Freundschaft (fm:Sonstige, 1348 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Ayse1985 | ||
| Veröffentlicht: Jun 17 2026 | Gesehen / Gelesen: 873 / 752 [86%] | Bewertung Teil: 9.65 (26 Stimmen) |
| Die Freundschaft entpuppt sich als falsch ... | ||
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Es lief bereits die zweite Saison, die Manfred nun an der Seite von Peter in der Bezirksklasse bestritt. Für die Mannschaft waren sie nach wie vor das sportliche Erfolgsduo, doch abseits des Rasens hatte Manfred nur noch ein einziges Ziel vor Augen: Er lauerte auf jede noch so kleine Gelegenheit, um Marlies endlich allein abzufangen, sie anzusprechen und ihr näherzukommen. Doch Marlies hielt die unsichtbare Mauer aufrecht. Sie begleitete Peter kaum noch zu den Spielen, wenn sie wusste, dass Manfred da war, und gab ihm privat nicht den leisesten Raum für ein Gespräch. Manfreds Obsession war zu einem dumpfen, permanenten Hintergrundrauschen in seinem Leben geworden – bis zu jenem Samstag in der Hamburger Innenstadt.
Manfred war eigentlich nur für ein paar Erledigungen in der City, als ihm in der belebten Fußgängerzone plötzlich ein vertrauter Schopf auffiel. Es war Marlies. Doch sie war nicht allein. Neben ihr ging ein großer, attraktiver, blonder Mann, den Manfred noch nie zuvor gesehen hatte. Die beiden schlenderten Arm in Arm durch die Einkaufsstraße. Sie wirkten unglaublich vertraut, lachten viel, suchten immer wieder den Körperkontakt, und ihre gesamte Körpersprache strahlte eine tiefe, intime Vertrautheit aus.
In Manfreds Brust explodierte in diesem Moment ein wildes, widersprüchliches Gefühlschaos. Einerseits spürte er eine mörderische, brennende Eifersucht, die ihn fast dazu getrieben hätte, blindwütig dazwischenzugehen und diesen Kerl von Marlies wegzureißen. Andererseits aber wich die Wut rasch einem ungeheuren, berauschenden Hochgefühl. Das ist es, hämmerte es in seinem Kopf. Das ist die Lücke in der Festung. Das ist meine Gelegenheit.
Manfred schaltete sofort in den Jagdmodus. Er hängte sich unauffällig an die Fersen der beiden und folgte ihnen wie ein Schatten. Er zog sein Smartphone aus der Tasche, tat so, als würde er telefonieren oder Nachrichten schreiben, und nahm stattdessen hochauflösende Fotos und Videos auf. Auf einem der Videos war zu sehen, wie der blonde Mann Marlies im Gehen einen zärtlichen, langen Kuss auf die Wange gab. Manfred zitterte vor Erregung, während er die Kamera ruhig hielt.
Er amüsierte sich im Stillen köstlich über die vermeintliche Dummheit von Peter. Der gehörnte Ehemann, der Mittelfeldstratege, der dachte, er hätte zu Hause alles im Griff, während seine Marlies mit ihrem Liebhaber durch die Stadt zog! Manfred bemerkte genau, dass Marlies im Trubel der Öffentlichkeit penibel darauf achtete, sich nicht leidenschaftlich auf den Mund zu küssen – das war ihr in der Hamburger City wohl doch zu gefährlich. Sie wollten kein Risiko eingehen.
Nach dem Spaziergang setzten sich die beiden in ein gemütliches Café. Manfred lauerte in Sichtweite hinter einer Zeitung. Als sie das Café schließlich verließen, folgte die Verabschiedung: ein kurzes, aber eindeutiges Küsschen auf die Lippen. Danach drehte sich Marlies um und ging schnellen Schrittes in Richtung der nächsten U-Bahn-Station, während der blonde Mann Kurs auf ein nahegelegenes Parkhaus nahm.
Manfred steckte sein Handy weg und grinste breit. Er konnte es kaum erwarten, das schockierte Gesicht von Marlies zu sehen, wenn er ihr diese Beweise präsentieren würde. Er wusste aus Peters früheren Erzählungen, dass Marlies in der Innenstadt in einer renommierten Rechtsanwaltskanzlei arbeitete. Den Namen des Anwalts hatte er irgendwann mal aufgeschnappt. Zu Hause setzte er sich sofort an den Laptop, besorgte sich die genaue Adresse aus dem Internet und schmiedete den Plan, sie direkt nach der Arbeit oder in der Mittagspause abzupassen.
Es dauerte ein paar Tage, bis Manfred den perfekten Moment abpassen konnte. An einem sonnigen Donnerstagmittag stand er schließlich unauffällig auf der gegenüberliegenden Straßenseite des eleganten Bürogebäudes, in dem die Kanzlei ansässig war. Pünktlich um ein Uhr mittags öffnete sich die schwere Glastür. Marlies kam heraus, umgeben von drei Kolleginnen. Sie lachte, war sichtlich gut gelaunt und hielt Ausschau nach einem Restaurant für die Mittagspause.
Manfred zögerte nicht. Er überquerte die Straße, steuerte direkt auf die Gruppe zu und baute sich mit einem betont ernsten, düsteren Gesichtsauschnitt vor Marlies auf. „Marlies, hallo“, sagte er mit tiefer Stimme. „Ich muss dir kurz etwas zeigen. Es ist extrem wichtig.“
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