Unterhalb des höchsten Punkts (fm:Dominanter Mann, 1682 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: davepassion | ||
| Veröffentlicht: Jun 12 2026 | Gesehen / Gelesen: 20 / 13 [65%] | Bewertung Teil: 0.00 (0 Stimmen) |
| Ein Skiurlaub in den österreichischen Alpen verändert alles. Als ich einer geheimnisvollen rothaarigen Frau begegnete, wird aus einem Gespräch über Gipfel und Aussichten eine Reise zu Mut, Verlangen und verborgenen Seiten meiner selbst. | ||

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Wenn ich heute die Augen schließe und die Spuren meiner Erinnerungen zurückverfolge, führt jeder Weg zu demselben Punkt. Zu jenem unscheinbaren Augenblick vor anderthalb Jahren, als alles begann, ohne dass ich es bemerkte.
Damals ahnte ich nicht, dass manche Begegnungen wie ein leiser Schneefall einsetzen. Fast lautlos. Kaum wahrnehmbar. Bis man sich eines Tages umdreht und erkennt, dass sich die gesamte Landschaft verändert hat.
Vor anderthalb Jahren war die Welt noch dieselbe. Zumindest glaubte ich das. Die Tage kamen und gingen wie immer, Pläne wurden gemacht, Träume verschoben und Gewissheiten nicht hinterfragt. Nichts deutete darauf hin, dass sich hinter dem nächsten Schritt eine Tür verbarg, die mein Leben in eine Richtung lenken würde, die ich niemals vorausgesehen hatte. Und doch begann genau dort eine Geschichte, deren Ende ich damals nicht einmal erahnen konnte.
Der Februar hatte die Berge unter einer Decke aus Weiß begraben. Schnee lag auf den Hängen wie eine unberührte Erinnerung, und über den Gipfeln spannte sich ein Himmel, der so klar war, als hätte der Winter jede Unvollkommenheit aus der Welt gewaschen. Wenn ich heute daran zurückdenke, erscheint mir alles unwirklich. Als wäre diese Woche nicht Teil meines Lebens gewesen, sondern eine Geschichte, die jemand anderes erlebt hatte.
Mein bester Freund und ich waren damals für ein paar Tage nach Österreich gefahren. Nichts Besonderes. Zumindest glaubten wir das. Zwei Freunde, die dem Alltag entkommen wollten, den Kopf freibekommen, die Geschwindigkeit suchen. Wir verbrachten die Tage auf den Pisten, jagten durch frischen Pulverschnee und lachten über dieselben schlechten Witze wie schon seit Jahren.
Doch manche Begegnungen kündigen sich nicht an. Sie warten einfach. Wie die Berge selbst. Es war am dritten Tag. Die Sonne stand bereits tief genug, um die Schneekristalle in flüssiges Gold zu verwandeln. Die Skihütte lag oberhalb der Baumgrenze, an einen Hang geschmiegt, als hätte sie dort schon immer gestanden. Drinnen roch es nach Holz, Jagatee und Kaminfeuer, die mit jedem Öffnen der Tür herausströmte.
Ich saß am Fenster und blickte hinaus auf die Bergwelt. Eine Snowboardgruppe kam der Hütte entgegen gestampft. Und dann sah ich sie. Manche Menschen betreten einen Raum. Andere verändern ihn. Schulterlange rote Wellen fielen unter ihrer waldgrünen Mütze hervor und fingen das Sonnenlicht ein wie Kupfer in einer offenen Flamme. Ihr Körper wirkte athletisch, kraftvoll, als wäre jede Bewegung selbstverständlich. Doch es waren ihre Augen, die mich trafen. Blau. Nicht das warme Blau eines Sommertages. Sondern das kalte, klare Blau eines Gletschersees, in dessen Tiefe sich mehr verbarg, als man auf den ersten Blick erkennen konnte. Als sie meinen Blick bemerkte, lächelte sie. Breit. Strahlend. Mit einer Selbstverständlichkeit, die gleichzeitig offen und unerreichbar wirkte. Es war das Lächeln eines Menschen, der wusste, wer er war. Und keine Angst davor hatte.
"Wahrscheinlich einer dieser Typen, die wegen der Aussicht hier hochkommen", sagte sie, als ich später zufällig neben ihr auf der Terrasse stand. Ihre Stimme trug einen leichten Unterton von Belustigung.
"Und du?", fragte ich.
Sie drehte sich um, lehnte sich mit dem Rücken gegen das Geländer und blickte hinauf auf die Bergkette. Diese zeichneten sich scharf gegen den Horizont ab, während ganz oben das Gipfelkreuz im Sonnenlicht glänzte. Sie kokettierte mit ihren weiblichen Attributen und wusste sie gezielt einzusetzen. "Ich mag Aussichten." Ihr Lächeln wurde eine Spur breiter als sie meine Blicke über ihren Körper wandern sah. "Vor allem die, für die man etwas tun muss."
Mein Blick löste sich von ihr und folgte ihrem Beispiel zum höchsten Punkt des Massivs. "Der Aufstieg lohnt sich also?"
Sie hob eine Augenbraue. "Kommt darauf an."
"Worauf?"
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