Freundschaft (fm:Sonstige, 1348 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Ayse1985 | ||
| Veröffentlicht: Jun 17 2026 | Gesehen / Gelesen: 932 / 800 [86%] | Bewertung Teil: 9.65 (26 Stimmen) |
| Die Freundschaft entpuppt sich als falsch ... | ||

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Marlies blieb abrupt stehen. Ihr Lachen fror augenblicklich ein. Sie blickte ihn voller Verwunderung und deutlicher Skepsis an. Doch Manfreds Miene blieb steinhart, und der drängende Tonfall in seiner Stimme ließ sie zögern. Sie spürte, dass es besser war, das hier nicht vor den Augen des gesamten Büros auszutragen. Sie wandte sich kurz an ihre Kolleginnen: „Geht schon mal vor, Mädels, ich folge euch gleich nach.“
Die Kolleginnen nickten neugierig, gingen aber ein paar Schritte weiter. Sobald sie außer Hörweite waren, zog Manfred wortlos sein Handy heraus, entsperrte es und hielt es Marlies direkt vor das Gesicht. Er wischte durch die Galerie – ein Foto nach dem anderen. Marlies im Arm des blonden Mannes. Marlies beim vertrauten Lachen. Das Video mit dem Wangenkuss. Marlies sagte keinen einzigen Ton. Ihr Gesicht wurde schlagartig blass, doch sie schrie nicht und brach auch nicht in Tränen aus. Sie starrte nur auf das Display und blickte Manfred dann mit einem Blick an, der eine Mischung aus tiefer Überraschung und eiskalter Schätzung war. Manfred genoss diesen Moment der vermeintlichen totalen Macht in vollen Zügen. Ein siegesgewisses, fast schon gehässiges Lächeln stieg in seinen Mundwinkeln auf. Er steckte das Handy wieder in die Tasche, verschränkte die Arme vor der Brust und sah auf sie herab. „Tja, Marlies… was bist du denn bereit zu tun, damit Peter diese schönen Bilder und Videos nicht zu Gesicht bekommt?“
Es war eine glasklare, unmissverständliche Erpressung.
Marlies blieb bemerkenswert ruhig. Sie ließ sich ihren Schrecken nicht weiter anmerken. Sie griff in ihre Handtasche, holte ihr eigenes Telefon heraus und sah ihn direkt an. „Gib mir deine Mobilnummer“, sagte sie mit fester Stimme. „Und ruf mich jetzt sofort an, damit ich deine Nummer ebenfalls auf dem Display habe.“
Manfred war innerlich so voller triumphierender Freude, dass er am liebsten laut aufgeschrien und in die Luft gesprungen wäre. Er hatte sie! Er diktierte ihr seine Nummer, und Sekunden später summte sein Handy in der Tasche.
„Gut“, sagte Marlies, während sie sein Profil abspeicherte. „Ich werde mich bei dir melden. Aber du musst mir schon vorab sagen, wie viel Geld du für das Löschen des Materials haben möchtest. Nenn mir deine Summe.“
Manfred schüttelte langsam den Kopf, und sein Lächeln wurde merklich schmutziger. Er trat einen Schritt dichter an sie heran, sodass sie seinen Atem spüren konnte. „Ich will dein Geld nicht, Marlies. Ich will kein einziges Stück Blech von dir… Ich will dich. In meinem Bett. Und zwar nackt.“
Jetzt zuckte Marlies doch sichtlich zusammen. Ein schockierter, zutiefst überraschter Ausdruck trat in ihre Augen. Sie starrte ihn für einen langen Herzschlag an, als könnte sie die schiere Skrupellosigkeit dieses Mannes nicht fassen. Doch sie hielt sich zurück. „Ich melde mich“, sagte sie kurz und knapp. Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging mit schnellen, fast schon fluchtartigen Schritten hinter ihren Kolleginnen her, ohne sich noch ein einziges Mal umzusehen.
Manfred stand auf dem Gehweg und spürte das Adrenalin durch seine Adern schießen. Er war so berauscht von seinem vermeintlichen Erfolg und der sicheren Aussicht, Marlies endlich zu besitzen, dass er den Rest des Tages nicht mehr gebrauchen konnte. Er pfiff auf alles, drehte um und ging direkt nach Hause, um in seinen Fantasien bereits den Moment auszumalen, in dem sie sich ihm fügen müsste.
Für Marlies hingegen war der Tag gelaufen. Als sie das Restaurant erreichte, in dem ihre Kolleginnen warteten, war ihr der Appetit vollständig vergangen. Sie saß wie versteinert am Tisch, starrte ins Leere und brachte keinen Bissen von ihrem Essen herunter. Sie bestellte lediglich ein Glas stilles Wasser, das sie mit zitternden Händen trank. Den neugierigen Fragen ihrer Kolleginnen, wer denn der unheimliche Typ von eben gewesen sei und was er gewollt habe, ging sie weitgehend aus dem Weg oder blockte sie mit einer Ausrede über „ein dringendes familiäres Problem“ ab.
Schon nach wenigen Minuten hielt sie es nicht mehr aus. Sie entschuldigte sich, verließ das Restaurant vorzeitig und ging schnellen Schrittes zurück an ihren Arbeitsplatz. In der Stille ihres Büros setzte sie sich an den Schreibtisch, starrte auf das Telefon mit Manfreds Nummer und spürte, wie eine Lawine ins Rollen kam – doch Manfred ahnte in seiner grenzenlosen Arroganz nicht, in was für ein Wespennest er da gerade gestochen hatte.
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