passen, dass die Müllers nichts so machen, wie andere. Papa Manni hatte sich einen Spaß daraus gemacht und schon früh einen Manta gekauft, da war Lili noch ein Baby. Damals war es nur ein Haufen Schrott, den keiner wollte. Heute ist der Schrott fast unbezahlbar. Problem war nämlich, dass dieser Manta sicher in die Branche passte, aber inzwischen ein echtes Vermögen wert ist.
Einen Opel Manta A 2800TE, der mal von der Firma Steinmetz gebaut wurde. Tja… Genau betrachtet der seltenste und teuerste Manta, den es für Geld zu kaufen gibt. Nur kannst du eben keinen kaufen. Wer verkauft den schon? Von diesem Modell wurden offiziell mal 75 Stück gebaut und angeblich verkauft. Fachleute gehen aber davon aus, dass nur etwa 60 Stück an Kunden verkauft wurden, von denen heute noch so 40 Fahrzeuge leben sollen.
Was du für dieses Modell zahlen musst, reicht in der Regel auch für einen halbwegs anständigen Ferrari, wobei es diesen dann gleich hunderte Male öfter gibt.
Wegen dessen Wert und weil es Spaß gemacht hatte, hat Manni mit seiner Tochter dann noch einen zweiten aufgebaut, den er bis heute als einziges Auto und für den Alltag nutzt. Einen alten Opel Manta A GT/E hatten die Zwei aufgebaut. Mit dem Mustergutachten des TE bauten sie ihn auf einen Sechszylinder um. Vorne und hinten wurde die Karosserie nur aus Blech und rund, den Rädern folgend verbreitert, beziehungsweise die Seitenwände herausgezogen und ja. Den hörst und siehst du schon von weitem.
4,0 Liter Hubraum mit Mantzel Motorenumbau. 3 Liter 24 Ventile, aus einem Opel Senator war die Basis, die später durch den Mantzel ersetzt wurde. Diese Kiste wurde hinten im Kofferraum mit Blei ausgegossen, damit die Räder nicht immer durchdrehten und ja. Mit diesen Schätzen haben die beiden so manchen Pokal gewonnen.
Genau betrachtet hat jedes Schätzchen in ihrer Sammlung ein ordentliches Wertgutachten und schon so einige Pokale und Siege gesammelt.
Wir halten aber mal fest. Der zweite Manta musste her, weil der erste zu schade und zu wertvoll war um ihn jeden Tag zu fahren.
Ist klar, ne?
Registrieren wir einfach, dass Manni an seinem aktuellen Schätzchen immer wieder und so, wie er gerade etwas Schönes findet, weiter umbaut und modernisiert. Eine Baustelle also, die sich immer weiterentwickelt und verfeinert. Nicht Manni, aber jeder KFZ-Gutachter auf dieser Welt hätte Manni inzwischen an den Kopf gefasst und gesagt:
„Junge, du brauchst dringend Medikamente gegen… Kauf einen dritten, denn der Zweite ist jetzt auch nicht mehr weniger wert als der Erste. Eher umgekehrt!“
Aber na gut. Heutzutage bekommt man ja keine Teile mehr für so eine alte Kiste! Manni müsste dann ein neueres Modell suchen und ja…! Lili hatte den dritten Manta im Internet gefunden. Mit Papa war sie losgezogen und hatte in Dänemark einen Schrott Manta abgeholt. Sie kauften dort einen Opel Manta B i400 von Irmscher und… Ach vergessen wir es… Den bekommst du auch nicht geschenkt… Auch nicht viel weniger wert… Und billiger werden die alle nicht!
Lili passte ins Bild, denn sie hatte mit Papa und damals noch Uropa einen Opel Kadett C City gekauft, den Uropa ihr komplett finanziert hatte und einen weiten Teil noch mit ihr umgebaut hatte. Das der Kadett aber nicht ganz so original ist, kann man sich jetzt vorstellen, oder? Aus einem verunfallten Opel Ascona B 400i von Irmscher kam ein 2,4 Liter Vierventil Motor, der für sich schon unbezahlbar ist.
Originale i400 wurden bei Motorschäden auf Sechszylinder umgebaut, da Ersatz nicht mehr zu bekommen war. Damit verloren die aber einen gewaltigen Teil ihrer Dynamik, weil sie vorne einfach zu schwer wurden. Ein i400 Vierzylinder Motor, der auf der letzten Prüfstandmessung 214 PS an die Hinterachse lieferte die entsprechend scharf gesperrt wurde und mit einem Getrag-Fünfgang-Renngetriebe angesteuert wird.
Zum Gewicht der Kiste schreibe ich hier nichts, aber geht mal davon aus, dass dieses Auto richtig böse ist! Okay, im 800kg Bereich, bei 214PS „An der Hinterachse!“ Rechnet mal das Leistungsgewicht aus und vergleicht das dann mit Porsche und Co…
Stehen tut dieser Opel Kadett auf dreiteiligen BBS-Felgen mit heraus gezogenen Kotflügeln ungefähr fünf Zentimeter tiefer über den Boden als normal und ist laut Gutachten ungefähr achtzig Tausen Euro wert.
Hüstel…
Mit was sollten die Jungs denn bitte kommen und die richtig süße Maus beeindrucken?
Mit einer ihrer ersten Fahrten hatte es Lili noch nicht im Griff und hatte ihr Schätzchen in den Graben gesetzt. Sie wurde leise… Sehr sehr leise… Ihr liefen damals unglaublich dicke Tränen aus den Augen. Sie litt wie die Hölle, obwohl ihre Männer nicht mal was gesagt hatten. Im Gegenteil. Sie halfen ihr einfach beim Einsammeln des Unfallwagens und trösteten sie sehr lieb und so gut sie konnten. Zusammen brachten sie ihn zurück nach Hause und schafften ihn auf die Hebebühne. Lili machte im Anschluss eine Woche lang blau in der Schule und blockierte diese Hebebühne. Ganz allein hat sie ihn wieder auf die Räder gebracht, noch etwas veredelt und seitdem nie wieder die Kontrolle verloren. Der Kadett war ihr heiliger Gral, ist heute noch ihr ein und alles!
Wer jetzt mit besser und geiler auf Porsche, oder Ferrari kommt, sollte sich den Gedanken einfach gleich wieder wegstecken, denn solche Autos kannst du einfach kaufen. Auf Wunsch ersetzt du sie einfach, eben von der Stange. Die werden auf der Autobahn sicher schneller sein. Auf der Landstraße ist der Opel aber leider weg und bestellt schon mal die Getränke, bis du kommst…
So und mit diesem Hintergrund kann sich einfach jeder vorstellen, dass das Leben dieser Truppe nicht schlecht, nicht langweilig und ganz sicher nicht normal war und ist. Sie leben halt nur etwas anders als andere.
Manni arbeitete an solch einem normalen Tag, wie an jedem anderen Tag in seiner Werkstatt und erledigte seine Reparaturarbeiten. Mal kam mal jemand und wollte ein Auto kaufen, meistens schraubte er und sein Papa bestellte die Teile und machte das Büro, weil der nicht mehr so konnte, wie er wollte. Die beiden Angestellten Mechaniker verrichteten ihre Arbeiten meist sehr ruhig. An normalen Tagen war Lili in der Schule und alles lief in seinem gewohnten Rhythmus. Manni trällerte schief zur Musik aus dem Radio und war unter einem Auto auf der Hebebühne beschäftigt, als er wieder eine Gestalt neben seinem Arbeitsplatzt stehen sah.
Melanie war gekommen und die war auch wieder so eine Sache.
Wie die meisten Kunden und anderen Menschen hatte sicher auch sie Manni noch nie in der normalen Öffentlichkeit lächeln, oder gar lachen sehen. Manni war immer freundlich und höflich. Sicher eher der leise Typ, aber zum Lachen ging der einfach in den Keller. Dazu passte, dass Melanie als echter Drache bekannt war.
Sie arbeitete im Betrieb ihres Vaters und war dort Mädchen für alles. Sie machte Büro, Organisation, Buchhaltung, Einkauf und Verkauf und wie heute, die Organisation des Fuhrparks. Der Fuhrpark eines Installationsbetriebs für Heizung, Sanitär und Elektrik umfasste viele Autos in ganz unterschiedlicher Größe. Kleine Service Autos, Busse und normale PKWs für die Außendienstleute.
Heute war wieder etwas Besonderes, denn sie hatte Papas G-Klasse dabei. Einen 63 AMG, der sicher richtig cool war, aber Manni nur dadurch auffiel, dass man selten gut da rankam, wo man ran wollte, weil alles so verbaut war. Andere schwärmten, Manni fluchte und entsprechend begeistert kam er, die Hände wischend, unter dem aktuellen Auto hervor. Hier sagte er zu ihr:
„Hallo Melanie, was ist denn jetzt schon wieder mit der Kiste? Will dein Vater sich nicht mal ein Auto kaufen?“
„Du bist doch nur neidisch. Papa sagt, TÜV ist fällig, Bremsen und Reifen müssen auch und er will damit in Urlaub fahren. Du sollst sicherheitshalber eine Inspektion machen!“
Sachlich und ohne Emotionen folgte sie ihm ins Büro, wo sie den Auftrag schrieben und alles war wie immer, Melanie legte Fahrzeugschein und Schlüssel ab und wartete, bis er alles aufgeschrieben hatte und sie unterschreiben konnte. Das war reine Gewohnheit, denn Manni reparierte hier alle Fahrzeuge von Melanies Seite und das schon seit Jahren.
Anfangs hatte Manni immer gemeckert, denn Melanies Vater war seit Jahren AMG Fan. Alles dicke Kisten und doch brachten sie die Autos immer zu Manni. Warum? Na weil Manni gerade mal die Hälfte von Mercedes berechnete, aber fachlich immer sauber ablieferte. Darum! Immerhin hatte er ja auch bei Mercedes gelernt. Auch Melanie nervte mit ihren Vorlieben. Sie selbst fuhr am liebsten BMW. Immer den aktuellsten M3. Sicher schön, nur hallo? Mindestens genauso schwer zu reparieren.
Somit war Melanis Familie, mit deren Betrieb aus dem Nachbarort in bester Gesellschaft mit vielen anderen sehr guten Kunden und so mancher kleine Betrieb ließ hier alle Fahrzeuge reparieren. Da durfte man sich auch nicht wundern, wenn mal ein Zimmermann seinen Kranwagen bei ihm abstellte und mal eben die ganze Hydraulik reparieren ließ. Das verschaffte Sicherheit, einen guten Ruf und mit den Jahren ein sicheres Bankkonto.
Melanie und Manni waren gerade bei den Unterschriften, als lautstark Lili mit ihrem Flitzer auf den Hof gebollert kam. Mit Gruppe B Auspuff, Weber Doppelvergaser und K&N Luftfilter machte das Ding einen Krach, wie ein Leopard 2 Panzer der Bundeswehr, was Melanie direkt zum Meckern brachte:
„Das kann man wirklich nicht glauben, dass da deine neunzehnjährige Tochter kommt. Die benimmt sich, wie der schlimmste Prolet!“
Das meckerte sie so gerade heraus, als sie aufsah und in das Gesicht von Manni. Sie sah, wie er auf den Hof hinaussah und seiner Tochter mit einem Lächeln entgegenstrahlte, dass den ganzen Manni komplett veränderte. Fassungslos sah sie den an, den sie noch nie hatte lächeln sehen und folgte dann dessen Blick zu dieser Maus hinüber. Zu ihr sagte er stolz:
„Die Maus liebt diese Kiste, hat fleißig dafür gearbeitet und hat fast alles selbst gebaut. Sie hat sich verdient, ihr Traumauto auch zu fahren! Nebenbei sind eure Autos auch nicht leiser, nur teurer!“
Lili stieg aus dem Kadett aus, was nicht so richtig einfach war. Die Karre hatte einen Überroll-Käfig, Vollschalensitzen und Schroth Hosenträgergurte, war ein echter Rennwagen mit Straßenzulassung und stand dort, wie für ein Fotoshooting aufgestellt. Lili, in ihren kurzen Latzhosen und deren Lächeln, als sie ihren Papa sah, war eindeutig das passende Pin Up Girl und Melanie stand wie ein Fremdkörper nur dabei. Fassungslos sah sie dieses Model auf ihren Papa zu tanzen und hüpfen. Mit einem:
„Hi Mell…!“
Hüpfte sie auch schon um den Gast herum und Millisekunden später hatte der Manni sie im Arm womit die Zwei sich wild abknutschten. Damit lachte sie glücklich und drehte sich wieder zu Melanie um, um zu fragen:
„Na? Hast du wieder die Hirnloskiste gebracht? Was ist denn diesmal?“
Ui, das brachte Melanie wieder auf den Boden zurück und so meckerte die:
„Du bis doch nur neidisch. So ein geiles Auto kann sich nun mal nicht jeder leisten!“
Lili aber lachte nur hell auf und witzelte:
„Ach Püppchen… Das ist mit weitem Abstand das dümmste Auto was ich überhaupt jemals gesehen habe. Ein Auto mit einem Cw-Wert wie ein Hochhaus, dass sowieso schon säuft wie blöd, schwer ist wie ein Panzer und damit man es so richtig dumm macht, haut man da einen eins A Rennwagenmotor rein, womit die Kiste gleich noch mehr säuft und trotzdem nicht mehr kann. Das ist eine Potenzprotese! Ein Kontoauszug auf Rädern, damit jeder sieht, wie reich du bist. Blöde Kiste, mit null Sinn, außer zu protzen. Gut um heimlich an der Tankstelle zu weinen!“
Damit hatten sie in dieser Werkstatt eine lachend davon tanzende Lili, einen lachenden und sich verschluckenden Manni und eine sprachlose Melanie, mit deren dummen Gesicht. Manni lachte immer noch, als er zu seinem Vater sagte:
„Papa, ich fahr die Frau hier schnell nach Hause. Bin gleich wieder da!“
Tja, Melanie folgte dem Manni immer noch sprachlos und setzte sich auf den Beifahrersitz seines heiß geliebten Mantas, dessen Türe er ihr höflich offenhielt. Junge, was war Melanie gerade geplättet und ohne Worte, als Manni neben sie einstieg und den Motor anschmiss. Anschmiss und in ihr schon wieder den nächsten Schock auslöste. Opel? Nö… Opel war doch anders, oder? Junge, was machte dieser Manta eine akustische Show und schon ging es los. Ging los, ganz anders als in ihrem M3 und doch so emotional. War der M3 damit nun auch wirklich spaßiger?
Manni raste nicht, grinste nur und doch merkte sie so einiges, was sie zum Staunen brachte. In jedem Gas Stoß lag eine Kraft, eine ungezügelte Dynamik, die sich auch vor ihrem M3 nicht verstecken musste. Dieses Auto war zwar hart und tief auf der Straße, reagierte aber sogar sauberer auf Schlaglöcher, als ihr BMW. Dazu beobachtete sie, wie das Auto ganz direkt und sofort auf jeden Lenkimpuls reagierte. Das hatte was von Gokart fahren. Alles sehr direkt und ungefiltert. M3 war sicher besser, aber der Spaß? Das machte auf jeden Fall Eindruck.
Überhaupt stellte sie fest, dass die beiden jetzt erlebten Autos weiß Gott keine alten Klapperkisten waren, sondern echt schön zu hören waren. Was sie nicht hörte, war seine Stimme, denn er redete kein einziges Wort. Ein komischer Vogel, der da…
Manni grinste und dachte sich seinen Teil. Er fand diese Melanie ja schick und wirklich sexy, aber eindeutig zu teuer und zu verwöhnt. Zudem hatte er noch Arbeit und machte gerade nur Pause mit Kundin heimbringen. So setzte er sie ab und fuhr mit einem kurzen:
„Tschüs, ich melde mich, wenn euer Dicker fertig ist!“
wieder nach Hause, wo ihn natürlich seine Lili schon strahlend und feixend empfing:
„Na alter Mann? Hast du dir die Mel denn jetzt auch endlich mal klar gemacht oder ist es wieder nix geworden?“
Der feixte zurück und lachte seine Tochter an:
„Ne du, das geht doch nicht. Sonst kommst du dir am Ende wieder so blöd vor. Klär du erst mal dein Männerthema. Ich zieh dann direkt nach, damit du am Ende nicht alleine dastehst. Einer muss ja auf dich aufpassen!“
So lachten die Zwei wieder, wobei sie ihm bei seiner Reparatur zur Hand ging und mit ihrem Papa erzählte, was es Neues gab. Sie lachte und erzählte:
„Ej, Papa, dass glaubst du mir nicht, was heute passiert ist. Wir haben heute den Kadett in der Werkstatt von der Schule gehabt. Die haben an der Kiste vorgeführt, wie ein mieses Abgasbild aussieht und was man dagegen machen kann. Du hättest mal die Gesichter sehen sollen, als wir die Motorhaube aufgemacht haben. Was war da die Fachwelt plötzlich leise geworden. Ich hatte ja die einzige alte Kiste mit Vergasern und so Kram. Ich hatte einen Spaß!“
„Was? Wieso? Was ist denn mit deinem Auto gewesen? Hat der denn ein schlechtes Abgasbild gehabt? Wir haben doch die Vergaser erst vor Kurzem eingestellt?“
Lili lachte sich fast kaputt bei der Erinnerung vom Morgen, in dieser Prüfhalle und so erzählte sie:
„Ne Papa, das war es ja gerade. Die Super Schlauen Leute dort erzählen uns immer, wie super und toll doch diese moderne Technik so ist. Wie viel besser all der Kram für die Umwelt wäre und dann komme ich mit meinem alten Gammel Opel und seiner Uralt Technik und nix ist mit schlechten Werten. Der hätte sogar moderne Vorschriften geschafft.
Dazu dann noch der vierhunderter Motor. Was glaubst du wohl, wie viel Menschen einen solchen Motor schon mal gesehen haben. Die Akustik in der Halle hat richtig den Bauch zum Vibrieren gebracht. Mensch, was war das lecker. Dann haben sich ein paar Schlaue auf Rostsuche begeben und ganz langsam haben die erkannt, mit was sie es da zu tun hatten. Mensch, was habe ich gelacht!“
„Schatz, das ist ja nicht ganz fair. Immerhin hast du ja auch einen Renn-Katt in deinem Auspuff und von alter Technik hat dein Auto auch seit Jahren nichts mehr gesehen. Wann guckst du dich denn endlich mal nach einem richtigen Kerl um, statt immer deine Professorenleute zu ärgern? Tu lieber mal was für dein Liebesleben!“
Lilli lachte hell auf und hielt ihm eine Schraube gegen, damit er sie festziehen konnte, während sie sagte:
„Ich bin über beide Ohren verliebt. Habe meine zwei Männer und wenn, dann will ich einen, der hier dazu passt. Die Dünnbrettbohrer haben doch alle Angst sich die Finger schmutzig zu machen! Wollen Ingenieur werden, schlau sein und erkennen erst wo sie davorstehen, wenn sie sich den Mund verbrannt haben und manche dann noch nicht. Das sind doch alles Luschen!“
Der Opa, der gerade zu den Beiden dazu kam, lachte mit und sagte dazu nur:
„Häschen, die sollen nicht an den Autos schrauben, die sollen an dir schrauben. Du verstehst ja gar nichts!“
Es war ein Nachmittag, später ein Abend, wie immer. Sie grillten abends und lachten die ganze Zeit. Sie hatten Spaß und das eben wie immer. Der AMG stand bei Feierabend schon auf der Bühne und ließ sein letztes Öl abtropfen. Ein Tag, wie jeder andere in diesem KFZ-Haushalt.
Eigentlich hatte man sich in diesem Haushalt schon viel zu sehr an den Status Quo gewöhnt. Eigentlich waren sie glücklich, wie es war und doch hätte man ja mal was für die Nacht haben können. Sowas für Zwischendurch eben. Auch das sorgte wieder für Gelächter, als Manni schwärmte:
„Also für mich müsste das ja mindestens eine Marilyn Monroe sein und ich habe gelesen, dass die jetzt wohl einhundert Jahre alt wäre. Das ist mir zu alt, also bleib ich lieber alleine!“
Opa sagte dazu nur:
„Wenn die jünger wäre und eine Schwester hätte, könnte sie die grad mitbringen. Aber so kann das ja nichts werden!“
Lili schlug sich die Hand vor die Stirn und lachte ihre Männer an:
„Jungs, mit euren schwarzen Rändern unter den Fingernägeln wollt ihr doch wohl keine Marilyn anfassen, oder? Die kriegt eine Krise, wenn ihr der zu nahekommt!“
Ja… Ein Abend so wie immer eben…
So und auf diese Art vergingen die Jahre und die Zeit. Selbst als kleine Maus war Lili auch nicht anders. Sie lebte nun mal in einem Männerhaushalt und da konnte sie nun mal nicht zimperlich sein. Am Anfang war noch öfter diese Tante vom Jugendamt bei ihnen und checkte, ob denn auch alles richtig lief. Gut, Lili hatte eine weit größere Klappe als normal, aber das war es auch schon. Inzwischen war auch diese Dame Kundin und so lief es eben.
Was nicht lief war das Ding mit der Liebe.
Die Werkstatt hatte ihre 100 Jahre Jubiläumsfeier. Auch diese wurde vorbereitet und alles blieb beim Alten. Dafür legten sich die Drei aber mal so richtig ins Zeug und dort erkannten die Menschen erst mal, was die Drei eigentlich waren. Eigentlich wohl genauer, wer und wie die Drei so waren, denn hier zeigten sie den Menschen einfach mal, dass diese Familie schon so einiges erreicht hatte und auch zeigen konnte.
Hauptsächlich Manni und seine süße Lili saßen über viele Wochen abends zusammen und hatten im Wohnzimmer, auf dem Boden unzählige Pläne und Ideen ausgebreitet. Lili mit ihrem MacBook auf dem Schoß. Sie hatten einen unglaublichen Spaß dabei, während Volker meistens lachend in einem Sessel daneben saß und über seiner Bierflasche viele Sprüche dazu beisteuerte. So kauerten sie auf dem Boden und verschoben Ideen, Attraktionen und Specials auf dem mit Kreide auf dem Parkett gemalten Grundstück. Gott, was hatten die selbst an dieser steifen Sache einen Spaß. Volker ätzte:
„Wir brauchen nachher dann doch eine echte Frau, die den Dreck wieder vom Boden wegbekommt!“
Dazu kam vom Manni:
„Du willst ja nur mal wieder was für dein Bett haben!“
Lili giftete nur:
„Ihr Jungs könnt notgeil sein, wie ihr wollt, wir leben in modernen Zeiten. Da putz der Mann selber!“
Naja… Auch hier blieb es also beim Üblichen.
Als der große Tag dann kam, war es ein verlängertes Wochenende geworden. Von Freitag bis Sonntag lief die Nummer und diese war richtig klasse. Immerhin lebten sie ja sehr weit abseits auf dem Lande. Hier gab es selten mal was zu erleben und somit war diese Feier ein riesiges Event.
Autoscooter und Kinderkarussell waren gemietet worden. Hier konnten die Gäste mal Spaß haben, ohne für die Fahrten zu zahlen. Somit waren alleine diese beiden Attraktionen schon das ganze Wochenende ausgebucht. Alleine hier standen die Leute Schlange und hatten trotzdem sehr viel Spaß.
Eine Hüpfburg konnten sie über Bekannte besorgen, die ja fast schon das war, auf was sich andere, bei solchen Veranstaltungen beschränkten.
Für die Jungs und großen Buben war sicher die Ausstellung der Opel Sammlung ein Schmankerl, aber gerade auch der Mantey Porsche, dieser Grello, den sie über ihre Kontakte als Aussteller bekamen war eine echte Show. In diesem Jahr war er gerade mal wieder Sieger der 24 Stunden auf dem Nürburgring geworden. Noch mit allen Kampfspuren und ungewaschen stand der da. Wann bitte konnte man so ein Auto denn schon mal sehen? Für die geile Optik und als Sicherheitsabtrennung zur Straße hin war dessen Renn Truck an der Straße entlang aufgestellt und sorgte so noch für einen eindrucksvollen Hintergrund.
Die Opel Sammlung öffnete dann so manchen Besuchern erst mal die Augen. Auch Melanie, die zusammen mit ihrem Vater und Lili mal über das Gelände schlenderte, bekam jetzt große Augen. Da stand dieser Kadet C, den Lili immer fuhr. Die für ihn hergerichtete Tafel beschrieb so Dinge wie:
Gruppe B mit Straßenzulassung, die ganzen Modifikationen und Veränderungen. Bremsanlage innenbelüftet von Brembo. Es wurde ein Motor beschrieben, der aus Schrott wieder hergestellt wurde und den man nicht mal für richtig Geld heute noch bekam. Es waren Bilder der Restauration, ein Leistungsdiagramm und Auszug vom Wertgutachten ausgestellt und auf dessen Dach standen die Pokale, die Lili damit auf Ausstellungen und Treffen so gewonnen hatte. Es stand dort zu lesen, was alleine die TÜV-Einzelabnahmen gekostet hatten, was locker für sich schon ein gescheites Auto gebracht hätte. Ein wirklich sehr gescheites Auto! Die Leute durften sich sogar mal hinter das Steuer quälen und Sitzprobe machen.
In einer schönen halbrunden Aufstellung, an der Straße entlang in einer Kurve waren sie hier alle ausgestellt und gleich präsentiert. Vom Kadett C, einem GTE Coupe in original gelb schwarz, über Manta A und B. Der B als i400 zum Opel GT in neu und alt nebeneinander. Hier stand der Commodore und ein Diplomat mit V8. Eigentlich sah man hier alles, was die Marke mal groß gemacht hatte. Und alles, wie aus dem Laden, mit unzähligen Pokalen auf den Dächern. Natürlich wollte man so auch mal die Kompetenz vorführen, die in all den Jahren aufgebaut wurde.
Der Mantey bildete die Mitte und auf dessen anderer Seite wurden besondere Autos ausgestellt, die von den aktuellen Kunden kamen. Natürlich war da die G-Klasse zu sehen, aber auch der M3, ein paar Porsche und andere Besonderheiten. Die besuchenden Autofans bekamen reichlich zu sehen. In einer Tombola wurden Besuchsfahrten auf dem Beifahrersitz verlost. Aber das Wichtigste?
Es gab Essen, Trinken und sogar Waffeln und Eis satt und das alles bei unglaublicher Live Musik. Ist sicher kein Wunder, dass diese Feier ein riesiger Erfolg wurde und Lili, sowie ihre Männer stolz und glücklich machte.
Lili hatte wohl ihr tollstes Erlebnis, als sie Besucher aus der Fachhochschule begrüßte. Es waren einige andere Studenten, aber sogar ein paar ihrer Lehrer gekommen und das war klasse. Diese Fachleute verschluckten sich jedenfalls fast beim Anblick und Bewerten der ausgestellten Opels, zumal diese Marke ja aktuell eher unten durch war. Zu dieser Zeit sogar mit heftigen Insolvenzgerüchten und späterem Verkauf an Stellantis, also Peugeot.
Manni hatte sein Erlebnis bei einer ganz anderen Besonderheit, denn er fuhr die Gewinner der Tombola genau mit dem Auto spazieren, dass diese sich als Liebling ausgesucht hatten. Gewonnen hatte ein Kerl in Lilis Alter und der hatte seine Mama und die Oma mitgebracht. Er war ein Angestellter bei Melanies Vater und ein eher ruhiger Bursche. Lieb, und nett, aber ruhig mit nur wenig Selbstbewusstsein. Mama und Oma waren dagegen schon eine ganz andere Nummer, denn die zwei Mädels hatten mal eine so richtig große Klappe.
Egal, Manni hatte Spaß und fragte:
„Na dann Gewinner Nummer drei, welchen Opel hätten sie denn gerne? Auf was hätten sie Lust? Sollen die Mädels mitkommen?“
Ein paar Sprüche und Lacher später war der Sven dann auch aufgetaut und ließ sich endlich mal auf den Spaß ein. So kam es zu der Aussage:
„Wenn das möglich wäre, dann bitte wir alle Drei und ich fände es spannend, wenn sie uns ihren absoluten Favoriten zeigen würden und wir mal erleben dürften, was ein Fachmann richtig geil findet!“
Oh, das war lustig und das wurde böse. Manni grinste und hatte Spaß. Sein spezieller und Lieblings Manta war aber auch nicht umsonst sein Liebling. Weißt du, was ein Sequenzielles Renngetriebe ist? Ein Renngetriebe, dass in diesem Fall von Getrag gebaut wurde und so in den aktuellen Tourenwagen Rennboliden eingebaut wird?
In Mannis Fall hieß das, dass seine Gäste in seinem eigenen und privaten Liebling einsteigen durften. Auf der Rückbank saßen da Mama und Oma und staunten schon vor der Fahrt:
„Das ist ja richtig gemütlich hier! Hier sitzt man besser, als in unserem VW Golf!“
Das Strahlen von Sven sprach Bände und so sah er zu, wie Manni den Wagen startete und bediente. Einen Sechszylinder mit vier Liter Hubraum startest du nicht ohne Emotionen. In Reihe hat dieser Motor eine unbeschreibliche Laufkultur. Das Losfahren und Gewöhnen waren schon klasse. Das Schalten hatte immer diese bösen Knalle und leichte Heulen, wie auf der Rennstrecke eben. Das Eröffnen auf die Landstraße haute dann alle Gäste um, wobei Manni hier klar machte, dass er wegen der Damen dort hinten etwas vorsichtiger machte.
Bei Tempo Achtzig, in Sichtweite der beobachtenden Gäste gab er dann einen Hinweis, dass sich alle festhalten sollten und hier wurden dann einige professionelle Beweisbilder gemacht, als Manni das Gas deutlich weiter durchtrat. Damit hattest du einen optisch alten Opel Manta A, mit breiten Backen und in unglaublich edler Lackierung, dem Original verpflichtet Schwarz Gelb, dessen Hintern in einer riesigen Rauchwolke verschwand und die Menschen mit einer Mörder Geräuschkulisse begeisterte.
Von dieser Aktion kam sogar ein Bild in die Zeitung und dann waren sie weg. Unterwegs erklärte Manni seinem Gast die Funktionen. Lieferte eine schöne Spazierfahrt mit einem echten Rennwagen ab und ließ schließlich Sven sogar zurückfahren. Das war ganz sicher mal ein Hauptgewinn. Lustiger war, dass diese drei Besucher an allen drei Tagen zu Besuch kamen und was sich daraus entwickelte.
Lili fuhr ein paar Gewinner mit ihren anderen Autos spazieren. Auch sie ließ die Leute aussuchen und bei ihr war der Hammer, der Gewinn eines ihrer Schulkollegen. Das sorgte für sehr viel Gelächter in ihrer Truppe und der suchte natürlich den City Kadett aus. Eine Wahl, die der sich wohl besser noch mal überlegt hätte, denn die Sprüche, die der machte, waren ihm schnell vergangen. Angereist mit einem recht ordentlichen Mercedes C-Klasse und dessen reichlichen PS war er von Luxus und Leistung sicher schon ziemlich verwöhnt. Luxus gabs bei der Spazierfahrt eher nicht, aber Leistung? Die gab es satt!
Lili mochte den Kerl nicht. Dessen große Klappe und Macho-Gehabe, dessen plumpe Anmachen nervten und sie brachte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie fuhr mit ihm ihre Lieblingsstrecke und er brauchte danach ein paar Minuten…
Es war einfach klasse und der Spaß war riesig. Sie gewannen neue Kunden, verkauften ein paar Autos und so waren sogar die Kosten der Veranstaltung nur noch halb so schlimm. Natürlich wurden sehr viele Gespräche geführt, aber Mannis High Light war Svens Besuch am nächsten Tag. Manni sah die Drei schon von weitem vor seinem Manta stehen und gerade Betina, die von allen nur Betti gerufen wurde, machte ihn neugierig. Betti, Svens Mama ging um das Auto herum und erlaubte sich sogar, mit einem Finger dessen Linien abzufahren.
So kam er auf sie zu, begrüßte die Drei, sah aber Betti nur fragend an. Er wollte einfach nur wissen, was sie so nachdenklich dachte, als sie ihm erklärte:
„Wir sind eigentlich nur aus Langeweile hierhergekommen. Mama und ich machen uns eigentlich überhaupt nichts aus Autos. Diese Kiste hier hat mich aber ganz schön beschäftigt. Das gebe ich zu. Man merkt, dass der dein Liebling ist und ich will gar nicht wissen, wie viel Geld da drinnen steckt.
Der hat in meinem Bauch ganz schön wilde Gefühle provoziert. Kannst du dir sicher denken und dann war aber gerade das langsamere Fahren so eindrucksvoll. Ich hatte so ein geerdetes Gefühl. Wo mein Golf immer so aufschwimmt, ist der einfach wie auf Schienen der Straße gefolgt. War schon klasse!“
Klasse war, dass Sven in ein Gespräch mit Lili verschwand und Simone, die Oma Anschluss bei Volker fand. So hatten die Zwei mal Luft für sich und Manni fragte:
„Was machst du denn so? Was treibst du mit deinen Tagen?“
Betti lächelte ihn an und antwortete:
„Ich bin angestellte Steuerberaterin. Arbeite in einer großen Firma mit einigen Kollegen zusammen…!“
„Ach Quatsch. Das meine ich doch nicht. Was macht die Betti, wenn sie frei hat und Spaß haben will? Was macht die Frau Steuerberaterin, wenn sie das Leben genießt?“
Eine Frage, die Betti zum Nachdenken brachte und so sagte sie:
„Wir gehen mal bummeln, wie jetzt, ich lese viel und gehe gerne Schwimmen, aber richtige Hobbys habe ich keine…!“
Sie vertieften ihre Unterhaltung immer mehr, mussten sich aber auch dem allgemeinen Trubel beugen und ja, es wurde ein anstrengendes und sau schönes Wochenende. Ein Wochenende, dass zur Folge hatte, dass nun ein nicht näher benannter VW Golf in den Kundenkreis aufgenommen wurde. Schon zwei Wochen später war nämlich Betti mit ihrem Golf schon wieder da und fragte an, ob Manni ihr bei dem Qualmen und Quietschen aus dem Motorraum helfen könne. Ein Quietschen, dass Manni schon aus der Werkstatt gehört hatte und ihm die Harre zu Berge stehen ließ.
Oh, dachte er. Das klingt nicht original…
Betti kam an, auf letzter Rille und das Auto blubberte zweimal und ging dann direkt aus. Sie stieg aus und sah Manni resigniert an um von ihm nur zu hören:
„Ich glaub, der ist kaputt!“
Schlechte Laune, aufgerissene Augen und sehr viel Frust später brauchte sie einen Moment, antwortete dann aber:
„Ne, in echt jetzt? Ich dachte eben noch ich komm einfach mal so Hallo sagen!“
Naja, Manni nahms locker und mit Schulterzucken, bekam von seinem Vater einen Anschiss:
„Junge, hör auf die Kunden zu ärgern und sag ihr was los ist!“
Manni sah sich erst die Betina an und dann den Golf, um brav zu sagen:
„Mein Papa hat gesagt, ich soll dir sagen, dass dein dummer Volkswagen kaputt ist!“
Ne, also, da konnte Betti jetzt auch nicht mehr und brach augenblicklich in schallendes Gelächter aus. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und fragte mal vorsichtig nach:
„Kannst du machen? Kostet wie viel? Lohnt sich das noch? Bis wann ist er fertig?“
Manni sah zu seinem Vater rüber und giftete den an:
„Und wer sagt ihr jetzt, dass sie einen kapitalen Motorschaden hat, die Reparatur mit Austauschmotor mal gut fünftausend Euro kosten kann und die Kiste nicht die Hälfte wert ist? Sagst du ihr das jetzt, oder muss ich das auch wieder machen?“
Volker grinste seinen Sohn an, drehte sich schon um und sagte im Weggehen:
„Ich setz einen starken Kaffee auf und hol den Schnaps runter. Das ist dein Betrieb, deine Kundin, also mach den Mist gefälligst selbst!“
Ne, also, dass fand Betti jetzt nicht mehr lustig und so sah sie die beiden Männer nur mit riesigen Augen an. Fast flehend sagte sie:
„Das ist ein Witz jetzt, oder? Du verarschst mich doch jetzt? Sag dass das ein Witz ist. Bitte!“
Manni sah sie mitleidig an und sagte dazu nur:
„Geh zum Papa ins Büro und trink was du jetzt brauchst. Ich guck grad noch mal rein, aber nach Gehör war es das wohl!“
So ging eine sehr hängende Betti frustriert zu Papa Volker und begann im Stillen schon mal zu rechnen. Manni machte indes die Motorhaube auf und prüfte den Schaden. Aber nein. Es war sogar schlimmer und so hätte der Karren eigentlich schon längst liegen bleiben müssen. Motorblock gerissen, den Hof mit Motoröl eingesaut und der Kolbenfresser war sicher gut zu hören gewesen. Tja, was sollte er sagen. Ölbindemittel unter die Kiste gestreut, Ölwanne untergestellt und mal feste nachgedacht:
„Wie sag ichs meinem Kunden?“
Manni machte es auf die ganz sanfte Art und teilte im Büro angekommen mit:
„Wenn es dir wichtig ist, kann ich den Pfarrer rufen!“
Ja… Sanft wäre sicher besser gegangen und so saß sie da, wie ein Häufchen Elend und dachte nach. Eigentlich wollte sie aktuell den Manni töten, aber vielleicht brauchte sie den ja noch. Sie hatte Geld gespart, aber wollte damit eigentlich ein eigenes Haus anbezahlen, somit endlich aus der gammligen Wohnung raus und zu allem Überfluss ging Manni einfach wieder an seine Arbeit. Verzweifelt sah sie ihm nach und so fragte sie Volker:
„Mag der mich nicht mehr?“
Opa lachte und antwortete:
„Der versucht nur deinem Messer auszuweichen, dass du ihm sicher gerade in die Rippen rammen willst. Also Spaß bei Seite. Die Karre ist hin und eine reguläre Reparatur wird sich sicher nicht mehr lohnen. Einen Golf 3 in diesem Zustand bekommst du ja schon für Eintausend Euro. Das wird so nichts mehr.
Bleib zum Grillen, wir haben das Feuer hinten schon an und Lili ist gerade angefangen. Dann reden wir noch mal, aber ja. Das ist Mist, ich weiß!“
Zum Grillen an diesem Abend kamen noch Sven und Simone dazu und so hatten sie zwar einen schönen Abend, aber sicher auch durchwachsene Launen. Simone war so und hatte selbst noch was zum Grillen eingekauft und gleich noch einen Salat gezaubert. Sie war dann aber zu aller Überraschung die Einzige, die einen so richtig guten Abend hatte.
Keinem war es eigentlich groß aufgefallen, aber sie hatte mit Volker eine richtig gute Zeit. Die Zwei lachten viel, erzählten herzlich und waren schließlich alleine und ohne Aufsicht mit dem Commodore B Coupe weg um alleine, unter sich noch ein leckeres Eis essen zu gehen. Oma und Opa alleine on Tour. Ja, die Jugend konnte noch was lernen.
Bei der Jugend war das Auto das Thema Nummer eins und so holte Lili ihren Computer dazu und gemeinsam suchten sie nach Möglichkeiten und Ideen. Die Idee war dann von Lili gefunden, als sie sagte:
„Ich habe hier was! Hier ist ein verunfallter Golf 3 mit Austauschmotor. Der Motor soll erst dreißigtausend Kilometer haben. Die Kiste ist Totalschaden und soll nur fünfhundert Euro kosten. Motor für fünfhundert Ocken… Das wär doch was, oder?“
Die Idee war gut und das wurde auch was. Schon am nächsten Abend war Lili mit dem Abschleppwagen und Sven losgezogen und holte den Unfall Golf ab. Eigentlich war es auch gedacht, ein bisschen wärmer mit Sven zu werden, aber ne… Dessen Batterie schien leer, denn der zündete nicht.
Das Projekt war dennoch klasse und hatte vollen Erfolg. Es wurde verwertet, was man gebrauchen konnte. Alles wurde direkt umgebaut und der Unfaller direkt verschrottet. Eigentlich konnte Betti richtig glücklich sein und eigentlich hatten alle erwartet, dass es wenigstens mit Betti und Manni funken würde, aber nein. Auch hier blieb es kalt und kein Feuer in Sicht.
Einzig Simone und Volker hatten da etwas ganz anderes begonnen…
Nur ein paar Tage später mussten jedenfalls die Jungen erleben, wie Simone, immerhin die Oma, nur in einem Hemd von Volker, am Frühstückstisch erschien. Die blöden Gesichter der Jungen waren unbezahlbar, aber die Oma machte auch schon eine unglaubliche Figur. Ja. Es wurde ein Drei zu Eins. Immerhin Volker hatte damit auf seine alten Tage doch noch Mal so richtig was zu Lachen und Simone war schon bald fester Bestandteil im Haus.
Für Manni und Lili kam alles ganz anders. Lili war noch so sehr enttäuscht, dass Sven sich so blöd benommen hatte. Sie verstand nicht, was an ihr verkehrt sein sollte. Sie hatte ihm doch ganz eindeutige Signale gesendet und er hatte es einfach ignoriert. Im Gegenteil. Er zog sich immer weiter zurück.
Manni merkte man seine Enttäuschung nicht so sehr an, weil er ja seine Gefühle nicht so zeigte, aber auch er hatte daran zu knabbern. Sie halfen Betti doch schon ziemlich aus deren Probleme und hatten doch auch privat so einige Anläufe genommen, aber auch bei ihnen lief da gar nichts weiter. Kein Essen gehen, kein Ausgehen. Ein Danke, die Rechnung bezahlt und fertig. Ob er nicht einfach ein neues Auto hätte verkaufen sollen?
Egal, das Leben musste weiter gehen und immerhin schien bei Opa und Oma alles super zu laufen. Immerhin verschwanden die Zwei auch immer mehr mit einem der tollen Autos um dann manchmal Tage später erst wieder aufzutauchen. Simone war aber auch eine klasse Frau. Das merkte sogar Lili an, die sich mit Oma bestens verstand.
Lili brachte dann aber den echten Hammer ins Haus. Einen Hammer, den die Müllers noch nie gesehen, oder gespürt hatten…
Es war einige Wochen später, als sie nach Hause kam und ganz gegen ihre Gewohnheit vollkommen still und nachdenklich war. Manni wunderte sich und machte sich richtig Sorgen, als er fragte:
„Süße, was ist los? Bist du schwanger, oder nicht über den TÜV gekommen?“
Wenigstens reagierte sie mal mit einem Lächeln, als sie sagte:
„Ich bin Jungfrau und heiße nicht Maria und TÜV war ohne Mängel. Heute gabs nur ein paar Infos, über die ich ein bisschen zu denken habe. Lass mal, wird gleich wieder!“
Manni stutzte und hakte vorsichtig nach:
„Mäuschen, du machst mir Sorgen. Was ist denn gewesen? Dein Abschluss kann es doch auch nicht sein, bei deinen Noten! Sag schon, was war los?“
Lili hatte jetzt sogar Tränen in den Augen und Manni war augenblicklich hell wach. Das war ein Bild, dass es bisher bei Lili mal so überhaupt nicht gab und so zerrte er seine Maus auf seinen Schoß und nahm sie streichelnd in seine Arme. Sogar Volker und Simone saßen daneben und hatten genauso aufgehört zu reden. Das jetzt schien ernst zu sein, als Lili leise zu erzählen begann:
„Ach Papa… Wir haben heute erfahren, wie das mit dem Abschluss ablaufen soll. Ich bekomme eine Ehrung und werde als Bundesbeste Absolventin ausgezeichnet. Das soll dann in einem Abschlussball mit großem TamTam ablaufen und ich muss den Tanz mit so einem komischen Minister eröffnen. Was ein Scheiß… Papa, ich kann doch gar nicht tanzen!“
Oh je, das machte den Schuppen jetzt ruhig. Nur fast ruhig, denn jetzt heulte Lili los und frag nicht wie. Sie heulte so laut und heftig, wie Manni das noch nie gesehen hatte und alle sahen gerade genau gleich entgeistert aus. Eine Lili weinte nicht. Eine Lili brachte andere zum Weinen, weinte aber sicher nicht selbst. Eine Lili hier jetzt so weinen zu sehen, brach allen das Herz.
Manni tröstete sie und dachte nach. Bei ihnen im Haus konnte überhaupt keiner tanzen. Er wusste von keinem, der das gut konnte. Was sollte er tun? Wie konnte er helfen und so schockte er die Familie in ungekanntem Maße, als er sagte:
„Schatz, wir suchen dir einfach eine Tanzschule und suchen den schnellsten Schnellkurs. Ganz einfach!“
„Ach Papa, so schlau war ich doch auch schon. Ich könnte in einer Schule noch einsteigen, aber da haben die keinen freien Partner mehr, weil die schon mitten drin sind. Ich habe aber niemanden, mit dem ich da hinkönnte. Mit wem den auch?“
Ja, das war Mist und man konnte Lili gut verstehen. Sicher wollte sie sich nicht blamieren und war sehr stolz auf ihre Leistungen. Jetzt plötzlich aber vor Augen geführt zu bekommen, dass sie wohl doch keine richtige Frau war, haute schon richtig rein.
Manni beobachtete sie still und dachte nach. Es gab keinen einzigen Menschen auf dieser Welt, für den er mehr gemacht hätte, als für seine Tochter. Sie war sein Ein und Alles. Und Junge, was war er Stolz auf ihren Abschluss. Da hatte auch er schon etwas ganz schön richtig gemacht und so sagte er kurz entschlossen:
„Ich geh mit dir dahin. Kann ja nicht so schwer sein und du kannst dort einfach mal Tauschen. Da fällt es dann nicht so auf, dass ich dabei ein echter Versager bin!“
Wir denken uns alle die dummen Gesichter und sicher auch die überraschten Reaktionen. Ganz besonders denken wir uns jetzt besonders die dummen Sprüche, die dieses Angebot wieder ausgelöst hatte. Wovon wir alle nur träumen können ist das Kuss Bombardement, dass leider ausschließlich Manni traf. Ach verdammt, diese Küsse und Schmusen, dieses Lieb halten hat leider nur Manni erlebt.
Wenn auch der Preis dafür richtig hoch war, denn nur drei Tage später musste Manni nun auch Farbe bekennen und zu seinem Wort stehen. Oh verdammt… Er hatte Angst und matschweiche Knie, hatte mit sowas noch nie einen Vertrag und doch stand er jetzt da. Er sah in das strahlende Gesicht seiner Tochter und jetzt zog er es auch durch. Nie im Leben hätte Manni geglaubt, dass er jemals in eine Tanzschule gehen würde.
Er hatte sich sogar mal Mühe gegeben, bei der Wahl seiner Kleidung und der eigenen Pflege. Blamieren war das Eine, aber Lili enttäuschen kam nicht in Frage. So zogen die Zwei los und zusammen saßen sie nun im Commodore, da beide ihre Lieblinge nicht unbeaufsichtigt in der Stadt parken wollten. Zudem war die Automatik und das coole Crusen für diesen Abend einfach passender.
In der Tanzschule angekommen ging dann aber alles ganz schnell. Sie waren pünktlich, wenn auch gerade noch so und sicher erst unsicher, jedoch waren dort Profis am Werk und die Stimmung einfach nur gut. Entsprechend locker begann dann auch der Start und wirklich alle Männer im Saal hatten Lili direkt auf dem Schirm. Es gab viele Schläge, böse Sprüche. So einige Frauen zeigten ihren Unmut über die Gier der eigenen Partner. Manni und seine Lili aber machten ihr Ding und versuchten einfach, zu erledigen, wofür sie hier waren. Eine nette Lehrerin gab sich richtig viel Mühe und versuchte die Zwei schnellst möglich auf Kursniveau anzuheben, damit man einheitlich weiterkommen würde und genau hier kam nun die größte Überraschung.
Manni, ja genau Manni. Dieser alberne kleine Schrauberkönig machte das nämlich gut. Ja sogar verdammt gut. Sogar anfangs besser als Lili, was dieser aber wieder half, Sicherheit und Gefühl aufzubauen. Ja… Manni liebte die Musik, die dort gespielt wurde. Er liebte den Rhythmus und das Gefühl, seine so sehr geliebte Tochter, in diesem atemberaubenden Kleid in den Armen zu halten. Er liebte den Blick in ihre Augen und ja verdammt… Es machte ihm Spaß. Mit seinem Spaß nahm er ihr die Angst und steckte sie an.
Sie tanzten schon bald in ihrer eigenen Welt und hinterließen eine glücklich grinsende Lehrerin, die zu Manni nur sagte:
„Deine hübsche junge Frau ist ganz offensichtlich eine gute Droge und beste Motivation. Ihr macht das richtig klasse. Glückwunsch!“
„Oh, nein, das ist ein Missverständnis. Lili ist meine Tochter, aber ja, sie ist eine echte Droge für mich!“
Natürlich war die Lehrerin überrascht und staunte nicht schlecht, aber sie hatte schon sehr viel gesehen und viel mehr erlebt. Ein Vater, der mit seiner Tochter in die Tanzschule ging, war dann auch nicht so verrückt. Sie trainierten bei jeder Gelegenheit. Gingen in jede Tanzstunde und bereits in der fünften Tanzstunde war klar, dass Lili nicht mit diesen anderen notgeilen Primaten tanzen wollte.
Sie lernten aber ein anderes Pärchen kennen, dass verdammt gut passte, denn hier lernte Mama mit ihrem Sohn, was alle zum Lachen brachte. Mit diesem Pärchen wechselten sie sich mal ab und mit diesem bekamen sie wenigstens einen vorsichtigen Kontakt hin, ohne dass eine Frau auf Lili eifersüchtig reagierte. So lernten sie Larissa und Tim kennen.
Larissa war eine Frau, auf ganz anderem Niveau. Sie war eine Ärztin. Chirurgin im Krankenhaus und eine extrem edle Frau. Blonde Locken, sehr schlank und einfach nur edel. Auch sie trug immer ein Kleid und war von der Figur her Lili gar nicht so unähnlich. Tolle Brüste, voller Hintern und eine sehr schöne Haut. Auch sie stand auf auffallend kleinen Füßen und hatte mit ihren blauen Augen ein sagenhaftes Lächeln. Sie konnte eigentlich schon recht gut tanzen, war aber als Begleitung für ihren Sohn hierhergekommen.
Tim war sehr groß, nicht hässlich, aber unglaublich schüchtern. Er hatte das gleiche Problem wie Lili, jedoch war er an der Uni und studierte Architektur. Auch er war blond und ehrlich gesagt ein echt schöner Mann. Kräftig gebaut, offensichtlich nicht doof und zu Lili immer sehr vorsichtig.
Larissa zog den anderen gegenüber mal lächelnd über ihn her, als sie zu Manni sagte:
„Mein Junge hier hat den Knall noch nicht gehört. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Mädels der schon hätte haben können, aber immer geben die auf, weil er so verdammt schüchtern ist!“
Oh verdammt, das war nicht gut für Lili und Manni merkte es sofort. Sie wurde deutlich leiser, ihre Augen funkelten wie die Sterne und Tim musste immer öfter die Partnerin tauschen. Larissa und Manni indes konnten nur lachen und machten Witze untereinander. Auch er fand diese Mama mal so richtig lecker, jedoch war ihm klar, dass er als einfacher KFZ-Schlosser mal sicher nicht an einer Frau Doktor drehen würde.
Trotzdem drehte er mit ihr seine Kreise und sie schien damit so überhaupt keine Probleme zu haben. Ganz im Gegenteil, denn gerade die langsamen und romantischeren Tänze nutzte sie mindestens so intensiv wie Lili, um ihren aktuellen Partner deutlich besser zu spüren. Sie hatte Spaß. Nicht nur an Lili, die ihren Sohn endlich mal aus dessen Schneckenhaus riss, sondern gerade auch an diesem Papa, der sich als ganz besondere Persönlichkeit herausstellte. Sicher nicht der Akademiker und sicher nicht auf ihrem Niveau hatte er aber überhaupt kein Problem damit, ihr unterlegen zu sein. Ganz im Gegenteil, denn er akzeptierte es nicht nur, sondern gab ihr Anerkennung, ohne zurück zu schrecken. Tatsächlich schien er den Kontakt zu einer hochintelligenten und starken Frau zu genießen.
Somit war es nur logisch und eine natürliche Entwicklung, dass sie schließlich, nach dem Unterricht, zusammen essen gingen und sich damit besser kennen lernten. Lili und Tim hatten damit schon mal überhaupt keine Probleme und sicher genug Themen. Sie lachten und tauschten sich über Erlebnisse und Alltag aus. Er brachte Lustiges aus der Uni, sie von der FH. Sie hatten eine richtig gute Zeit und Manni dachte nicht erst jetzt, dass diese Nummer tatsächlich etwas werden könnte.
So machte er sich aber für sich so gar keine Hoffnungen, weil er nun mal nicht genug bieten konnte, aber auch er erlebte seine Überraschungen. Frau Doktor war nämlich eine verdammt brauchbare Persönlichkeit und schon bald hatten sie ebenfalls eine gute Zeit. Natürlich kamen sie auch schon bald auf die Berufe und die jeweiligen Hobbys, als Larissa schließlich sagte:
„Naja, Tim und ich haben mit Autos und solchen Sachen leider kein gutes Händchen. Wir haben es mal versucht, aber uns fehlt da leider deutlich viel Ahnung!“
Manni lächelte sie interessiert an und fragte:
„Warum versucht? Man nutzt doch einfach eine Werkstatt. Jeder ist auf seinem Gebiet gut. Kann doch nicht jeder mit schwarzen Rändern unter den Fingernägeln herumlaufen! Mich willst du auch lieber nicht in einem OP sehen. Nebenbei kann ich auch nicht mal Blut sehen!“
Damit erklärte Larissa schließlich:
„Naja, ich hatte nie einen Mann. Tim war damals auf einer Studentenparty ein Unfall…“
Womit sie die Gäste zum hemmungslosen lachen brachte und erst weitererzählte, als sie ebenfalls die Ironie verstand und nach Lachen wieder reden konnte.
„Mein Papa hat uns damals gerettet und mir alles gegeben, was er konnte. Er tat das, obwohl mich meine Mama verstoßen hatte und er damit seine Ehe aufgeben musste. Ohne ihn hätte ich das damals ganz sicher nicht geschafft. Nur ist er vor zwei Jahren an Krebs gestorben und alles, was mir von ihm geblieben ist, ist sein alter Mercedes SL. Den gibt man nicht einfach so in eine Werkstatt, versteht ihr? Der ist nun mal ein besonderes Vermächtnis. Papa hat den geliebt und gepflegt, wie seine größte Liebe und ich bringe ihn nicht mehr ans Laufen!“
Diese Aussagen brachten jetzt die Stimmung etwas auf den Boden zurück, aber so tauschten die Vier sich jetzt eben mal ernsthafter aus und lernten sich kennen. So gut, dass sie nach dem Essen zu Larissa fuhren und dort in einer Garage verschwanden. Eine sehr lustige Garage, denn immerhin mit Fliesen Boden und beheizt. Hell und freundlich wohl eher ein Wohnzimmer, denn eine Garage.
Der SL hingegen schien jedoch eher nur ein Auto zu sein. Für die Fachleute ein ganz normaler 450SL, in originalem dunklem Blau und beigem Leder. Schönes Auto, aber sicher mit eher persönlichem Wert. Manni verstand aber, was Larissa meinte, denn auch die eigene Opel Sammlung war ja nicht ganz frei von eigenen Emotionen und so fragte er eben nach:
„Läuft er garnicht mehr? Was macht er denn für Faxen?“
Tim schaltete sich ein und sagte:
„Der hat kurz nach Opas Tod einen Motorschaden bekommen. Wir haben das lange als Zeichen verstanden, aber Mama will ihn nicht aufgeben. Sie kannte ihren Papa nur mit diesem Auto und verbindet unglaublich viele Erinnerungen mit ihm. Naja… Wir hatten es mit Fachleuten versucht, aber die haben das nicht verstanden und Mama wollte ihn nicht an jemanden geben, der die Seele in diesem Auto nicht versteht!“
Auch dieser Besuch war wieder sehr schön und herzlich. Sie saßen noch gemütlich in der Garage zusammen, tranken noch gemütlich ein paar Gläser leer und fuhren dann schließlich nach Hause zurück. Auf dem Heimweg redeten sie natürlich nicht nur über Tanzen, neue Leute, sondern gerade auch über dumme Bindungen zu blöden Autos.
Manni sagte dann schließlich:
„Wir bieten denen einfach an, dass wir den SL zu uns holen und dort eine Bühne frei machen. Da können die dann selbst an dem Auto arbeiten und wir helfen ihnen. Ich habe so ein Gefühl, dass denen das gut tun würde und ehrlichgesagt glaube ich, dass das auch uns guttun würde!“
Sicher gibt und gab es niemanden, der sich über die folgenden Ereignisse wunderte. Auch zukünftig traf man sich zum Tanzunterricht, nur wurde inzwischen direkt getauscht. Die Jungen trafen sich, tanzten, hatten Spaß und begannen bald schon zu schmusen.
Die Alten trafen sich, sahen sich an und begannen zu tanzen. Sie waren meistens sehr leise miteinander. Lächelten sich an und tanzten um sehr bald zu schmusen und zu küssen. Eigentlich zeigten die Alten, trotz wenig Erfahrung, wie es richtig geht, mit dem anderen Geschlecht.
Nur ein paar Wochen später war der große Tag angebrochen und ein sicher schöner Abschleppwagen stand in der Einfahrt einer kleinen, aber süßen Stadtvilla. Einem schönen kleinen Häuschen, dass sehr gut gepflegt, von unglaublich alten Bäumen und Pflanzen eingewachsen war. Wann immer man hier war, immer war es grün und meistens blühte irgendwo irgendwas. Dieses Häuschen sprach inklusive Garten ausschließlich von Gefühl für die Schönheit und noch mehr Sinn für die Liebe.
So war sie auch, die Larissa. Eine Frau, die extrem intelligent war und unglaublich was her machte. Die nicht unnötig viel plapperte und ihre Gefühle viel mehr mit Augen und Gesten ausdrückte. Eine sehr edle Frau, die trotzdem, oder gerade deswegen das unbändige Temperament, diese unglaubliche Lebensfreude von Lili so sehr mochte. Sie waren komplett unterschiedlich und gerade das sprach die Zwei so unglaublich an.
Zu viert verluden sie den SL auf den Transporter und hier begann Larissa langsam, aber sicher doch endlich zu strahlen. Sie hatte so viel Angst. Sehr viel Angst, einen Fehler gemacht zu haben. Hier nun zu sehen, wie dieser Vater, mit seiner Tochter, ihren SL behandelten, war ein einziges Fest für Larissas Seele.
Das Auto wurde nicht verfrachtet, sondern sorgsam umgebettet. Dieses Auto wurde vorsichtig und mit sehr viel Gefühl behandelt und selbst die zwei Amateure bekamen Hinweise und Anweisungen. Sie durften helfen. Entweder Lili, oder Manni erklärten ihnen, was sie machten und warum. Was die Anderen machen konnten und wie. Lili ergänzte nur die Aussage, die Manni einmal sagte:
„Wir sind nur per Zufall und weil es sich so ergeben hatte bei Opel gelandet. Naja, es gab bei uns halt meistens nur Opel und da haben wir die mit Abstand besten Kontakte hin. Das heißt aber nicht, dass andere Marken nicht auch unglaubliche Schätze erschaffen haben. Das hier ist sicher eines der edelsten Cabrios, die die Welt je gesehen hat. Da muss nicht mal der ideelle Wert kommen. Sowas behandelt man von Haus aus vorsichtiger! Wie ein Porsche ist der gebaut worden, um den Emotionen zu schmeicheln. Nicht um einfach nur zu fahren!“
Genauso wurde das Auto auch nicht nur behandelt, sondern wurde auch so untergebracht. An der Werkstatt angekommen luden sie den Mercedes ab und Lili, zusammen mit Manni begaben sich direkt auf Fehlersuche. Als klar wurde, dass der Benz mit diesem Motor nirgendwohin fahren würde, wurde er in die Opelhalle gebracht, um dort abgeschlossen einen eigenen und nicht gebrauchten Werkstattplatz zu bekommen. Lili strahlte und sagte:
„Papa hat ja bei Mercedes gelernt. Für den ist das jetzt nicht so besonders, aber ich bin schon ganz hibbelig deswegen. Das wird mein erster alter SL, den ich restaurieren darf. Ich denke, wir sollten den behandeln, wie unsere Opels. Komplett leer machen, Ordentlich aufbauen und schön langsam, sehr fein wieder zum Leben erwecken. Guckt doch mal, wenn sich das bei dem nicht lohnt, wo denn dann?“
Vorher kam aber dann der Abschlussball von Lili und nur ein paar Tage später auch der von Tim. Die Zwei übten ständig und überall. Sie tanzten nicht nur in der Tanzschule zusammen, sondern auch gerne zuhause, alleine. Sicher ganz logisch, dass schließlich Lili begann, den Tim beim Tanzen auszuziehen. Sie tanzten, küssten sich und schmusten miteinander. Für sich und ganz alleine. In Tims Zimmer hatten sie sanfte Musik eingeschaltet und hier knöpfte sie langsam sein Hemd, seine Hose auf.
Nur zögerlich traute auch er sich mal, aber mit Lilis Temperament und Ungeduld taute er auf und beteiligte sich, bis sie schließlich komplett nackt miteinander tanzten. Er war bereit! Oh, er war so bereit und stand wie ein Mast. Lili war bereit, sie war so sehr bereit und lief schon fast aus, als sie ihm sanft in sein Ohr flüsterte:
„Tim, ich bin noch Jungfrau. Du musst es jetzt langsam und vorsichtig mit mir machen, aber ich will das jetzt machen. Lass dir Zeit!“
Tim küsste sie und lächelte sie an, als er ihr sagte:
„Süße Maus, ich bin auch noch Jungfrau und du musst mir ein bisschen helfen. Ich kann dir nicht versprechen, dass ich gut sein werde!“
Sie scherte sich nicht die Bohne um diesen Satz. Sie wusste von den Jungs, dass diese gerne mal den Schwanz einzogen, wenn es heiß wurde. Sie suchte seinen Freund mit ihrer offenen Hand und führte ihn im Stehen und leicht schwingend an ihre Grotte. Sie richtete ihn auf den Zehen wippend etwas aus und ließ sich auf den ganzen Fuß zurück.
Damit war er drin und das zum ersten Mal für beide. Zum ersten Mal mit einem anderen vereint und es fühlte sich klasse an. Tim machte sich umsonst Sorgen, denn er konnte schon recht lange. Sie vögelten nämlich nicht miteinander los, wie die Kaninchen, sondern tanzten nun ineinander und streichelnd einfach weiter. Erst viel später landeten sie in seinem Bett und trieben es hier nun, wie es junge Menschen nun mal mögen.
Nun konnte er nicht lange halten, aber er konnte gleich im Anschluss weitermachen. Das erste Mal für die Beiden und es fühlte sich großartig an.
In genau dieser Zeit standen Larissa und Manni im Wohnzimmer ebenfalls eng umschlungen zusammen. Larissa sah ihm in seine Augen und flüsterte ihm zu:
„Ich glaube, deine süße Lili macht heute meinen Sohn zu einem Mann. Ist das Okay für dich?“
Manni lächelte und küsste diese Frau, als er antwortete:
„Er wird auch meine Kleine zu einer Frau machen und ich denke, dass die Zwei ein wirklich traumhaftes Paar sein werden. Ich mag deinen Tim. Er wird gut zu ihr sein!“
Das musste dann aber auch reichen mit Interesse an anderen Menschen, denn nun war der Manni fällig. Auch hier begann die Frau, wenn auch Manni deutlich selbstbewusster war. Er dachte sich wohl nicht viel dabei, außer zu genießen, denn in recht zügigem Tempo waren sie nackt und in ihrem Bett. Bei ihnen ging es auch nicht langsamer. Sie legte sich auf den Rücken, spreizte ihre Beine und lächelte ihn erwartend und gespannt an.
Manni hatte so viele Jahre auf einen solchen Moment gewartet und hier lag sie nun. Seine ganz eigene, seine ganz besondere Frau, die zudem noch ausgesprochen Sexy aussah. Eine reife Frau, in der Blüte ihrer Jahre. Alles unglaublich rund und sanft geschwungen. Ihre Brüste waren noch fest und traumhaft geformt. Sie mussten ihn empfangen, als er noch ihren Hals verwöhnte. Seine Hände hatten ihren Spaß mit diesen wunderbaren Kugeln.
Er ließ sich Zeit. Wanderte sanft, geduldig, aber gierig an ihr herunter. Als er an ihrem Bauch angekommen war, hatte die erste Hand bereits ihre Grotte gefunden und damit war sie schon das erste Mal gekommen. Wie die Zündung einer Treibladung trieb sie ihre Gefühle nach vorne und kam mit einem unglaublichen Schrei. Das hatten ganz sicher auch die Anderen im Haus gehört, war jetzt aber egal, denn nun musste er kommen.
Ja und er kam auch. Mit einem gefühlvollen aber kräftigen Hub kam er in sie und brachte die Maus zum entgleisten Strahlen. Sie trieben es, wie sie das beide nie erlebt hatten. Sie ließen ihre Gefühle aufeinander los und beobachteten, was die miteinander machen würden. Sie genossen, was ihre Gefühle miteinander machten und so wurde es eine unbeschreibliche Nummer.
Entsprechend emotional wurde der nächste Morgen. Beide Paare verbrachten den Start noch mit sehr viel Kuscheln, wobei die Alten sich aber schneller wieder aufrafften. Was nicht bedeutete, dass sie das Mausen sein lassen würden, denn auch in der Küche, beim Tisch herrichten fand sich die Zeit, immer wieder handgreiflich zu werden.
Als schließlich auch die zwei Jungen dazu kamen, sahen alle noch etwas erledigt aus. Sie lachten sich alle vier an. Mädels, nur in Shirts, mit nackten Füßen. Jungs nicht viel besser in Shorts und mit Shirt. Man sah ihnen die Leiden und Qualen richtig an, als Lili loslachte und sagte:
„Mein Gott, was sehen wir Vier mal so verrammelt aus. Was war das eine unglaubliche Nacht!“
So war es auch. Alle waren zufrieden und bestens befriedigt, wobei jetzt sogar Tim etwas selbstbewusster erschien. Die Paare lachten, küssten, streichelten sich und fütterten sich gegenseitig. Sie schmusten miteinander und lachten, was die Unsicherheiten gar nicht erst aufkommen ließen.
Es war somit ganz klar, dass Larissa und Lili zusammen ihre Kleider suchen und kaufen gingen. Natürlich kleideten sie auch ihre Männer angemessen ein. Natürlich gingen sie zu viert auf Lilis Abschlussball, wo so einige Männer traurig guckten, denn beide Frauen schienen schon verdammt zufrieden mit dem, was sie hatten. Die Vier zeigten allen, wie glücklich sie zusammen waren und machten diesen steifen Abend für sich zu ihrem ganz besonderen Event.
Genau so lief es auf Tims Abschluss. Auch hier gingen sie zu viert und wieder in der gleichen Harmonie. Auch hier tauschten sie Partner und hatten einen ganz wunderbaren Abend. Der Tanzunterricht hatte sich jedenfalls so richtig gelohnt.
Über Pläne und Zukunft wurde bei beiden Paaren eher weniger geredet. Zusammen, zu viert, hatten sie mal das Thema und alle waren sich einig, dass man es sowieso nur auf sich zukommen lassen konnte. Alle waren sich einig, dass sie es genießen wollten und nehmen würden, was sie kriegen konnten.
Die schließlich ersten gemeinsamen Arbeiten am alten SL waren dann der Beginn eines Lebens, außerhalb der Betten. Sie lachten sehr viel, waren dann bei der Sache aber sehr gewissenhaft. Manni kümmerte sich mit Tim um die Technik. Zusammen bauten sie vorne alles auseinander und zerlegten das ganze Auto. Schon sehr bald wurde klar, warum die Schlosser auf so viel Platz geachtet hatten, denn schon bald war in der ganzen Halle das Chaos verstreut.
Lili und Larissa kümmerten sich zusammen um Innenausstattung und alles hinter der Motorhaube. Sie ließen sich bei Türen, Sitzen und Hauben noch helfen, machten den Rest aber ganz alleine. Lediglich bei Demontage von Hardtop und dem Verdeck arbeiteten sie alle Vier mal zusammen. Was Larissa zum Staunen brachte war, dass alles ein richtiges System zu haben schien. Es wurde ganz genau darauf geachtet, was man wo und wie lagerte. Sehr vieles wurde beschriftet. Sehr vieles wurde recht weit und sicher entfernt eingelagert. Anderes wurde auf Gestelle, Vorrichtungen und Werkbänke verteilt.
Der Motor wurde an einer Halterung festgeschraubt, wo man diesen sogar drehen konnte und dass man recht leicht fahren konnte. Dieser wurde etwas weiter entfernt, sogar in einer anderen Halle später zerlegt. Nach und nach erkannte Larissa ein ganz penibles System und dessen Logik, weshalb sie lächelnd sagte:
„In manchen Details ist das grob und erschreckend. Mein schöner SL sieht jetzt so richtig zerschlagen aus. Aber in vielem seid ihr auch nicht anders, wie wir im OP. Das ist total faszinierend!“
So wurden es Projekte. Sehr viele Projekte, die sich über unglaublich lange Zeit streckten. Das Schlimmste war für Larissa, als die komplett gestrippte und leere Karosserie verladen wurde. Zusammen mit allen anderen Blechteilen wurde sie verladen und kam in eine spezielle Werkstatt. Hier wurde gesandstrahlt und gereinigt. Dann kamen die Teile in ein Säurebad, wo sie schließlich silbern glänzend und schrecklich zerlöchert wieder auftauchten.
Larissa begann bei diesem Anblick unweigerlich zu weinen und schluchzte:
„Mein SL ist komplett zerlöchert. Der ist jetzt komplett kaputt. Den bekommen wir doch nie wieder zusammen!“
Die Müllers sahen das ganz anders und so beruhigten sie die beiden:
„Süße, dass ist der schönste Moment von allen. Wir wollten dir damals nicht sagen, wie schlecht dein Auto in Stimmung war. Ein alter Mercedes ist dafür bekannt, dass er gerne mal rostet, aber das hier ist der Zenit. Ab jetzt haben wir erst richtig Spaß, denn ab jetzt geht es nur noch nach vorne. Ab jetzt bauen wir wieder auf. Das wird richtig cool und hier ist weit weniger kaputt, als wir befürchtet hatten!“
Oh je, Larissa war trotzdem am Boden. Sie sah sich ihr Schätzchen an und immer wieder musste sie schluchzen. Klar war ihr aufgefallen, dass die Müllers an ihrem Auto überall die Finger hatten. Das sie überall gedrückt und geklopft hatten, aber gesagt hatten die Beiden überhaupt nichts. Die hatten nicht nur nichts gesagt, sondern sie auch absolut dumm dastehen lassen. Bis zu dem Moment, wo es hieß, dass man jetzt das ganze Auto zerlegen würde dachte sie immer, das Auto wäre bis auf Motor top fit.
Nun hatte sie mit Manni zusammen an eben diesem Motor gearbeitet und das erste Mal überhaupt hatte sie mal einen Motor von innen gesehen. Er zeigte ihr, was sie machen sollte und arbeitete total geduldig und lieb mit ihr zusammen an dieser Baustelle. Das es eine Baustelle war, war ihr schon am ersten Tag aufgefallen, denn alles was sie Zerlegten erwies sich als doch sehr mitgenommen. Armer Motor.
Selbst der Motorblock war inzwischen schon in einer Spezialwerkstatt gewesen. Der Motorblock würde gespült und gereinigt, die Zylinder gehont werden hatte er gesagt, was auch immer das heißen sollte. Die Zylinderköpfe bekamen neue Ventile und Ventilsitze. Das sah sie und hatte sie verstanden. Aha, dachte sie damals. Für bleifreien Sprit zu tanken, braucht es andere Materialien. Als der Block wieder zurückgeholt wurde, wusste sie auch, was Honen heißt, denn die Flächen, in denen die Kolben liefen wurden ausgefräst oder geschliffen. Wie auch immer, die sahen jetzt richtig cool und glatt aus.
Klasse… Die wussten was sie taten die Müllers und nebenbei schmuste und knutschte der Manni so viel mit ihr, was schon ganz okay so war.
Jetzt, wo die Karosserie wieder da war und aussah, wie ein Schweizer Käse, hielt sie sich an Lili, denn sie wollte unbedingt sehen, dass der Benz jetzt diese Löcher verlor. Die Männer machten sich über Getriebe, die Achsen und alle technischen Teile her. Sogar die Einspritzanlage wurde zerlegt, vermessen und mit neuen Teilen wieder zusammengebaut.
Der Motor bekam ganz neue Kolben, Lager und Dichtungen. Zwischendurch hatte Larissa schon mehrfach gefragt, ob man nicht besser einfach einen neuen Motor eingebaut hätte, aber nein. Manni sagte ihr:
„Süße, das macht keinen Sinn und ist nicht besser. Was du jetzt bekommst, ist noch besser als ein Austauschmotor und zudem machen wir gleich ein Feintuning mit. Du wirst es erleben, wenn der Karren läuft!“
Ja, wenn der Karren jemals wieder läuft dachte Frau Doktor damals noch. Mit Lili jetzt an der Karosserie zu arbeiten war für Larissa wie Urlaub machen. Die junge Maus zeigte ihr nicht nur wie es geht und machte mit einer Ruhe, die die Kleine mit nichts anderem je gezeigt hätte. Nein, es war eine Zeit, in der die zwei sehr viel reden und austauschen konnten. Frauengespräche an der Hebebühne und nebenbei wurden tatsächlich diese Löcher weniger.
Viele Blechteile wurden neu gekauft und eingesetzt. Was es nicht mehr zu kaufen gab, oder keinen Sinn gemacht hatte, wurde einfach selbst angefertigt. Lili war wie ein Gott an der Karosserie, bis sie tatsächlich wieder Löcher-Frei und damit Rostfrei war.
Damit kam aber schon wieder der nächste Schreck, denn anstatt dieses Auto wieder zusammen zu bauen, kam die komplette Karosserie, mit all seinen Blechteile, Hauben, Türen und so weiter schon wieder weg in eine andere Firma. Larissa hätte heulen können, wenn auch an allen anderen Teilen weiter fleißig gearbeitet wurde.
Inzwischen war sie sogar sehr angenehm überrascht, denn die meisten Teile standen nun schon wieder frisch lackiert, zur Montage bereit und sahen einfach aus wie Neuteile. Sogar die Sitze, Polster und Verdeck waren schon vom Sattler zurück. Das Teilelager sah jetzt aus, als würde man im Autowerk auf die Karosserie warten um diese zu montieren. So roch es hier nun auch. Nichts roch hier mehr muffig, oder alt.
Lili fuhr mit Larissa indes zu einer Verzinkerei. Sie hatte hier einen Termin gemacht und so durfte Frau Doktor sogar mal sehen, was hier nun passieren würde. Was passierte war, dass der Benz und seine Teile in ein riesiges Tauchbad kam und hier eine richtig ordentliche Zinkschicht bekam. Alle Teile wurden hier im Tauchbad mehrfach vollverzinkt und ja, das hatte was und Larissa strahlte, als der Karren strahlend und silbern glänzend aus den Fluten erschien. Das war klasse und Larissa zu tiefst begeistert.
Dort blieb das Auto trotzdem die ganze Woche, denn das Verfahren wurde diverse Male wiederholt. Danach holten sie ihn wieder ab aber brachten ihn schon wieder nicht nach Hause. Larissa mopperte, Lili lachte und zusammen landeten sie in einer Autolackiererei. Auf ein spezielles Gestell, mit Rollen montiert stand er da und jetzt wurde es erst so richtig spannend.
Die Leute dort hatten so richtig was zu tun. Alles wurde mehrfach grundiert. Dann mit Spritzspachtel ergänzt. Danach wurde so oft das Lackieren und Schleifen wiederholt, dass Wochen ins Land gingen. Hätte Manni seine Larissa nicht wenigstens nachts so gut bei Laune gehalten, wäre die sicher in den Krieg gezogen. Als die erste Schicht Blau aufgetragen wurde, war Larissa dabei. Zusammen mit Lili durfte sie damals zusehen und durch eine Fensterscheibe alles verfolgen. Für Larissa ein unglaublicher Moment.
Trotzdem brauchte die Frau immer noch reichlich Nerven, denn erst achtzehn Schichten später waren die Fachleute zufrieden. Zwischen so unglaublich vielen Schichten wurde immer noch geschliffen und geprüft, bis er schließlich perfekt war. Oh verdammt und er wurde perfekt. Mit den Händen vor dem Gesicht stand sie dort und weinte. Sie sah das Ergebnis und sie weinte, als sie Papas Auto in seinem originalgetreuen Nautikblau Metallic das erste Mal sehen durfte. Originalgetreu und doch nicht original, denn so hatte noch kein SL das Werk verlassen. Der Lackierer schmunzelte noch und sagte zu Lili:
„Das war jetzt der erste SL in dem Baujahr, bei dem ich in diesem Aufwand eine Lackierung gemacht habe. Naja, das heißt dann wohl, dass die jetzt auch langsam kommen und wenn ich den hier so sehe, bin ich schon stolz darauf. Das hat sich auch wirklich gelohnt. Wir haben eine ganze Bilderserie, als Werbung ins Netz gestellt!“
Für Larissa war dieser Tag wie Weihnachten und ab jetzt bekam ihr Auto auch die Anerkennung, die er verdient hatte. Nichts, aber auch gar nichts lief ab jetzt mal einfach so. Ab jetzt durfte keiner mehr an das Auto heran, der dort nichts zu tun hatte und wenn er ran durfte, dann nur mit Samthandschuhen und sehr penibel.
Larissa hatte mit Manni besprochen, dass sie das Auto optisch gerne wieder im originalen Zustand haben wollte und so machten sie es auch. Zusammen mit ihm baute sie nun an den Kabelbäumen. Elektrik war angesagt und selbst diese blöden Kabel wurden nun alle erneuert und nachbebaut. In das Auto eingesetzt war das eine richtig knifflige Arbeit, aber Larissa war glücklich. Jetzt kam wieder was rein und nicht immer nur raus.
Überhaupt sah man nun, dass es jetzt viel schneller vorwärts ging. Manni und Lili arbeiteten zusammen, wobei die beiden Laien wenigstens mal helfen durften. Ein Wochenende später hatte das Auto seine Achsen, das Getriebe und seinen Motor wieder zurück.
„Hochzeit“
Nannten die Müllers das und ab jetzt war es wieder ein Auto, wenn auch ein noch stark zerlegtes Auto.
Hochzeit dachte zu diesem Zeitpunkt nicht nur Larissa, war ein gutes Stichwort, denn die Arbeiten hatten jetzt schon über ein Jahr in Anspruch genommen. Immer in Freizeit und an den Wochenenden, so wie Larissa eben frei hatte, wurde an diesem Auto gearbeitet. Manchmal konnte man es schon nicht mehr sehen. Was man gut sehen konnte war, dass Tim und seine Lili nun auch schon mal der Arbeit fernblieben. Die Zwei hatten sich Ihr Leben schon ganz gut in die Spur gewuchtet und arbeiteten fest an einer gemeinsamen Zukunft.
Larissa und Manni waren in dieser Sache kein Stück besser, denn auch die Beiden hatten sich schon schwer aneinander gewöhnt. Manni hatte gemerkt und genossen, dass Larissa seine einfache, direkte, aber herzliche Art so richtig zu lieben gelernt hatte. Er selbst genoss diese wunderschöne und hoch intelligente Frau in vollen Zügen. Man sagt ja eigentlich:
„Gegensätze ziehen sich an!“
aber das war nur die halbe Warheit, denn:
„Unterschiede machen das Paar stärker!“
trafen die Warheit schon eher. Sie ließen das Leben nicht sein, nur weil da ein SL zerlegt in Tüten stapelte. Sie gingen zusammen tanzen, auch schon gerne zu viert, inzwischen öfter zu sechst. Sie fuhren auch mal in Urlaub, wenn auch nur für ein paar Tage. Zu viert waren sie auf Ausstellungen und Treffen und tatsächlich durfte Larissa auch immer wieder einen der Opels fahren. Eine verdammt heilige und heikle Sache…
Der Benz aber entwickelte sich weiter und auch der wurde mal fertig.
Nach fast zwei Jahren kam Larissa nach ihrer Schicht von der Arbeit bei Manni an und wurde so geschockt, dass sie fast in die Hauswand gefahren wäre. Viel zu spät hatte sie gebremst und starrte auf einen dunkelblauen Mercedes Benz, aus dem Jahr 1973. Ein R107, als 450SL stand auf dem Hof und hatte sogar Nummernschilder montiert. Ein TÜV-Sachverständiger klebte gerade die Plaketten auf und Larissa weinte schon wieder.
Hier stand er, Papas SL und wie aus dem Laden. Das Auto glänzte, wie ein Diamant und sogar der TÜV-Mensch sagte schwärmend:
„Mensch Manni, wenn ihr was macht, dann macht ihr es echt richtig. Was ist das ein unglaubliches Auto geworden!“
Manni empfing seine Maus in seinen Armen und reichte ihr Schlüssel und Papiere. All die anderen kamen dazu und freuten sich mit ihr. Larissa konnte es nicht glauben, hatte mehrfach schon nicht mehr daran geglaubt, aber Manni küsste sie und sagte:
„Mäuschen, jetzt musst du mich auch mal spazieren fahren. Komm du Schnitte. Probiere ihn mal aus!“
Die Werkstatt wurde verrammelt. Heute war eben schon früher Schluss. Opa Volker schnappte sich seine Simone und lachte noch:
„Süße, heute nehmen wir den Admiral, der hat wenigstens auch einen V8!“
Und weg waren die Zwei zum ersten Auto.
Lili sah denen hinterher und grinste ihren Tim verliebt an, als sie ihm mitteilte:
„Der Opa will hier wohl den Dicken machen, oder was meinst du? Dann nehmen wir den anderen. Fahren wir eben Diplomat. Der hat den gleichen Motor drinnen!“
Larissa hielt ihren Schlüssel in beiden Händen und strahlte, mit Tränen in den Augen, als sie sagte:
„Deine Familie hat sie echt nicht mehr alle! Was haben die denn jetzt vor?“
Manni lachte seine Maus nur an und antwortete:
„Na was wohl Frau Doktor? Die wollen jetzt feiern gehen, also mach hinne. Lass uns das Dach auf machen und den Dicken endlich mal Gassi führen!“
Oh, sie führten ihn Gassi und frag nicht wie. Drei wunderbare Oldtimer, alle mit V8 Motoren brummten dort über die Landstraße und machten nicht nur eine sehr eindrucksvolle Spazierfahrt, sondern sorgten für echte Aufmerksamkeit bei allen Beobachtern. Das sah und hörte man nun auch nicht alle Tage. Wie frisch aus dem Ei geschlüpft lagen die Babys auf der Straße und blubberten sich gegenseitig die schönsten Lieder.
Larissa war glücklich. So unendlich glücklich und strahlte ihren Liebling an, wie die Sonne. Sie horchte auf die Geräusche, schnupperte im Wind und sagte schließlich, so dass es Manni gut hören konnte:
„Papa, kannst du das sehen? Dein Schmuckstück läuft wieder und ist wieder fit für unsere Familie! Papa, unsere Familie ist ein bisschen gewachsen. Ich hoffe, du kannst das alles sehen!“
Das Tuning am Motor hatte nicht den Sinn, mehr Leistung zu generieren. Das war nie das Ziel, denn für seine Aufgaben hatte der absolut genug davon. Larissa hatte zusammen mit Manni jeden Kolben, jede Schraube, Pleuel und alle beweglichen Teile gewogen und auf das Gramm genau abgestimmt. Alles musste gleich schwer sein. Alles wurde mit bestverfügbaren Teilen neu gelagert und eingepasst und abgestimmt. Ventile waren neu und alles war fein eingesetzt worden. Kanäle wurden poliert und Grate beseitigt. Alles nur, damit man jetzt einen Motor hatte, der schnurrte, wie ein Kätzchen.
So landeten sie bei ihrem Chinesen. Auf der dortigen Terrasse aßen und feierten sie sehr lecker. Mit Blick auf drei wirkliche Schätze feierten sie die Wiedergeburt eines Mercedes SL. Was aber Larissa an diesem Abend noch zu feiern gedachte, hatte Manni nicht zu träumen gewagt. Sie kuschelte und schmuste so viel. Sie küsste ihn die ganze Zeit um dann schließlich zu fragen:
„Manni, wann willst du mich eigentlich mal fragen? Willst du, dass ich mir einen anderen suche?“
Manni war nicht dumm und verstand sofort. Aber auch er war nicht erst gestern aufgewacht. Das galt aber auch für den Rest des Müller Haushalts. Sie hatten sich nicht klar über den Zeitpunkt verständigt. Sie hatten sich nur vorbereitet und abgesprochen, dass sie es zusammen machen wollten, wenn auch der Jüngste gar kein Müller war, so hatte aber gerade auch er sich da voll integriert.
Also machten sie es jetzt kurz und bündig. Schließlich hatte man keine Zeit zu verschenken. Die war eben teuer…
Sich gegenseitig angrinsend, sich untereinander zu nickend standen sie nun zeitgleich auf. Sie griffen in ihre Taschen und gingen auf die Knie. Drei Frauen saßen dort, mit unglaublich großen Augen und entsetzten Gesichtern. Synchron öffneten sie ihre Schatullen und reichten ihren Mäusen die Ringe. Fast, nur fast perfekt im Einklang sagten sie dann:
„Ihr geliebten Mäuse. Wir drei bitten euch um eure Hände. Wir bitten euch, unsere Frauen zu werden und mit uns unser restliches Leben zu genießen!“
Das ganze Restaurant tobte. Alle waren aus dem Häuschen. Mehrere Gäste hatten sogar mit ihren Handys Videos gemacht, die sie den Sechsen sogar schickten. Die Kerle hatten sich doch tatsächlich schon vor vielen Tagen abgesprochen. Zusammen an ihren Anträgen gearbeitet und am gemeinsamen Text gefeilt. Sie hatten geübt und die Ringe besorgt. Alles nur, um jetzt drei Mädels heulend in ihren Armen zu halten.
Das ja, oh Gott ja! Kam von Dreien. Gäste tobten, Don brachte einen Sektkübel mit sechs Gläsern und seinem besten Champagner. Das war dann mal eine Jungfernfahrt, die die Welt so auch noch nicht gesehen hatte. Genau wie diese Hochzeit, die nur zwei Monate später stattfand. Wie bei der 100 Jahrfeier wurde wieder riesengroß gefeiert. Diesmal nicht die Autos, sondern ein riesiges Festzelt im Hof, waren alle gekommen.
Zu sechst standen drei Paare vor diesem Altar. Der arme Pfarrer hatte alle Hände voll zu tun und doch konnte auch er sich sein Grinsen nicht verkneifen. Logisch war, dass auch er an der anschließenden Feier teilnahm. Die Männer waren alle sehr klassisch in wunderbaren Anzügen aufgetreten und glänzten, wie adlige Prinzen. Die Show waren die Mädels. Alle Drei waren in Weiß, in zusammenpassenden Kleidern gekleidet und machten so sehr deutlich, dass sie zusammengehörten.
So kamen sie auf die Feier, wo sie alle drei glänzten. Simone als Oma zu bezeichnen wäre ehr ein Witz gewesen. Eine Oma musste man sich einfach ganz anders vorstellen, denn an diesem Tag haute sie die Welt von den Füßen. Larissa war das Kronjuwel des aktuellen Abends. Ihre Noblesse und Anmut konnten die beiden anderen Mädels einfach nicht toppen. Lili war die absolute Granate. Sie war die Sünde, der Traum, für den ganze Lieder geschrieben, Filme gedreht werden. Keine der Drei schenkte sich irgend etwas. Keine musste etwas beweisen und alle Drei hauten vor allem ihre Männer von den Füßen.
Das war eine Feier, die so noch keiner je erlebt hatte und alle waren gekommen. Auf Simones Seite waren Betti und ihr Sohn Sven gekommen. Die Beiden hatten sichtlich zu kämpfen und so einiges verpasst. Auch Melanie dachte zwischendurch des Öfteren mal nach. Diesen Manni so zu sehen war auch für sie schwer zu verstehen.
Es war eine unbeschreibliche Hochzeit. Gerade auch, als die drei Brautpaare den Tanz eröffneten und untereinander durchtauschten. Die Gäste durften später und so war das eben. Eine Feier, ein echtes Beben.
An Lili hatte man an diesem Tag noch nichts erkennen können, aber sie war zu diesem Zeitpunkt schon schwanger und freute sich wie ein Keks. Mit ihrem Tim arbeitete sie an deren Familie und strahlte noch viel mehr als sonst schon. Sie tanzte an ihrem Hochzeitstag sogar mal mit der inzwischen in Rente gegangenen Jugendamt Tante, die ihr sagte:
„Was bin ich so froh, dass wir bei euch nie eingegriffen haben. Wir hätten alle einen unglaublichen Traum verpasst!“
Tim und Lili zogen zusammen in die Wohnung von Manni ein. Sie mussten nicht viel ändern, oder gar modernisieren, denn Lili und ihr Papa hatten in all ihren Jahren immer alles schön schick gehalten. Lili hatte sich entschieden, der Familie treu zu bleiben. Sie hatte ihren Abschluss und hatte eigentlich alle Wege offen. Sie wollte aber lieber im heimischen Betrieb bleiben und dessen Tradition am Leben erhalten. Tim machte sich selbstständig und gründete sein eigenes Büro. Nicht immer ganz einfach, gerade am Anfang, schaffte er aber seinen Sprung und wurde freier Architekt.
Simone und ihr Volker trieben es wohl am wildesten. Die Zwei hatten entschieden, dass sie in ihrem Leben so gut wie noch nichts gesehen, oder gar erlebt hatten. Die Zwei kauften sich ein Wohnmobil und zogen in der Welt herum. Nicht Europa! Nein, alles was auf Rädern zu erreichen war, spulten die Zwei auch ab. Sie schickten Bilder und Videos aus den tollsten Ecken der Welt und genossen einfach den Rest ihres Lebens.
Manni räumte die Stellung und gab seine Wohnung auf. Wirklich schwer war ihm das aber eher nicht gefallen, denn er zog zu Larissa in deren Haus. Hier entdeckte er neue Hobbys. Wenn er abends von der Arbeit kam, war jeder Feierabend irgendwie anders. Larissa musste Schicht arbeiten und war mal da und dann eben nicht. Mal kochte er, mal kochte sie. Mal arbeiteten sie zusammen in Haus und Garten, mal er alleine. Immer achtete der erste aber auf ein schönes Heim kommen des Partners.
Sie hatten gerade den Bereich ihrer Terrasse besonders gepflegt. Hier kam ein Pool dazu und alles war blickdicht eingewachsen. Das musste auch so sein, denn Larissa hatte keine Chance, besonders lang angezogen zu sein. Ihr Manni ließ nicht einen einzigen Moment Zweifel daran aufkommen, wie er seine Maus denn am liebsten mochte.
Nackt! Die einzig richtige Art, eine schöne Frau zu genießen ist? Nackt!
Mit einer nackten Frau das Leben genießen ging nur ineinander vereint. Alles andere war Zeitverschwendung und machte keinen Spaß. In solchen Momenten liebte Frau Doktor ihren primitiven Mann, mit seinen primitiven Trieben! Larissa nannte ihren Mann übrigens niemals Manni. Für sie war er Frank und das blieb er auch!
In der Garage standen jetzt Opel Manta und Mercedes SL nebeneinander. Optisch schon sehr verschieden waren es zwei unglaubliche Schätze. Wenn sie aber zusammen loszogen, dann immer im SL, denn der schmeichelte mehr dem Charakter ihrer beiden Wesen. So auch an diesem einen Tag, als sie zusammen ins Krankenhaus fahren mussten.
Diese Fahrt musste Manni machen, denn Larissa war absolut nicht bei der Sache. Vor dem Kreissaal viel sie ihrem Sohn in die Arme und gemeinsam harrten sie der Dinge, die dort kommen würden. Ein unglaublich merkwürdiger Moment, denn Larissa verunsicherte mit ihrer Anwesenheit das halbe Krankenhaus. Sie war inzwischen eine der Chefärztinnen und bestens bekannt.
Als der Schrei schließlich zu hören war, begann die nächste Geschichte. Mit Klaus hatte Lili ein Zeichen setzen wollen und Tim stimmte zu. So erinnerten sich alle an den Uropa, der dieser Familie so sehr viel Liebe und Kraft gegeben hatte. Der Uropa, der sein Grinsen immer so schlecht verborgen hatte, wenn er Lili im Arm hatte.
Alle wussten so ganz genau, dass dieses Autohaus und diese Familie noch so einige Generationen überstehen würden!
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RalfB hat 21 Geschichte(n) auf diesen Seiten. Profil für RalfB, inkl. aller Geschichten Email: RalfB1967@gmx.de | |
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