Der Zweite ist der Richtige (fm:Romantisch, 13435 Wörter) | ||
| Autor: Ayse1985 | ||
| Veröffentlicht: Jul 16 2026 | Gesehen / Gelesen: 1253 / 950 [76%] | Bewertung Geschichte: 9.03 (30 Stimmen) |
| Beate, die mit einem Familienfluch kämpfen muss, sucht sich einen ersten Ehemann, um mit dem Zweiten dann glücklich zu werden. | ||
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nackte, gierige Lust, die in ihr aufstieg.
„Julien…“, raunte sie, vergrub die Finger in seinem dichten, dunklen Haar und zog ihn fester an sich.
Er wartete keine Sekunde länger. Seine Lippen forderten ihre in einem hungrigen, tiefen Kuss, der nach Champagner, Verlangen und der schweren, süßen Luft der marokkanischen Nacht schmeckte. Beate öffnete willig den Mund, ließ seine Zunge die ihre umspülen und spürte, wie eine Welle der Hitze direkt in ihren Schoß schoss.
Die Hitze des Riads
Ohne den Kuss zu unterbrechen, leitete Julien sie rückwärts durch die offenen Flügeltüren in das abgedunkelte, nur von Kerzen erleuchtete Schlafgemach. Das riesige Bett war mit schweren Seidenlaken bezogen.
Juliens Hände waren überall. Sie glitten über den glatten Stoff ihres grünen Kleides, strichen über ihre Hüften nach oben und fanden schließlich den Reißverschluss. Mit einem leisen Surren öffnete er sich, und das hauchdünne Seidenkleid glitt wie flüssiges Smaragdgrün an ihren Beinen herab auf den Mosaikboden.
Julien trat einen Schritt zurück, und sein Blick brannte auf ihrer nackten Haut. Beate stand völlig hüllenlos vor ihm, stolz und bebend vor Erwartung. „Du bist eine Göttin“, flüsterte er, und seine Stimme war rau vor Verlangen.
Mit schnellen, ungeduldigen Bewegungen entledigte er sich seiner eigenen Kleidung. Beate konnte den Blick nicht von seinem Körper wenden – er war sehnig, perfekt gebaut, und seine Erregung zeugte unmissverständlich von der Gier, die er nach ihr verspürte.
Als er sie auf das Bett gleiten ließ und sich über sie legte, raubte ihr die schiere Intensität des Hautkontakts den Atem. Jeder Zentimeter seines warmen, leicht feuchten Körpers passte sich dem ihren an. Julien küsste sich langsam an ihrem Hals herab, liebkoste ihre prallen Brüste mit den Lippen und saugte sanft an ihren Brustwarzen, bis Beate die Fingernägel in seine muskulösen Schultern grub und den Rücken durchbog.
Ein Rausch der Sinne
Er war kein vorsichtiger Liebhaber; er war fordernd, aufmerksam und unglaublich heißblütig. Seine Hand glitt an der Innenseite ihrer Schenkel hinab, strich sanft über die empfindliche Haut und fand schließlich ihre Mitte, die bereits vor Verlangen überging. Als seine Finger sie gezielt und rhythmisch zu berühren begannen, entfuhr Beate ein lautes Stöhnen. Sie verlor jeglichen Halt.
„Julien, bitte… jetzt“, flehte sie, getrieben von einem Verlangen, das sie in dieser Intensität noch nie zuvor erlebt hatte.
Er sah ihr tief in die Augen – ein Blick voller Besitzanspruch und wilder Leidenschaft –, hob ihre Beine an und stieß mit einer einzigen, kraftvollen Bewegung tief in sie hinein.
Beate schrie leise auf. Das Gefühl, von ihm völlig ausgefüllt zu sein, war überwältigend. Julien begann sich in ihr zu bewegen, erst langsam und tief, dann immer schneller und fordernder. Jeder seiner Stöße traf sie genau an der richtigen Stelle. Die Hitze im Raum schien zu explodieren; der Duft von Schweiß, Jasmin und purem Sex lag schwer in der Luft.
Sie bewegten sich im perfekten, instinktiven Rhythmus. Beate schlang ihre Beine eng um seine Hüften, um ihn noch tiefer in sich zu ziehen. Jede Reibung, jede Berührung ihrer Körper war elektrisierend. In diesem Moment gab es keinen Fluch mehr, keinen ausgeklügelten Plan und vor allem keinen Alexander, ihren eigentlichen Verlobten. Alexanders Gesicht, seine korrekte, fast sterile Art – all das war wie weggewischt, ersetzt durch das wilde Keuchen von Julien, das Knistern der Laken und die ungeheure, animalische Anziehungskraft zwischen ihnen.
Die Kaskade der Höhepunkte
Die sexuelle Spannung staute sich unaufhaltsam an. Julien beschleunigte seine Bewegungen, seine Muskeln spannten sich unter ihren Händen an wie Stahlfedern. Er beugte sich vor, biss ihr sanft in die Schulter und flüsterte französische Schwüre an ihr Ohr, die sie nicht verstand, die sie aber noch heißer machten.
„Ich komme, Beate… mit dir“, raunte er an ihren Lippen.
Das war der Auslöser. Eine Welle nach der anderen rollte durch Beates Körper. Ihre inneren Muskeln zogen sich in heftigen, süßen Spasmen um ihn zusammen, während ein ohrenbetäubendes, erlösendes Stöhnen ihrer Kehle entwich. Sie zitterte am ganzen Körper, völlig schwerelos im Rausch der Sinne. Nur Sekunden später stieß Julien ein letztes Mal tief in sie und fand unter einem tiefen, gutturalen Stöhnen seinen eigenen, intensiven Höhepunkt, während er seinen Samen tief in sie abgab.
Völlig erschöpft, die Haut von einem feinen Schweißfilm überzogen, sanken die beiden in die Kissen. Julien hielt Beate fest im Arm, strich ihr sanft durch die Haare und küsste ihre Stirn. Er war vollkommen fasziniert von dieser Frau, die ihm nicht nur körperlich, sondern auch emotional in dieser Nacht alles abverlangt und gegeben hatte.
Und Beate? Sie lag an seiner Brust, lauschte seinem wild klopfenden Herzen und spürte eine tiefe, fast beängstigende Zufriedenheit. Zum ersten Mal seit Jahren dachte sie in diesem Moment nicht an die Zukunft oder an ihren vermeintlich sicheren Hafen Alexander. Sie war im Hier und Jetzt gefangen – in den Armen des Mannes, den sie eigentlich nur benutzen wollte.
Die Sonne stand schon hoch über den Dächern von Marrakesch, als die ersten warmen Strahlen durch die kunstvoll geschnitzten Holzfensterläden drangen und goldene Streifen auf die zerwühlten Seidenlaken warfen. Beate und Julien schliefen tief und fest, eng aneinandergeschmiegt, als wollten ihre Körper die Verbindung der vergangenen Nacht selbst im Schlaf nicht abreißen lassen. Die Erschöpfung nach diesem leidenschaftlichen, fast raubtierhaften Liebesspiel saß ihnen tief in den Knochen – aber es war eine wunderbare, wohlige Schwere.
Als Beate schließlich die Augen aufschlug, blickte sie direkt in Juliens Gesicht. Er schlief noch. Ohne den Bart und den wachen, manchmal fast herausfordernden Blick wirkte er überraschend sanft. Ein unerwarteter Stich traf sie mitten ins Herz. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, wie vertraut sich sein Atem auf ihrer Haut anfühlte. Nein, mahnte sie sich innerlich und versuchte, die aufkeimende Wärme wegzuschieben. Das hier ist ein Mittel zum Zweck. Du tust das für deine Zukunft mit Alexander. Doch die Erinnerung an Juliens Berührungen, an das unaufhaltsame Beben ihres Körpers unter ihm und diese absolute, seelische Nacktheit, die sie miteinander geteilt hatten, brannte wie ein süßes Lauffeuer in ihren Adern.
Ein Frühstück voller Knistern und kalkulierter Eile
Wenig später saßen sie auf der privaten Dachterrasse im gleißenden Mittagslicht. Vor ihnen bog sich der Tisch unter einem opulenten marokkanischen Frühstück: frisches, warmes Fladenbrot, süßer Minztee, Schalen mit duftendem Honig, reife Feigen, Oliven und cremiger Ziegenkäse.
Julien trug nur eine lockere Hose, Beate hatte sich in einen dünnen, weißen Seidenmantel gehüllt, der bei jeder Bewegung leicht aufklaffte und den Blick auf die zarte Haut freigab, die er Stunden zuvor noch mit Küssen übersät hatte. Die Luft zwischen ihnen war noch immer hochgradig aufgeladen. Jedes Mal, wenn sich ihre Blicke trafen, lag darin das Wissen um die Ekstase der Nacht.
Julien nahm einen Schluck Tee, sah sie intensiv an und lächelte dieses verwegene Lächeln, das Beates Herzschlag augenblicklich beschleunigte.
„Ich muss zugeben, Beate... Ich habe noch nie eine Frau erlebt, die mich so völlig aus der Bahn geworfen hat. Du bist wie ein Sturm. Und ich bin mir verdammt sicher, dass wir beide noch lange nicht fertig miteinander sind.“
Beate spürte, wie ihre Wangen warm wurden. Seine Direktheit faszinierte sie. Julien war ihr ebenbürtig – nicht nur im Bett, sondern auch im Geist. Er redete nicht um den heißen Brei herum. Seine Intelligenz, gepaart mit dieser ungezwungenen, maskulinen Präsenz, zog sie tiefer in seinen Bann, als ihr lieb war. Sie musste jetzt das Heft in die Hand nehmen, bevor sie sich völlig in ihm verlor.
Sie legte ihre Gabel ab, stützte die Ellbogen auf den Tisch, sah ihm fest in die Augen und sagte mit einer Ruhe, die sie selbst überraschte: „Julien, ich bin keine Frau, die lange fackelt oder Jahre mit Warten verschwendet. Ich weiß, was ich will. Und ich will dich heiraten. Und zwar noch in dieser Woche. Hier in Marokko.“
Das Duell der Gefühle
Julien erstarrte mitten in der Bewegung. Für einen kurzen Moment dachte er, er hätte sich verhört. Seine dunklen Augen verengten sich leicht, suchten in ihrem Gesicht nach einem Zeichen für einen Scherz. Doch Beates Blick war glasklar, entschlossen und unglaublich intensiv.
Ein tiefes, raues Lachen entwich seiner Kehle, das jedoch schnell abebbte, als er merkte, wie ernst es ihr war. „Du willst mich heiraten? In dieser Woche?“, fragte er, beugte sich über den Tisch und suchte ihre Hand. Seine Finger schlossen sich warm und fest um ihre, und die bloße Berührung schickte sofort wieder ein vertrautes Prickeln durch Beates Unterleib. „Ma chérie, ich liebe das Abenteuer, und Gott weiß, nach letzter Nacht bin ich absolut süchtig nach dir. Aber das ist selbst für meine Verhältnisse extrem. Was ist der wahre Grund für diese Eile?“
Julien war fasziniert. Er hatte in seinem Leben als Reisejournalist unzählige Frauen kennengelernt – wunderschöne, kluge, aufregende Frauen. Doch bei keiner von ihnen hatte er dieses Gefühl gehabt. Dieses tiefe, unerschütterliche Gefühl der Verbundenheit, das sich schon nach wenigen Stunden mit Beate eingestellt hatte. Sie war keine Trophäe, sie war eine Partnerin auf Augenhöhe. Sie forderte ihn heraus, sie verängstigte ihn ein Stück weit mit ihrer Entschlossenheit, und genau das machte sie so unwiderstehlich. Er spürte zum ersten Mal im Leben den Drang, sesshaft zu werden – ausgerechnet bei einer Frau, die er erst seit gestern kannte.
Beate spürte den Druck seiner warmen Hand und ihr Verstand geriet ins Trudeln. Sie sah Juliens breite Schultern, erinnerte sich daran, wie es sich angefühlt hatte, als er sie gestern Nacht hielt, wie er sie mit einer Mischung aus unbändiger Leidenschaft und tiefer Zärtlichkeit geliebt hatte. Ein schmerzhafter, ehrlicher Gedanke drängte sich in ihr Bewusstsein: Wenn da nicht Alexander wäre... wenn da nicht dieser verdammte Fluch wäre... dann wäre Julien der Mann. Nicht nur für eine Nacht. Er wäre der Mann, mit dem ich alt werden will. Der Vater meiner Kinder. Derjenige, der mich wirklich versteht, der mich fordert und erfüllt.
Die Vorstellung, diesen wilden, wunderbaren Mann nur als Werkzeug zu benutzen, um den Fluch abzuwenden und danach zu dem sicheren, aber emotional kühlen Alexander zurückzukehren, zog ihr das Herz zusammen. Es fühlte sich an wie ein Verrat – an Julien, aber vor allem an ihren eigenen, tiefen Gefühlen, die in dieser kurzen Zeit wie eine Naturgewalt über sie hereingebrochen waren.
„Es gibt keinen Haken, Julien“, log sie, während ihre Stimme ganz leicht zitterte und sie seinen Blick hielt. „Ich habe einfach noch nie gefühlt, was ich bei dir fühle. Und wenn man das Richtige findet, warum sollte man dann warten?“
Julien musterte sie lange. Er spürte, dass sie ihm nicht die ganze Wahrheit sagte, dass da ein Geheimnis in ihren Augen lag. Doch die Erinnerung an ihren gemeinsamen Rausch, an ihre Hingabe und diese unglaubliche Anziehungskraft war stärker als jeder Zweifel.
Er hob ihre Hand an seine Lippen, küsste sanft ihre Fingerknöchel und sah sie mit einem Blick an, der so voller ehrlicher Zuneigung und Begehren war, dass es Beate fast den Atem raubte. „Ein Blitzhochzeit in Marrakesch also“, raunte er, und seine Stimme vibrierte vor einer neuen, tiefen Ernsthaftigkeit. „Wenn das dein Ernst ist, Beate... dann zeig mir, wie sehr du es willst. Überzeug mich.“
Ein eiskalter Schauer lief Beate über den Rücken. „Überzeug mich“, hatte er gesagt. Diese Worte, so spielerisch sie auch gemeint sein mochten, trafen sie wie ein Schlag. Plötzlich schrillten alle Alarmglocken in ihrem Kopf. War das alles ein riesiger Fehler gewesen? Julien war verdammt geschickt. Er war kein naiver Spielball, den sie einfach für ihren Plan benutzen konnte. Er forderte sie heraus, las in ihr wie in einem offenen Buch und verlangte eine Hingabe, die sie eigentlich für Alexander aufsparen wollte.
Ihr Stolz und die Angst, sich völlig verletzlich zu machen, flammen auf. Sie zog ihre Hand aus seiner, die eben noch so wohlig warm gewesen war, und konterte mit kühler, fast schneidender Distanz:
„Muss ich dich wirklich noch überzeugen, Julien? Vielleicht habe ich mich auch einfach geirrt. Vielleicht haben meine Emotionen mich gestern Nacht und heute Morgen getäuscht und mich zu diesem absurden Antrag hingerissen.“
Sie stand auf, strich ihren Seidenmantel glatt und sah ihn mit einer Mischung aus verletztem Stolz und Entschlossenheit an. „Ich werde sofort in mein Hotel zurückfahren. Vergiss, was ich gesagt habe. Es wird das Beste sein, wenn wir uns nie wieder begegnen.“ Es war ihr unendlich peinlich. Sie, die rationale, stets kontrollierte Beate, hatte sich innerhalb weniger Stunden so von ihren Gefühlen wegtragen lassen, dass sie sich fast lächerlich gemacht hatte.
Ein Wendepunkt im Riad
Julien spürte sofort, dass er das Seil überspannt hatte. Die spielerische Provokation, die er so oft bei anderen Frauen genutzt hatte, funktionierte bei Beate nicht. Sie war anders. Sie ging nicht auf seine Spielchen ein – sie war bereit zu gehen. Und die bloße Vorstellung, diese faszinierende, leidenschaftliche Frau jetzt zu verlieren, versetzte seinem Herzen einen heftigen, schmerzhaften Stich.
Er sprang auf, fing sie an der Türschwelle ab und griff nach ihrer Hand. Diesmal war kein spielerisches Funkeln in seinen Augen, sondern nackte, ehrliche Sorge.
„Beate, warte. Bitte“, sagte er, und seine Stimme war tief und vollkommen ernst. „Ich war ein Idiot. Ich wollte nicht spielen. Ich bin schon längst überzeugt.“
Er führte sie sanft, aber bestimmt zurück in den schattigen, kühlen Innenhof des Riads. „Bitte, nimm einen Moment Platz. Vertrau mir. Ich bin in zehn Minuten wieder da.“
Er rannte fast die Treppen hinunter und ließ Beate verwirrt, aber seltsam beruhigt im Innenhof zurück.
Aus den versprochenen zehn Minuten wurden fast dreißig. Doch Beate wurde nicht ungeduldig. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft in diesem wunderschönen, fremden Land hielt sie inne. Sie saß auf den weichen Polstern, lauschte dem fernen, rhythmischen Rufen der Händler auf dem nahen Basar, dem Duft von Gewürzen, der mit dem Wind über die Mauern getragen wurde, und dem fernen, geschäftigen Treiben der Marokkaner. Es war eine völlig neue Welt für sie. Und sie war nur hier, weil der Mann, den sie sich für ihren verrückten Plan ausgesucht hatte, genau an diesem Ort auf sie gewartet hatte. Inmitten dieses orientalischen Zaubers spürte sie, wie sich der Knoten in ihrer Brust langsam löste.
Der Antrag
Als Julien zurückkehrte, war er leicht außer Atem. Seine Haare waren zerzaust, doch sein Blick war von einer Klarheit, die Beate den Atem raubte. Er trat vor sie, nahm sie an beiden Händen und bat sie sanft, aufzustehen.
Ohne ein weiteres Wort sank er vor ihr auf ein Knie.
Aus der Tasche seiner Hose zog er eine kleine, tiefrote Samtschachtel. Als er sie öffnete, fingen die Sonnenstrahlen, die in den Innenhof fielen, das Licht eines wunderschönen, kleinen blauen Diamanten ein, der auf einer filigranen Platinschiene thronte. Er hatte in den letzten dreißig Minuten Himmel und Hölle in den Gassen von Marrakesch in Bewegung gesetzt, um diesen Ring zu besorgen.
Julien sah ihr direkt in die Augen. Seine Stimme vibrierte vor einer Tiefe, die Beate so noch nie bei einem Mann gehört hatte:
„Beate... Ich habe noch nie für eine Frau so empfunden wie für dich. Du hast mein ganzes Leben in nur einer Nacht auf den Kopf gestellt. Ich will keine Spiele mehr spielen. Ich will dich. Willst du meine Frau werden?“
Beate schluckte trocken. Ihr Herz hämmerte so wild gegen ihre Rippen, dass sie das Gefühl hatte, Julien müsste es hören können. Ihr Verstand setzte für einen Moment völlig aus. Was passierte hier gerade? Das war doch nur ein Plan gewesen. Ein kalkulierter Schachzug, um einen dämlichen Familienfluch zu umgehen!
Und doch... als sie in Juliens ehrliche, hingebungsvolle Augen blickte, gab es in ihrem Kopf in diesem Bruchteil einer Sekunde keinen Platz für Alexander. Kein Gedanke an dessen korrekte, strukturierte Art, keine Sekunde an die geplante Zukunft in Deutschland. All das war wie weggewischt von einer Welle des reinsten, intensivsten Glücks, das sie je empfunden hatte.
„Ja“, hauchte sie. Und es war kein strategisches Ja. Es war ein ehrliches, aus tiefster Seele kommendes Ja zu diesem Mann, der vor ihr auf den Knien lag. „Ja, ich will, Julien.“
Ein Tanz auf dem Vulkan
Julien stieß einen befreiten Seufzer aus, stand auf und zog sie stürmisch in seine Arme. Er wirbelte sie im Innenhof herum, lachte laut auf und drückte seine Lippen in einem tiefen, besitzergreifenden und unendlich glücklichen Kuss auf die ihren. Es war ein Moment des triumphalen, reinen Glücks für ihn. Er hatte die Frau gefunden, mit der er den Rest seines Lebens verbringen wollte.
Beate schmiegte sich eng an ihn, vergrub ihr Gesicht an seinem Hals und sog seinen Duft ein. Sie war einfach nur glücklich. In seinen Armen fühlte sie sich lebendig, begehrt und so frei wie noch nie zuvor in ihrem Leben.
Natürlich lauerte im Hintergrund ihres Verstandes die Realität. Der eiskalte, rationale Plan war immer noch da: Sie würde diesen wunderbaren Mann heiraten, sich so schnell wie möglich wieder von ihm scheiden lassen, um den Fluch zu brechen und danach Alexander zu heiraten. Das war das Ziel.
Aber jetzt, in diesem magischen, von der Sonne Marrakeschs erwärmten Innenhof, war ihr das völlig egal. Für den Moment gehörte sie ganz Julien. Und während sie seine Lippen wieder auf den ihren spürte, verdrängte sie den Gedanken, wie sehr diese Scheidung ihnen beiden das Herz brechen würde, ganz weit nach hinten.
Die marokkanische Sonne versank in einem Meer aus flüssigem Gold und Purpur hinter den fernen Gipfeln des Atlasgebirges, als Beate und Julien sich das Ja-Wort gaben. Es war eine intime, fast traumhafte Zeremonie auf der Dachterrasse eines kleinen, historischen Standesamtes in den verwinkelten Gassen der Medina. Keine pompöse Gesellschaft, nur die beiden, ein einheimischer Beamter und zwei vom Riad organisierte Trauzeugen.
Beate trug ein schlichtes, fließendes Kleid aus cremefarbener Seide, Julien ein dunkles Leinenhemd. Als sie die Ringe austauschten und Julien ihr den kleinen blauen Diamanten über den Finger streifte, bebte Beates Hand. In seinen Augen lag eine so tiefe, bedingungslose Hingabe, dass es ihr physisch wehtat. In diesem Moment besiegelte sie ein Versprechen, das für ihn der Anfang ihres gemeinsamen Lebens war – und für sie das kalkulierte Ende eines Fluchs. Doch als seine Lippen ihre zur Besiegelung der Ehe trafen, ertrank jeder rationale Gedanke in einem Strudel aus Sehnsucht.
Die Hochzeitsnacht: Ein Sturm der Leidenschaft
Zurück im Riad schien die Welt draußen zu verstummen. Der Innenhof war in das sanfte, warme Licht von Dutzenden Kerzen gehüllt. Der Duft von Jasmin, Rosenwasser und schwerem Holzrauch lag in der Luft.
Julien hob Beate über die Schwelle ihres Schlafgemachs. Seine Augen brannten vor einem Verlangen, das durch die formelle Vermählung nur noch weiter angefacht worden war. Er setzte sie sanft auf der Bettkante ab, kniete sich vor sie und begann, ihr die Riemchenschuhe von den Füßen zu streifen. Seine Hände glitten langsam ihre Waden hinauf, strichen über ihre Knie und ließen die Seide ihres Kleides sanft nach oben raffen.
„Mein Weib“, raunte er, und das Wort klang auf seinen Lippen wie ein heiliger Schwur. „Ich kann es immer noch nicht fassen. Du gehörst zu mir.“
Beate spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen – teils vor überwältigendem Glück, teils vor einer tiefen, brennenden Schuld. Sie zog ihn am Kragen seines Hemdes zu sich hoch. „Keine Worte mehr, Julien. Bitte. Lieb mich. Jetzt.“
Ihr Flehen war ein gieriger Befehl, und Julien antwortete mit einer Wildheit, die Beate den Verstand raubte. Seine Lippen schlugen auf ihre, fordernd, heiß und besitzergreifend. Während ihre Zungen miteinander tanzten, riss er sich das Hemd vom Leib. Beate krallte ihre Fingernägel in seine nackten, warmen Schultern, spürte die harten Muskeln unter seiner Haut vibrieren.
Mit geschickten, ungeduldigen Händen schob Julien die Träger ihres Seidenkleides nach unten. Der Stoff glitt an ihrem Körper herab und enthüllte ihre prallen, bebenden Brüste. Julien stöhnte leise auf, beugte sich vor und nahm eine ihrer knospenden Brustwarzen in den Mund. Er saugte sanft, umspielte sie mit der Zunge, während seine Hand weiter nach unten glitt, den Saum des Kleides ganz nach oben schob und ihre nackte Hüfte umfasste.
Beate wand sich unter seinen Berührungen. Ein feuchtes, tiefes Stöhnen entwich ihrer Kehle, als seine Finger den Weg zwischen ihre Schenkel fanden. Sie war bereits vollkommen nass, heiß und bereit für ihn. Juliens Berührungen waren magisch; er wusste genau, wie er sie berühren musste, um sie an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Jedes Streichen seiner Finger über ihre empfindlichste Stelle ließ ihren Körper heftig erzittern.
„Julien… bitte, ich halte es nicht mehr aus“, schluchzte sie fast vor Lust.
Er erhob sich, streifte seine Hose ab und stand in seiner vollen, beeindruckenden Erregung vor ihr. Er legte sie flach aufs Bett, breitete ihre Beine aus und schob sich zwischen sie. Seine dunklen Augen fixierten die ihren, suchten ihre Seele, während er sich langsam, Zentimeter für Zentimeter, in sie hineinschob.
Das Gefühl, wie er sie vollkommen ausfüllte, war so intensiv, dass Beate den Rücken durchbog und die Laken fest in ihren Händen zusammenpresste. Ein lauter, ungehemmter Schrei der Lust entwich ihr. Julien begann sich zu bewegen – erst in langen, tiefen Stößen, die sie im tiefsten Inneren erschütterten, dann immer schneller, wilder und ungestümer.
Es war kein sanftes Liebesspiel; es war eine Verschmelzung zweier Naturgewalten. Ihre Körper klatschten im Rhythmus der Leidenschaft aneinander, die Haut von einem glänzenden Schweißfilm überzogen. Beate schlang ihre Beine eng um seine Hüften, zog ihn noch tiefer in sich hinein, um die unerträgliche, wunderschöne Reibung zu maximieren. Sie wollte ihn ganz spüren, wollte jeden Millimeter dieses Mannes in sich aufnehmen, um die nagenden Schuldgefühle zu betäuben.
Juliens Stoßrhythmus wurde fieberhaft. Er raunte ihren Namen immer wieder wie ein Gebet an ihre Lippen, küsste sie blindlings auf den Mund, die Wangen, den Hals. Die sexuelle Spannung im Raum staute sich zu einem unerträglichen Maximum an. Beate spürte, wie sich in ihrem Unterleib alles zusammenzog, die süße Welle des Orgasmus rollte unaufhaltsam heran.
„Ich liebe dich, Beate!“, rief Julien aus, und in diesem Moment brach der Damm.
Unter einem gellenden Aufschrei explodierte Beates Körper in einer Kaskade von unkontrollierbaren Höhepunkten. Ihre inneren Muskeln klammerten sich in heftigen, rhythmischen Kontraktionen um seine Männlichkeit. Das Gefühl war so überwältigend, dass sie heftig schluchzte. Nur Sekunden später stieß Julien ein letztes, tiefes, gutturales Brüllen aus, stieß so tief er konnte in sie hinein und ergoss sich in heißen, pulsierenden Schüben in ihr Innerstes. Seine Muskeln zuckten, während er sich schwer auf sie sinken ließ, ihr Gesicht mit sanften Küssen bedeckte und sie festhielt, als würde er sie nie wieder loslassen.
Der Morgen danach: Das Erwachen im Albtraum
Als Beate am nächsten Morgen aufwachte, lag Julien noch immer eng an sie geklemmt, ein Arm schützend über ihre Hüfte gelegt. Ein friedliches, glückliches Lächeln lag auf seinen Lippen.
Beate starrte an die Decke. Das eiskalte Licht des Morgens hatte die romantische Magie der Nacht vertrieben. Die Realität traf sie mit der Wucht eines Vorschlaghammers. Der Fluch war gebrochen. Sie war verheiratet. Jetzt musste der schmerzhafte Teil des Plans folgen: die Scheidung. Und Julien musste die Wahrheit erfahren. Sie konnte ihn nicht länger belügen, nicht nach dieser Nacht, nicht nach diesem Liebesgeständnis.
Sie setzte sich langsam auf, entzog sich seiner Umarmung. Die Kälte des Raumes ließ sie frösteln. Sie zog sich ein Laken vor die Brust.
„Julien…“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme. „Julien, wach bitte auf.“
Er blinzelte verschlafen, und als er sie sah, breitete sich sofort wieder dieses warme, wunderschöne Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er streckte die Hand aus, um nach ihrer Wange zu greifen. „Guten Morgen, meine wunderschöne Frau…“
„Nein, Julien. Fass mich nicht an. Bitte“, sagte sie, und eine Träne stahl sich über ihre Wange. Ihre Stimme war kalt und zittrig.
Julien stutzte. Er setzte sich auf, die Stirn in Falten gelegt. „Beate? Was ist los? Stimmt etwas nicht? Geht es dir nicht gut?“
Beate atmete tief ein. Sie musste es hinter sich bringen. Jedes Wort fühlte sich an wie ein Dolchstoß, den sie sich selbst und ihm versetzte.
„Julien… unsere Ehe… das alles hier. Es war eine Lüge.“
Julien lachte unsicher, schüttelte den Kopf. „Was redest du da für einen Unsinn? Wir haben gestern geheiratet. Wir haben uns geliebt wie noch nie jemand zuvor…“
„In meiner Familie liegt ein Fluch“, unterbrach sie ihn mit unnatürlich fester Stimme, während sie versuchte, die Tränen zu unterdrücken. „Jede erste Ehe scheitert katastrophal. Erst die zweite bringt das Glück. Ich bin verlobt, Julien. In Deutschland wartet ein Mann namens Alexander auf mich. Er ist mein Verlobter. Er ist der Mann, den ich heiraten will.“
Julien starrte sie an. Das Lächeln fror auf seinem Gesicht ein. Die Farbe wich komplett aus seinen Wangen. „Was…?“
„Ich habe dich nur geheiratet, um die erste Ehe hinter mich zu bringen“, fuhr Beate fort, und der Schmerz in ihrer eigenen Brust war kaum zu ertragen. „Ich brauchte einen ersten Ehemann, von dem ich mich sofort wieder scheiden lassen kann. Damit der Fluch gebrochen ist und ich Alexander heiraten kann. Es tut mir leid. Ich werde heute noch die Scheidung einreichen und Marokko verlassen.“
Es herrschte eine lähmende, grausame Stille im Raum.
Julien saß da wie versteinert. Seine dunklen Augen, die gestern Nacht noch vor Liebe und Leidenschaft geleuchtet hatten, wurden glasig. Er starrte Beate an, als würde er ein Monster betrachten. Die schreckliche Wahrheit sickerte langsam in sein Bewusstsein. Er war kein Ehemann. Er war kein Partner auf Augenhöhe. Er war nur ein Werkzeug gewesen. Ein Mittel zum Zweck, benutzt und weggeworfen für den Aberglauben einer Frau, der er sein ganzes Herz geschenkt hatte.
Große, schwere Tränen sammelten sich in seinen Augenlidern und liefen langsam über seine Wangen in seinen Dreitagebart. Er schüttelte fassungslos den Kopf, die Lippen zitterten. Er versuchte zu sprechen, doch seine Stimme versagte völlig. In seinem Blick lag ein so tiefer, bodenloser Schmerz und eine vollkommene Verständnislosigkeit, dass Beate den Blick abwenden musste, weil es ihr das eigene Herz in tausend Stücke zerriss.
Ohne ein einziges Wort zu sagen, schlug Julien die Decke zurück. Er bewegte sich wie in Trance, mechanisch und vollkommen stumm. Er sah Beate nicht an, ignorierte ihre leisen, verzweifelten Versuche, seinen Namen zu rufen, und ging ins Badezimmer. Das Geräusch von fließendem Wasser hallte kalt durch das Riad. Als er herauskam, zog er sich hastig an. Seine Bewegungen waren frei von jeglicher Hektik, getragen von einer unheimlichen, stillen Entschlossenheit. Er warf sich seine Tasche über die Schulter, ging an ihr vorbei und verließ das Zimmer. Die schwere Holztür fiel mit einem dumpfen, endgültigen Klang ins Schloss.
Beate blieb allein im Bett zurück. Die Laken, die vor wenigen Stunden noch nach ihrer gemeinsamen Leidenschaft gerochen hatten, fühlten sich plötzlich eiskalt und klamm an. Sie zog die Knie an die Brust und starrte ins Leere.
Das Erwachen der Schuld
Ein furchtbarer Schmerz breitete sich in Beates Brust aus. Sie fragte sich voller Abscheu, wie sie nur so skrupellos mit den Gefühlen eines anderen Menschen hatte spielen können.
Warum Julien?
Die Antwort war so einfach wie feige gewesen: Sie hatte ihn auf den Fotos und in seinen Berichten als unbeschwerten Frauenhelden wahrgenommen. Sie hatte sich eingeredet, dass ein Mann wie er – der das Leben und die Frauen leicht nahm – eine schnelle Scheidung mit einem Achselzucken wegstecken würde. Sie hatte geglaubt, er würde das Ganze als verrücktes Abenteuer verbuchen. Doch sie hatte sich so furchtbar geirrt. Sie hatte nicht mit seiner unbändigen Tiefe gerechnet, nicht mit seiner absoluten, ehrlichen Hingabe und schon gar nicht mit der Tatsache, dass sie selbst ihr Herz an ihn verlieren würde.
Eigentlich sollte sie jetzt triumphieren. Ihr Plan war aufgegangen, die erste Ehe geschlossen, der Fluch gebrochen. Sie war Alexander, ihrer vermeintlich sicheren Zukunft in Hamburg, so nah wie nie zuvor. Doch statt Erleichterung spürte sie nur eine bodenlose, lähmende Traurigkeit. Sie war sterbensunglücklich. Sie hatte den Mann, der sie in nur zwei Tagen tiefer berührt hatte als jeder andere zuvor, im tiefsten Inneren seiner Seele verletzt.
Die Rückkehr des Fremden
Drei endlose Stunden vergingen, in denen Beate wie gelähmt im Riad wartete. Dann ging die Tür auf. Julien war zurück.
Doch es war nicht mehr der Julien, den sie kannte. Seine Augen waren trocken, der warme, verwegene Glanz völlig erloschen. Er blickte sie weder wütend noch traurig an – sein Gesicht war eine Maske aus purem, eiskaltem Stein.
„Komm mit zur Bar“, sagte er flach, ohne jede Melodie in der Stimme.
Beate folgte ihm mit klopfendem Herzen. Sie saßen sich an dem dunklen Holztisch gegenüber, an dem sie noch vor Kurzem gelacht hatten. Julien sah sie nicht an, als er sprach.
„Ich habe alles in die Wege geleitet“, sagte er mit einer schneidenden, emotionslosen Stimme. „In Marokko dauert das Verfahren für diese spezielle Form der Annullierung fünfzehn Tage. Ich habe den Antrag eingereicht. Nach Ablauf dieser Frist bist du wieder eine freie Frau. Die Papiere werden dir nach Hamburg geschickt.“
Er hielt kurz inne, als müsste er kurz Luft holen, doch er sah sie immer noch nicht an. „Das ist alles.“
Er stand auf. Kein „Mach’s gut“, kein letzter, vorwurfsvoller Blick, kein Abschied. Er drehte sich um und ging. Beate blieb wie vor den Kopf gestoßen sitzen. Sie spürte, wie die Tränen nun unaufhaltsam über ihre Wangen liefen. Er ließ ihr nicht einmal die Chance, sich zu erklären, sich zu entschuldigen oder ihm zu sagen, wie leid es ihr tat.
Als sie kurz darauf mit gepacktem Koffer vor das Riad trat, stand dort bereits ein Taxi. Der Fahrer rief ihren Namen. Als sie nickte, sagte er auf Englisch: „Mr. Julien hat mich bezahlt. Ich soll Sie zu Ihrem Hotel bringen.“
Der schmerzhafte Abschied und die Einsamkeit in Marrakesch
Bis zu ihrem Rückflug am nächsten Tag um 15:00 Uhr verbrachte Beate die Stunden in einer qualvollen Isolation in ihrem Hotelzimmer. Ihr Handy blieb stumm. Sie starrte im Sekundentakt auf das Display, hoffte auf eine Nachricht, einen Anruf, eine letzte Gelegenheit, ihm gegenüberzutreten. Sie wollte ihm sagen, dass ihre Gefühle in der Hochzeitsnacht echt gewesen waren, dass sie ihn nicht nur benutzt hatte, sondern dass er etwas in ihr entfacht hatte, das sie nie wieder vergessen würde. Aber Julien gab ihr diese Gelegenheit nicht mehr. Er hatte eine Mauer aus absolutem Schweigen um sich hochgezogen.
In Marrakesch blieb Julien mit einem gebrochenen Herzen zurück. Er lief stundenlang ziellos durch die staubigen, heißen Gassen der Medina, doch die Farben und Düfte, die er so geliebt hatte, bedeuteten ihm nichts mehr. Er war zutiefst gedemütigt. Ausgerechnet er, der Freigeist, der dachte, er kenne die Menschen und das Leben, war vollkommen auf dieses perfide Spiel hereingefallen. Er hatte sich verletzlich gemacht, hatte zum ersten Mal in seinem Leben an die wahre, große Liebe geglaubt und einer Frau sein Herz auf dem Silbertablett serviert – nur um festzustellen, dass er für sie nichts weiter als eine Schachfigur in einem absurden, egoistischen Spiel gewesen war. Der Schmerz saß so tief, dass er sich schwor, nie wieder einer Frau so nahe zu kommen.
Der Rückflug in die Realität
Der gesamte Rückflug nach Hamburg war für Beate eine einzige Tortur. Während das Flugzeug die Wolken durchschnitt, war ihr Kopf kilometerweit entfernt. Sie dachte keine einzige Sekunde an Alexander. Seine strukturierte, berechenbare Art, das gemeinsame, wohlgeordnete Leben in Hamburg – all das erschien ihr plötzlich so unendlich weit weg, so blass und bedeutungslos.
Alles, woran sie denken konnte, war Juliens Gesicht, seine warmen Hände, sein Lachen, der blaue Diamant an ihrem Finger, den sie nun schmerzhaft in ihrer Tasche verbarg, und schließlich dieser markerschütternde, tränenreiche Blick am Morgen nach ihrer Hochzeitsnacht. Ihr wurde mit einer grausamen Klarheit bewusst: Man kann das Leben und die Gefühle anderer Menschen nicht wie ein Geschäft behandeln. Man kann nicht einfach aus strategischen Gründen heiraten und sich danach „geschäftsmäßig“ scheiden lassen, ohne dass dabei Seelen zerbrechen. Sie hatte geglaubt, sie könnte ihr Schicksal austricksen, doch stattdessen hatte sie ein emotionales Trümmerfeld hinterlassen – und ihr eigenes Herz gleich mit zerstört.
Zurück in Hamburg
Als die Maschine auf dem Hamburger Flughafen aufsetzte, war der Himmel grau und verregnet. Eigentlich war vereinbart gewesen, dass Alexander sie abholt. Doch Beate hatte ihm weder Bescheid gegeben noch auf seine Nachrichten geantwortet. Sie konnte ihn jetzt einfach nicht sehen. Sie ertrug die Vorstellung nicht, in seine ahnungslosen Augen zu blicken und so zu tun, als sei nichts gewesen.
Sie nahm sich ein Taxi und fuhr schweigend zu ihrer Wohnung. Als sie die Tür hinter sich schloss, stellte sie ihren Koffer in den Flur und blickte in die aufgeräumte, perfekt durchgestylte Wohnung. Alles hier schien so steril, so steril im Vergleich zu der wilden, farbenfrohen und emotionalen Hitze Marokkos.
Sie hatte noch drei Tage Urlaub, bevor der Alltag sie wieder einholen würde. Drei Tage, die sie eigentlich mit Alexander verbringen sollte. Doch Beate wusste, dass sie diese Zeit für sich brauchte. Sie musste allein sein. Sie musste einen klaren Kopf bekommen und sich den schmerzhaften Fragen stellen, die sie so lange verdrängt hatte:
Was wollte sie wirklich? Konnte sie nach all dem überhaupt noch zu Alexander zurückkehren? Und wie sollte sie jemals den Mann vergessen, dem sie in Marrakesch das Herz gebrochen hatte?
Am letzten Tag ihres Urlaubs saß Beate Alexander gegenüber. Als er sich zu ihr beugte, um sie zu umarmen und zu küssen, zog sie sich unwillkürlich zurück. Alexander sah sie verständnislos an. Für ihn war sie lediglich zwei Wochen im Urlaub gewesen und nun zu ihm zurückgekehrt – er ahnte nicht im Mindesten, welche dramatische Wendung ihr Leben genommen hatte. Je mehr Alexander versuchte, die gewohnte Nähe aufzubauen, desto falscher und distanzierter fühlte sich diese analytische, unterkühlte Beziehung für Beate an.
In den darauffolgenden Tagen durchforstete sie unentwegt das Internet nach Lebenszeichen von Julien. Doch da war nichts. Keine neuen Artikel, keine Posts, keine Fotos. Die Ungewissheit, wie es ihm ging, brannte wie Feuer in ihrer Brust. Was sie nicht wusste: Julien vergrab sich förmlich in seine Arbeit. Er war für zwei Monate in Marokko gebunden, um eine umfangreiche Reportage über die wirtschaftliche Zusammenarbeit des Landes mit Frankreich und Spanien fertigzustellen. Wohin es ihn danach verschlagen würde, wusste er selbst noch nicht – sein Herz war zu taub, um Pläne zu machen.
Alexanders Geduld war schließlich am Ende. Seine zunehmend ungehaltene Art nahm Beate als willkommenen Anlass, um den Schlussstrich zu ziehen und sich endgültig von ihm zu trennen.
Voller Verzweiflung wandte sie sich an den Chefarzt des Krankenhauses, an dem sie als Ärztin arbeitete. Er war ein väterlicher Mentor und ein guter Zuhörer. Beate schüttete ihm ihr Herz aus und erzählte alles – lückenlos, samt dem absurden Familienfluch, dem ausgeklügelten Plan und den tiefen Gefühlen für Julien.
Der Chefarzt hörte lange schweigend zu. Dann sah er sie über den Rand seiner Brille an und fragte direkt:
„Frau Doktor, was wollen Sie eigentlich wirklich? Sind Sie allen Ernstes so abergläubisch, dass Sie an diesen Blödsinn glauben?“
Er redete ihr ins Gewissen: Sie müsse um ihren Ehemann kämpfen, sonst würde sie ihn für immer verlieren. Wann der Scheidungstermin sei? Sie müsse sofort handeln, um diesen Termin zu verhindern!
Da ging Beate endlich ein Licht auf. Der Fluch war Unsinn, Alexander Geschichte. Sie wollte nicht das logische Leben in Hamburg – sie brauchte nur ihren Julien.
Sie zögerte keine Sekunde mehr: Beate kündigte ihren Job im Krankenhaus, packte ihre Sachen, kaufte ein Flugticket und flog auf der Stelle zurück nach Marokko. Ohne überhaupt ein Hotelzimmer zu buchen, fuhr sie auf direktem Weg zu Juliens Unterkunft.
Als sie ankam, kam Julien gerade aus dem Raum, wo er eine Video-Telefonkonferenz mit der Redaktion von Le Monde diplomatique beendet hatte. Als er den Blick hob und Beate vor sich stehen sah, blieb seine Miene eiskalt. Er fragte sie nicht einmal, was sie hier suchte, wich ihr gekonnt aus und wollte einfach an ihr vorbeigehen.
Doch Beate wäre nicht Beate, wenn sie so schnell aufgeben würde. Sie rannte ihm nach, warf sich ohne Rücksicht auf Verluste um seinen Hals und schlang die Arme um ihn.
„Julien, bitte! Gib mir einfach zehn Minuten, um mich zu erklären! Bitte, nur zehn Minuten, auch wenn du es nicht hören willst!“, flehte sie.
Julien sah die Entschlossenheit in ihren Augen und erkannte, dass er ihr so schnell nicht entkommen würde. Er seufzte schwer und nickte schließlich. Sie gingen in den schattigen Innenhof des Riads und bestellten Tee.
Dort packte Beate die ganze Wahrheit aus. Sie erzählte ihm von dem ominösen Familienfluch, ihren ursprünglichen Plänen mit Alexander und wie ihre Mutter sie intensiv beschworen hatte, vor der „wahren“ Ehe eine erste Scheidung abzuwickeln. Sie gestand ihm, wie sie bei der Recherche auf sein Profil gestoßen war und ihn gezielt ausgewählt hatte. Doch dann trat Beate ganz nah an ihn heran, sah ihm fest in die Augen und sagte mit zitternder, aber ehrlicher Stimme:
„Was ich nicht geahnt habe... Ich habe nicht gemerkt, wie tief und bedingungslos ich mich vom ersten Augenblick an in dich verliebt habe. Wenn du mir keine zweite Chance gibst, Julien... dann stürze ich mich auf der Stelle aus dem Fenster!“
Julien starrte sie überrascht an. Ein besorgter Zug glitt über sein Gesicht, der jedoch schnell einem feinen, amüsierten Lächeln wich. Er blickte kurz zum Fenster und dann wieder zu ihr.
„Weißt du eigentlich... dass wir hier im Erdgeschoss sitzen?“, fragte er trocken.
Beate musste trotz der Anspannung unwillkürlich auflachen – und genau dieses Lachen brach das Eis zwischen ihnen. Julien brauchte noch einen Moment, um den tiefen Schmerz der letzten Wochen loszulassen, doch als er in ihre Augen blickte, spürte er die absolute Ehrlichkeit ihrer Worte. Die Mauer um sein Herz schmolz dahin.
Er nahm sie fest in die Arme, zog den Antrag auf Annullierung zurück, und aus den beiden wurde schließlich das überglückliche Paar, das von Anfang an füreinander bestimmt gewesen war.
Das Netz ist ausgeworfen
Beate stand vor dem Spiegel ihres Hotelzimmers in Marrakesch. Das Seidenkleid, das sie trug, war von einem tiefen Smaragdgrün, hauchdünn und schmiegte sich an jede Kurve ihres Körpers. Darunter trug sie nichts als einen Hauch von Parfüm mit Noten von Jasmin und schwerem Amber.
Ihr Plan war absolut hieb- und stichfest. Der Fluch ihrer Familie – die unvermeidliche Scheidung der ersten Ehe – sollte heute Nacht sein Opfer finden. Und das Opfer hatte bereits einen Namen: Julien.
Julien war Reisejournalist, ein ungebundener Freigeist mit verwuscheltem dunklen Haar, Dreitagebart und Augen, die so dunkel und tief waren, dass Beate schon beim ersten Blick auf sein Profilbild im Internet ein leichtes Ziehen im Unterleib verspürt hatte. Er war perfekt. Unkompliziert, abenteuerlustig und vor allem: leicht zu verführen. Sie würde ihn heiraten, die Scheidung am nächsten Morgen einreichen und dann endlich frei sein für ihre „wahre“ Liebe. So zumindest die Theorie.
Die erste Begegnung im Riad
Als Beate die private, von Fackeln erleuchtete Dachterrasse des Riads betrat, stand Julien am Geländer. Er hatte die Ärmel seines weißen Leinenhemdes hochgekrempelt, die Brust stand leicht offen und gab den Blick auf gebräunte Haut frei.
„Du musst Beate sein“, seine Stimme war ein tiefes, raues Raunen, das eine angenehme Gänsehaut auf ihren Armen hinterließ. Er drehte sich um und seine Augen glitten langsam, fast greifbar, an ihr herab. „Das Grün steht dir. Es bringt deine Augen zum Leuchten... und macht Lust auf mehr.“
Beate schluckte trocken. Die kühle, kalkulierende Geschäftsfrau in ihr geriet augenblicklich ins Wanken. Dieser Mann strahlte eine animalische, ungezwungene Maskulinität aus, die die Luft zwischen ihnen sofort elektrisierte.
„Julien“, hauchte sie und trat einen Schritt näher, sodass sie die Hitze spüren konnte, die von seinem Körper ausging. „Ich hoffe, du bist bereit für ein Abenteuer. Ich bin nicht für langweilige Smalltalks hergekommen.“
Julien lächelte langsam. Ein verwegener Zug umspielte seine Lippen. Er hob sein Glas mit eisgekühltem Champagner und hielt es an ihre Lippen. „Ich war noch nie im Leben langweilig, ma chérie. Erzähl mir, was du begehrst.“
Als Beate den ersten Schluck nahm, tropfte ein winziger perlender Tropfen des Champagners über ihr Kinn und ihren Hals hinab, direkt in das Dekolleté ihres Kleides. Juliens Blick folgte dem Tropfen wie gebannt. Ohne ein Wort zu sagen, trat er so nah an sie heran, dass sich ihre Körper fast berührten. Sie konnte das rhythmische Heben und Senken seiner Brust sehen.
Mit langsamen, unendlich sanften Bewegungen hob er seine Hand, strich mit dem Daumen über ihre feuchte Haut am Schlüsselbein und sah ihr dabei tief in die Augen.
„Wir sollten diesen edlen Tropfen nicht verschwenden“, flüsterte er, beugte sich vor und seine Lippen waren nur noch Millimeter von ihrer Haut entfernt…
Der Champagner auf ihrer Haut war kühl, doch Juliens Lippen, die der feuchten Spur an ihrem Schlüsselbein folgten, brannten wie pures Feuer. Ein leises, unwillkürliches Keuchen entwich Beates Kehle, als seine Zunge die empfindliche Stelle am Übergang zu ihrem Hals berührte.
Ihr Verstand schrie nach Vorsicht, doch ihr Körper hatte längst die Kontrolle übernommen. Um diesen wilden, ungezähmten Mann morgen vor den Altar zu zerren, brauchte sie ein unschlagbares Argument. Sie musste ihn süchtig machen – und, so redete sie sich ein, sie musste selbst herausfinden, wie es sich anfühlte, mit dem Feuer zu spielen. Der familiäre Fluch war in diesem Moment die perfekte Ausrede für die nackte, gierige Lust, die in ihr aufstieg.
„Julien…“, raunte sie, vergrub die Finger in seinem dichten, dunklen Haar und zog ihn fester an sich.
Er wartete keine Sekunde länger. Seine Lippen forderten ihre in einem hungrigen, tiefen Kuss, der nach Champagner, Verlangen und der schweren, süßen Luft der marokkanischen Nacht schmeckte. Beate öffnete willig den Mund, ließ seine Zunge die ihre umspülen und spürte, wie eine Welle der Hitze direkt in ihren Schoß schoss.
Die Hitze des Riads
Ohne den Kuss zu unterbrechen, leitete Julien sie rückwärts durch die offenen Flügeltüren in das abgedunkelte, nur von Kerzen erleuchtete Schlafgemach. Das riesige Bett war mit schweren Seidenlaken bezogen.
Juliens Hände waren überall. Sie glitten über den glatten Stoff ihres grünen Kleides, strichen über ihre Hüften nach oben und fanden schließlich den Reißverschluss. Mit einem leisen Surren öffnete er sich, und das hauchdünne Seidenkleid glitt wie flüssiges Smaragdgrün an ihren Beinen herab auf den Mosaikboden.
Julien trat einen Schritt zurück, und sein Blick brannte auf ihrer nackten Haut. Beate stand völlig hüllenlos vor ihm, stolz und bebend vor Erwartung. „Du bist eine Göttin“, flüsterte er, und seine Stimme war rau vor Verlangen.
Mit schnellen, ungeduldigen Bewegungen entledigte er sich seiner eigenen Kleidung. Beate konnte den Blick nicht von seinem Körper wenden – er war sehnig, perfekt gebaut, und seine Erregung zeugte unmissverständlich von der Gier, die er nach ihr verspürte.
Als er sie auf das Bett gleiten ließ und sich über sie legte, raubte ihr die schiere Intensität des Hautkontakts den Atem. Jeder Zentimeter seines warmen, leicht feuchten Körpers passte sich dem ihren an. Julien küsste sich langsam an ihrem Hals herab, liebkoste ihre prallen Brüste mit den Lippen und saugte sanft an ihren Brustwarzen, bis Beate die Fingernägel in seine muskulösen Schultern grub und den Rücken durchbog.
Ein Rausch der Sinne
Er war kein vorsichtiger Liebhaber; er war fordernd, aufmerksam und unglaublich heißblütig. Seine Hand glitt an der Innenseite ihrer Schenkel hinab, strich sanft über die empfindliche Haut und fand schließlich ihre Mitte, die bereits vor Verlangen überging. Als seine Finger sie gezielt und rhythmisch zu berühren begannen, entfuhr Beate ein lautes Stöhnen. Sie verlor jeglichen Halt.
„Julien, bitte… jetzt“, flehte sie, getrieben von einem Verlangen, das sie in dieser Intensität noch nie zuvor erlebt hatte.
Er sah ihr tief in die Augen – ein Blick voller Besitzanspruch und wilder Leidenschaft –, hob ihre Beine an und stieß mit einer einzigen, kraftvollen Bewegung tief in sie hinein.
Beate schrie leise auf. Das Gefühl, von ihm völlig ausgefüllt zu sein, war überwältigend. Julien begann sich in ihr zu bewegen, erst langsam und tief, dann immer schneller und fordernder. Jeder seiner Stöße traf sie genau an der richtigen Stelle. Die Hitze im Raum schien zu explodieren; der Duft von Schweiß, Jasmin und purem Sex lag schwer in der Luft.
Sie bewegten sich im perfekten, instinktiven Rhythmus. Beate schlang ihre Beine eng um seine Hüften, um ihn noch tiefer in sich zu ziehen. Jede Reibung, jede Berührung ihrer Körper war elektrisierend. In diesem Moment gab es keinen Fluch mehr, keinen ausgeklügelten Plan und vor allem keinen Alexander, ihren eigentlichen Verlobten. Alexanders Gesicht, seine korrekte, fast sterile Art – all das war wie weggewischt, ersetzt durch das wilde Keuchen von Julien, das Knistern der Laken und die ungeheure, animalische Anziehungskraft zwischen ihnen.
Die Kaskade der Höhepunkte
Die sexuelle Spannung staute sich unaufhaltsam an. Julien beschleunigte seine Bewegungen, seine Muskeln spannten sich unter ihren Händen an wie Stahlfedern. Er beugte sich vor, biss ihr sanft in die Schulter und flüsterte französische Schwüre an ihr Ohr, die sie nicht verstand, die sie aber noch heißer machten.
„Ich komme, Beate… mit dir“, raunte er an ihren Lippen.
Das war der Auslöser. Eine Welle nach der anderen rollte durch Beates Körper. Ihre inneren Muskeln zogen sich in heftigen, süßen Spasmen um ihn zusammen, während ein ohrenbetäubendes, erlösendes Stöhnen ihrer Kehle entwich. Sie zitterte am ganzen Körper, völlig schwerelos im Rausch der Sinne. Nur Sekunden später stieß Julien ein letztes Mal tief in sie und fand unter einem tiefen, gutturalen Stöhnen seinen eigenen, intensiven Höhepunkt, während er seinen Samen tief in sie abgab.
Völlig erschöpft, die Haut von einem feinen Schweißfilm überzogen, sanken die beiden in die Kissen. Julien hielt Beate fest im Arm, strich ihr sanft durch die Haare und küsste ihre Stirn. Er war vollkommen fasziniert von dieser Frau, die ihm nicht nur körperlich, sondern auch emotional in dieser Nacht alles abverlangt und gegeben hatte.
Und Beate? Sie lag an seiner Brust, lauschte seinem wild klopfenden Herzen und spürte eine tiefe, fast beängstigende Zufriedenheit. Zum ersten Mal seit Jahren dachte sie in diesem Moment nicht an die Zukunft oder an ihren vermeintlich sicheren Hafen Alexander. Sie war im Hier und Jetzt gefangen – in den Armen des Mannes, den sie eigentlich nur benutzen wollte.
Die Sonne stand schon hoch über den Dächern von Marrakesch, als die ersten warmen Strahlen durch die kunstvoll geschnitzten Holzfensterläden drangen und goldene Streifen auf die zerwühlten Seidenlaken warfen. Beate und Julien schliefen tief und fest, eng aneinandergeschmiegt, als wollten ihre Körper die Verbindung der vergangenen Nacht selbst im Schlaf nicht abreißen lassen. Die Erschöpfung nach diesem leidenschaftlichen, fast raubtierhaften Liebesspiel saß ihnen tief in den Knochen – aber es war eine wunderbare, wohlige Schwere.
Als Beate schließlich die Augen aufschlug, blickte sie direkt in Juliens Gesicht. Er schlief noch. Ohne den Bart und den wachen, manchmal fast herausfordernden Blick wirkte er überraschend sanft. Ein unerwarteter Stich traf sie mitten ins Herz. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, wie vertraut sich sein Atem auf ihrer Haut anfühlte. Nein, mahnte sie sich innerlich und versuchte, die aufkeimende Wärme wegzuschieben. Das hier ist ein Mittel zum Zweck. Du tust das für deine Zukunft mit Alexander. Doch die Erinnerung an Juliens Berührungen, an das unaufhaltsame Beben ihres Körpers unter ihm und diese absolute, seelische Nacktheit, die sie miteinander geteilt hatten, brannte wie ein süßes Lauffeuer in ihren Adern.
Ein Frühstück voller Knistern und kalkulierter Eile
Wenig später saßen sie auf der privaten Dachterrasse im gleißenden Mittagslicht. Vor ihnen bog sich der Tisch unter einem opulenten marokkanischen Frühstück: frisches, warmes Fladenbrot, süßer Minztee, Schalen mit duftendem Honig, reife Feigen, Oliven und cremiger Ziegenkäse.
Julien trug nur eine lockere Hose, Beate hatte sich in einen dünnen, weißen Seidenmantel gehüllt, der bei jeder Bewegung leicht aufklaffte und den Blick auf die zarte Haut freigab, die er Stunden zuvor noch mit Küssen übersät hatte. Die Luft zwischen ihnen war noch immer hochgradig aufgeladen. Jedes Mal, wenn sich ihre Blicke trafen, lag darin das Wissen um die Ekstase der Nacht.
Julien nahm einen Schluck Tee, sah sie intensiv an und lächelte dieses verwegene Lächeln, das Beates Herzschlag augenblicklich beschleunigte.
„Ich muss zugeben, Beate... Ich habe noch nie eine Frau erlebt, die mich so völlig aus der Bahn geworfen hat. Du bist wie ein Sturm. Und ich bin mir verdammt sicher, dass wir beide noch lange nicht fertig miteinander sind.“
Beate spürte, wie ihre Wangen warm wurden. Seine Direktheit faszinierte sie. Julien war ihr ebenbürtig – nicht nur im Bett, sondern auch im Geist. Er redete nicht um den heißen Brei herum. Seine Intelligenz, gepaart mit dieser ungezwungenen, maskulinen Präsenz, zog sie tiefer in seinen Bann, als ihr lieb war. Sie musste jetzt das Heft in die Hand nehmen, bevor sie sich völlig in ihm verlor.
Sie legte ihre Gabel ab, stützte die Ellbogen auf den Tisch, sah ihm fest in die Augen und sagte mit einer Ruhe, die sie selbst überraschte: „Julien, ich bin keine Frau, die lange fackelt oder Jahre mit Warten verschwendet. Ich weiß, was ich will. Und ich will dich heiraten. Und zwar noch in dieser Woche. Hier in Marokko.“
Das Duell der Gefühle
Julien erstarrte mitten in der Bewegung. Für einen kurzen Moment dachte er, er hätte sich verhört. Seine dunklen Augen verengten sich leicht, suchten in ihrem Gesicht nach einem Zeichen für einen Scherz. Doch Beates Blick war glasklar, entschlossen und unglaublich intensiv.
Ein tiefes, raues Lachen entwich seiner Kehle, das jedoch schnell abebbte, als er merkte, wie ernst es ihr war. „Du willst mich heiraten? In dieser Woche?“, fragte er, beugte sich über den Tisch und suchte ihre Hand. Seine Finger schlossen sich warm und fest um ihre, und die bloße Berührung schickte sofort wieder ein vertrautes Prickeln durch Beates Unterleib. „Ma chérie, ich liebe das Abenteuer, und Gott weiß, nach letzter Nacht bin ich absolut süchtig nach dir. Aber das ist selbst für meine Verhältnisse extrem. Was ist der wahre Grund für diese Eile?“
Julien war fasziniert. Er hatte in seinem Leben als Reisejournalist unzählige Frauen kennengelernt – wunderschöne, kluge, aufregende Frauen. Doch bei keiner von ihnen hatte er dieses Gefühl gehabt. Dieses tiefe, unerschütterliche Gefühl der Verbundenheit, das sich schon nach wenigen Stunden mit Beate eingestellt hatte. Sie war keine Trophäe, sie war eine Partnerin auf Augenhöhe. Sie forderte ihn heraus, sie verängstigte ihn ein Stück weit mit ihrer Entschlossenheit, und genau das machte sie so unwiderstehlich. Er spürte zum ersten Mal im Leben den Drang, sesshaft zu werden – ausgerechnet bei einer Frau, die er erst seit gestern kannte.
Beate spürte den Druck seiner warmen Hand und ihr Verstand geriet ins Trudeln. Sie sah Juliens breite Schultern, erinnerte sich daran, wie es sich angefühlt hatte, als er sie gestern Nacht hielt, wie er sie mit einer Mischung aus unbändiger Leidenschaft und tiefer Zärtlichkeit geliebt hatte. Ein schmerzhafter, ehrlicher Gedanke drängte sich in ihr Bewusstsein: Wenn da nicht Alexander wäre... wenn da nicht dieser verdammte Fluch wäre... dann wäre Julien der Mann. Nicht nur für eine Nacht. Er wäre der Mann, mit dem ich alt werden will. Der Vater meiner Kinder. Derjenige, der mich wirklich versteht, der mich fordert und erfüllt.
Die Vorstellung, diesen wilden, wunderbaren Mann nur als Werkzeug zu benutzen, um den Fluch abzuwenden und danach zu dem sicheren, aber emotional kühlen Alexander zurückzukehren, zog ihr das Herz zusammen. Es fühlte sich an wie ein Verrat – an Julien, aber vor allem an ihren eigenen, tiefen Gefühlen, die in dieser kurzen Zeit wie eine Naturgewalt über sie hereingebrochen waren.
„Es gibt keinen Haken, Julien“, log sie, während ihre Stimme ganz leicht zitterte und sie seinen Blick hielt. „Ich habe einfach noch nie gefühlt, was ich bei dir fühle. Und wenn man das Richtige findet, warum sollte man dann warten?“
Julien musterte sie lange. Er spürte, dass sie ihm nicht die ganze Wahrheit sagte, dass da ein Geheimnis in ihren Augen lag. Doch die Erinnerung an ihren gemeinsamen Rausch, an ihre Hingabe und diese unglaubliche Anziehungskraft war stärker als jeder Zweifel.
Er hob ihre Hand an seine Lippen, küsste sanft ihre Fingerknöchel und sah sie mit einem Blick an, der so voller ehrlicher Zuneigung und Begehren war, dass es Beate fast den Atem raubte. „Ein Blitzhochzeit in Marrakesch also“, raunte er, und seine Stimme vibrierte vor einer neuen, tiefen Ernsthaftigkeit. „Wenn das dein Ernst ist, Beate... dann zeig mir, wie sehr du es willst. Überzeug mich.“
Ein eiskalter Schauer lief Beate über den Rücken. „Überzeug mich“, hatte er gesagt. Diese Worte, so spielerisch sie auch gemeint sein mochten, trafen sie wie ein Schlag. Plötzlich schrillten alle Alarmglocken in ihrem Kopf. War das alles ein riesiger Fehler gewesen? Julien war verdammt geschickt. Er war kein naiver Spielball, den sie einfach für ihren Plan benutzen konnte. Er forderte sie heraus, las in ihr wie in einem offenen Buch und verlangte eine Hingabe, die sie eigentlich für Alexander aufsparen wollte.
Ihr Stolz und die Angst, sich völlig verletzlich zu machen, flammen auf. Sie zog ihre Hand aus seiner, die eben noch so wohlig warm gewesen war, und konterte mit kühler, fast schneidender Distanz:
„Muss ich dich wirklich noch überzeugen, Julien? Vielleicht habe ich mich auch einfach geirrt. Vielleicht haben meine Emotionen mich gestern Nacht und heute Morgen getäuscht und mich zu diesem absurden Antrag hingerissen.“
Sie stand auf, strich ihren Seidenmantel glatt und sah ihn mit einer Mischung aus verletztem Stolz und Entschlossenheit an. „Ich werde sofort in mein Hotel zurückfahren. Vergiss, was ich gesagt habe. Es wird das Beste sein, wenn wir uns nie wieder begegnen.“ Es war ihr unendlich peinlich. Sie, die rationale, stets kontrollierte Beate, hatte sich innerhalb weniger Stunden so von ihren Gefühlen wegtragen lassen, dass sie sich fast lächerlich gemacht hatte.
Ein Wendepunkt im Riad
Julien spürte sofort, dass er das Seil überspannt hatte. Die spielerische Provokation, die er so oft bei anderen Frauen genutzt hatte, funktionierte bei Beate nicht. Sie war anders. Sie ging nicht auf seine Spielchen ein – sie war bereit zu gehen. Und die bloße Vorstellung, diese faszinierende, leidenschaftliche Frau jetzt zu verlieren, versetzte seinem Herzen einen heftigen, schmerzhaften Stich.
Er sprang auf, fing sie an der Türschwelle ab und griff nach ihrer Hand. Diesmal war kein spielerisches Funkeln in seinen Augen, sondern nackte, ehrliche Sorge.
„Beate, warte. Bitte“, sagte er, und seine Stimme war tief und vollkommen ernst. „Ich war ein Idiot. Ich wollte nicht spielen. Ich bin schon längst überzeugt.“
Er führte sie sanft, aber bestimmt zurück in den schattigen, kühlen Innenhof des Riads. „Bitte, nimm einen Moment Platz. Vertrau mir. Ich bin in zehn Minuten wieder da.“
Er rannte fast die Treppen hinunter und ließ Beate verwirrt, aber seltsam beruhigt im Innenhof zurück.
Aus den versprochenen zehn Minuten wurden fast dreißig. Doch Beate wurde nicht ungeduldig. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft in diesem wunderschönen, fremden Land hielt sie inne. Sie saß auf den weichen Polstern, lauschte dem fernen, rhythmischen Rufen der Händler auf dem nahen Basar, dem Duft von Gewürzen, der mit dem Wind über die Mauern getragen wurde, und dem fernen, geschäftigen Treiben der Marokkaner. Es war eine völlig neue Welt für sie. Und sie war nur hier, weil der Mann, den sie sich für ihren verrückten Plan ausgesucht hatte, genau an diesem Ort auf sie gewartet hatte. Inmitten dieses orientalischen Zaubers spürte sie, wie sich der Knoten in ihrer Brust langsam löste.
Der Antrag
Als Julien zurückkehrte, war er leicht außer Atem. Seine Haare waren zerzaust, doch sein Blick war von einer Klarheit, die Beate den Atem raubte. Er trat vor sie, nahm sie an beiden Händen und bat sie sanft, aufzustehen.
Ohne ein weiteres Wort sank er vor ihr auf ein Knie.
Aus der Tasche seiner Hose zog er eine kleine, tiefrote Samtschachtel. Als er sie öffnete, fingen die Sonnenstrahlen, die in den Innenhof fielen, das Licht eines wunderschönen, kleinen blauen Diamanten ein, der auf einer filigranen Platinschiene thronte. Er hatte in den letzten dreißig Minuten Himmel und Hölle in den Gassen von Marrakesch in Bewegung gesetzt, um diesen Ring zu besorgen.
Julien sah ihr direkt in die Augen. Seine Stimme vibrierte vor einer Tiefe, die Beate so noch nie bei einem Mann gehört hatte:
„Beate... Ich habe noch nie für eine Frau so empfunden wie für dich. Du hast mein ganzes Leben in nur einer Nacht auf den Kopf gestellt. Ich will keine Spiele mehr spielen. Ich will dich. Willst du meine Frau werden?“
Beate schluckte trocken. Ihr Herz hämmerte so wild gegen ihre Rippen, dass sie das Gefühl hatte, Julien müsste es hören können. Ihr Verstand setzte für einen Moment völlig aus. Was passierte hier gerade? Das war doch nur ein Plan gewesen. Ein kalkulierter Schachzug, um einen dämlichen Familienfluch zu umgehen!
Und doch... als sie in Juliens ehrliche, hingebungsvolle Augen blickte, gab es in ihrem Kopf in diesem Bruchteil einer Sekunde keinen Platz für Alexander. Kein Gedanke an dessen korrekte, strukturierte Art, keine Sekunde an die geplante Zukunft in Deutschland. All das war wie weggewischt von einer Welle des reinsten, intensivsten Glücks, das sie je empfunden hatte.
„Ja“, hauchte sie. Und es war kein strategisches Ja. Es war ein ehrliches, aus tiefster Seele kommendes Ja zu diesem Mann, der vor ihr auf den Knien lag. „Ja, ich will, Julien.“
Ein Tanz auf dem Vulkan
Julien stieß einen befreiten Seufzer aus, stand auf und zog sie stürmisch in seine Arme. Er wirbelte sie im Innenhof herum, lachte laut auf und drückte seine Lippen in einem tiefen, besitzergreifenden und unendlich glücklichen Kuss auf die ihren. Es war ein Moment des triumphalen, reinen Glücks für ihn. Er hatte die Frau gefunden, mit der er den Rest seines Lebens verbringen wollte.
Beate schmiegte sich eng an ihn, vergrub ihr Gesicht an seinem Hals und sog seinen Duft ein. Sie war einfach nur glücklich. In seinen Armen fühlte sie sich lebendig, begehrt und so frei wie noch nie zuvor in ihrem Leben.
Natürlich lauerte im Hintergrund ihres Verstandes die Realität. Der eiskalte, rationale Plan war immer noch da: Sie würde diesen wunderbaren Mann heiraten, sich so schnell wie möglich wieder von ihm scheiden lassen, um den Fluch zu brechen und danach Alexander zu heiraten. Das war das Ziel.
Aber jetzt, in diesem magischen, von der Sonne Marrakeschs erwärmten Innenhof, war ihr das völlig egal. Für den Moment gehörte sie ganz Julien. Und während sie seine Lippen wieder auf den ihren spürte, verdrängte sie den Gedanken, wie sehr diese Scheidung ihnen beiden das Herz brechen würde, ganz weit nach hinten.
Die marokkanische Sonne versank in einem Meer aus flüssigem Gold und Purpur hinter den fernen Gipfeln des Atlasgebirges, als Beate und Julien sich das Ja-Wort gaben. Es war eine intime, fast traumhafte Zeremonie auf der Dachterrasse eines kleinen, historischen Standesamtes in den verwinkelten Gassen der Medina. Keine pompöse Gesellschaft, nur die beiden, ein einheimischer Beamter und zwei vom Riad organisierte Trauzeugen.
Beate trug ein schlichtes, fließendes Kleid aus cremefarbener Seide, Julien ein dunkles Leinenhemd. Als sie die Ringe austauschten und Julien ihr den kleinen blauen Diamanten über den Finger streifte, bebte Beates Hand. In seinen Augen lag eine so tiefe, bedingungslose Hingabe, dass es ihr physisch wehtat. In diesem Moment besiegelte sie ein Versprechen, das für ihn der Anfang ihres gemeinsamen Lebens war – und für sie das kalkulierte Ende eines Fluchs. Doch als seine Lippen ihre zur Besiegelung der Ehe trafen, ertrank jeder rationale Gedanke in einem Strudel aus Sehnsucht.
Die Hochzeitsnacht: Ein Sturm der Leidenschaft
Zurück im Riad schien die Welt draußen zu verstummen. Der Innenhof war in das sanfte, warme Licht von Dutzenden Kerzen gehüllt. Der Duft von Jasmin, Rosenwasser und schwerem Holzrauch lag in der Luft.
Julien hob Beate über die Schwelle ihres Schlafgemachs. Seine Augen brannten vor einem Verlangen, das durch die formelle Vermählung nur noch weiter angefacht worden war. Er setzte sie sanft auf der Bettkante ab, kniete sich vor sie und begann, ihr die Riemchenschuhe von den Füßen zu streifen. Seine Hände glitten langsam ihre Waden hinauf, strichen über ihre Knie und ließen die Seide ihres Kleides sanft nach oben raffen.
„Mein Weib“, raunte er, und das Wort klang auf seinen Lippen wie ein heiliger Schwur. „Ich kann es immer noch nicht fassen. Du gehörst zu mir.“
Beate spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen – teils vor überwältigendem Glück, teils vor einer tiefen, brennenden Schuld. Sie zog ihn am Kragen seines Hemdes zu sich hoch. „Keine Worte mehr, Julien. Bitte. Lieb mich. Jetzt.“
Ihr Flehen war ein gieriger Befehl, und Julien antwortete mit einer Wildheit, die Beate den Verstand raubte. Seine Lippen schlugen auf ihre, fordernd, heiß und besitzergreifend. Während ihre Zungen miteinander tanzten, riss er sich das Hemd vom Leib. Beate krallte ihre Fingernägel in seine nackten, warmen Schultern, spürte die harten Muskeln unter seiner Haut vibrieren.
Mit geschickten, ungeduldigen Händen schob Julien die Träger ihres Seidenkleides nach unten. Der Stoff glitt an ihrem Körper herab und enthüllte ihre prallen, bebenden Brüste. Julien stöhnte leise auf, beugte sich vor und nahm eine ihrer knospenden Brustwarzen in den Mund. Er saugte sanft, umspielte sie mit der Zunge, während seine Hand weiter nach unten glitt, den Saum des Kleides ganz nach oben schob und ihre nackte Hüfte umfasste.
Beate wand sich unter seinen Berührungen. Ein feuchtes, tiefes Stöhnen entwich ihrer Kehle, als seine Finger den Weg zwischen ihre Schenkel fanden. Sie war bereits vollkommen nass, heiß und bereit für ihn. Juliens Berührungen waren magisch; er wusste genau, wie er sie berühren musste, um sie an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Jedes Streichen seiner Finger über ihre empfindlichste Stelle ließ ihren Körper heftig erzittern.
„Julien… bitte, ich halte es nicht mehr aus“, schluchzte sie fast vor Lust.
Er erhob sich, streifte seine Hose ab und stand in seiner vollen, beeindruckenden Erregung vor ihr. Er legte sie flach aufs Bett, breitete ihre Beine aus und schob sich zwischen sie. Seine dunklen Augen fixierten die ihren, suchten ihre Seele, während er sich langsam, Zentimeter für Zentimeter, in sie hineinschob.
Das Gefühl, wie er sie vollkommen ausfüllte, war so intensiv, dass Beate den Rücken durchbog und die Laken fest in ihren Händen zusammenpresste. Ein lauter, ungehemmter Schrei der Lust entwich ihr. Julien begann sich zu bewegen – erst in langen, tiefen Stößen, die sie im tiefsten Inneren erschütterten, dann immer schneller, wilder und ungestümer.
Es war kein sanftes Liebesspiel; es war eine Verschmelzung zweier Naturgewalten. Ihre Körper klatschten im Rhythmus der Leidenschaft aneinander, die Haut von einem glänzenden Schweißfilm überzogen. Beate schlang ihre Beine eng um seine Hüften, zog ihn noch tiefer in sich hinein, um die unerträgliche, wunderschöne Reibung zu maximieren. Sie wollte ihn ganz spüren, wollte jeden Millimeter dieses Mannes in sich aufnehmen, um die nagenden Schuldgefühle zu betäuben.
Juliens Stoßrhythmus wurde fieberhaft. Er raunte ihren Namen immer wieder wie ein Gebet an ihre Lippen, küsste sie blindlings auf den Mund, die Wangen, den Hals. Die sexuelle Spannung im Raum staute sich zu einem unerträglichen Maximum an. Beate spürte, wie sich in ihrem Unterleib alles zusammenzog, die süße Welle des Orgasmus rollte unaufhaltsam heran.
„Ich liebe dich, Beate!“, rief Julien aus, und in diesem Moment brach der Damm.
Unter einem gellenden Aufschrei explodierte Beates Körper in einer Kaskade von unkontrollierbaren Höhepunkten. Ihre inneren Muskeln klammerten sich in heftigen, rhythmischen Kontraktionen um seine Männlichkeit. Das Gefühl war so überwältigend, dass sie heftig schluchzte. Nur Sekunden später stieß Julien ein letztes, tiefes, gutturales Brüllen aus, stieß so tief er konnte in sie hinein und ergoss sich in heißen, pulsierenden Schüben in ihr Innerstes. Seine Muskeln zuckten, während er sich schwer auf sie sinken ließ, ihr Gesicht mit sanften Küssen bedeckte und sie festhielt, als würde er sie nie wieder loslassen.
Der Morgen danach: Das Erwachen im Albtraum
Als Beate am nächsten Morgen aufwachte, lag Julien noch immer eng an sie geklemmt, ein Arm schützend über ihre Hüfte gelegt. Ein friedliches, glückliches Lächeln lag auf seinen Lippen.
Beate starrte an die Decke. Das eiskalte Licht des Morgens hatte die romantische Magie der Nacht vertrieben. Die Realität traf sie mit der Wucht eines Vorschlaghammers. Der Fluch war gebrochen. Sie war verheiratet. Jetzt musste der schmerzhafte Teil des Plans folgen: die Scheidung. Und Julien musste die Wahrheit erfahren. Sie konnte ihn nicht länger belügen, nicht nach dieser Nacht, nicht nach diesem Liebesgeständnis.
Sie setzte sich langsam auf, entzog sich seiner Umarmung. Die Kälte des Raumes ließ sie frösteln. Sie zog sich ein Laken vor die Brust.
„Julien…“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme. „Julien, wach bitte auf.“
Er blinzelte verschlafen, und als er sie sah, breitete sich sofort wieder dieses warme, wunderschöne Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er streckte die Hand aus, um nach ihrer Wange zu greifen. „Guten Morgen, meine wunderschöne Frau…“
„Nein, Julien. Fass mich nicht an. Bitte“, sagte sie, und eine Träne stahl sich über ihre Wange. Ihre Stimme war kalt und zittrig.
Julien stutzte. Er setzte sich auf, die Stirn in Falten gelegt. „Beate? Was ist los? Stimmt etwas nicht? Geht es dir nicht gut?“
Beate atmete tief ein. Sie musste es hinter sich bringen. Jedes Wort fühlte sich an wie ein Dolchstoß, den sie sich selbst und ihm versetzte.
„Julien… unsere Ehe… das alles hier. Es war eine Lüge.“
Julien lachte unsicher, schüttelte den Kopf. „Was redest du da für einen Unsinn? Wir haben gestern geheiratet. Wir haben uns geliebt wie noch nie jemand zuvor…“
„In meiner Familie liegt ein Fluch“, unterbrach sie ihn mit unnatürlich fester Stimme, während sie versuchte, die Tränen zu unterdrücken. „Jede erste Ehe scheitert katastrophal. Erst die zweite bringt das Glück. Ich bin verlobt, Julien. In Deutschland wartet ein Mann namens Alexander auf mich. Er ist mein Verlobter. Er ist der Mann, den ich heiraten will.“
Julien starrte sie an. Das Lächeln fror auf seinem Gesicht ein. Die Farbe wich komplett aus seinen Wangen. „Was…?“
„Ich habe dich nur geheiratet, um die erste Ehe hinter mich zu bringen“, fuhr Beate fort, und der Schmerz in ihrer eigenen Brust war kaum zu ertragen. „Ich brauchte einen ersten Ehemann, von dem ich mich sofort wieder scheiden lassen kann. Damit der Fluch gebrochen ist und ich Alexander heiraten kann. Es tut mir leid. Ich werde heute noch die Scheidung einreichen und Marokko verlassen.“
Es herrschte eine lähmende, grausame Stille im Raum.
Julien saß da wie versteinert. Seine dunklen Augen, die gestern Nacht noch vor Liebe und Leidenschaft geleuchtet hatten, wurden glasig. Er starrte Beate an, als würde er ein Monster betrachten. Die schreckliche Wahrheit sickerte langsam in sein Bewusstsein. Er war kein Ehemann. Er war kein Partner auf Augenhöhe. Er war nur ein Werkzeug gewesen. Ein Mittel zum Zweck, benutzt und weggeworfen für den Aberglauben einer Frau, der er sein ganzes Herz geschenkt hatte.
Große, schwere Tränen sammelten sich in seinen Augenlidern und liefen langsam über seine Wangen in seinen Dreitagebart. Er schüttelte fassungslos den Kopf, die Lippen zitterten. Er versuchte zu sprechen, doch seine Stimme versagte völlig. In seinem Blick lag ein so tiefer, bodenloser Schmerz und eine vollkommene Verständnislosigkeit, dass Beate den Blick abwenden musste, weil es ihr das eigene Herz in tausend Stücke zerriss.
Ohne ein einziges Wort zu sagen, schlug Julien die Decke zurück. Er bewegte sich wie in Trance, mechanisch und vollkommen stumm. Er sah Beate nicht an, ignorierte ihre leisen, verzweifelten Versuche, seinen Namen zu rufen, und ging ins Badezimmer. Das Geräusch von fließendem Wasser hallte kalt durch das Riad. Als er herauskam, zog er sich hastig an. Seine Bewegungen waren frei von jeglicher Hektik, getragen von einer unheimlichen, stillen Entschlossenheit. Er warf sich seine Tasche über die Schulter, ging an ihr vorbei und verließ das Zimmer. Die schwere Holztür fiel mit einem dumpfen, endgültigen Klang ins Schloss.
Beate blieb allein im Bett zurück. Die Laken, die vor wenigen Stunden noch nach ihrer gemeinsamen Leidenschaft gerochen hatten, fühlten sich plötzlich eiskalt und klamm an. Sie zog die Knie an die Brust und starrte ins Leere.
Das Erwachen der Schuld
Ein furchtbarer Schmerz breitete sich in Beates Brust aus. Sie fragte sich voller Abscheu, wie sie nur so skrupellos mit den Gefühlen eines anderen Menschen hatte spielen können.
Warum Julien?
Die Antwort war so einfach wie feige gewesen: Sie hatte ihn auf den Fotos und in seinen Berichten als unbeschwerten Frauenhelden wahrgenommen. Sie hatte sich eingeredet, dass ein Mann wie er – der das Leben und die Frauen leicht nahm – eine schnelle Scheidung mit einem Achselzucken wegstecken würde. Sie hatte geglaubt, er würde das Ganze als verrücktes Abenteuer verbuchen. Doch sie hatte sich so furchtbar geirrt. Sie hatte nicht mit seiner unbändigen Tiefe gerechnet, nicht mit seiner absoluten, ehrlichen Hingabe und schon gar nicht mit der Tatsache, dass sie selbst ihr Herz an ihn verlieren würde.
Eigentlich sollte sie jetzt triumphieren. Ihr Plan war aufgegangen, die erste Ehe geschlossen, der Fluch gebrochen. Sie war Alexander, ihrer vermeintlich sicheren Zukunft in Hamburg, so nah wie nie zuvor. Doch statt Erleichterung spürte sie nur eine bodenlose, lähmende Traurigkeit. Sie war sterbensunglücklich. Sie hatte den Mann, der sie in nur zwei Tagen tiefer berührt hatte als jeder andere zuvor, im tiefsten Inneren seiner Seele verletzt.
Die Rückkehr des Fremden
Drei endlose Stunden vergingen, in denen Beate wie gelähmt im Riad wartete. Dann ging die Tür auf. Julien war zurück.
Doch es war nicht mehr der Julien, den sie kannte. Seine Augen waren trocken, der warme, verwegene Glanz völlig erloschen. Er blickte sie weder wütend noch traurig an – sein Gesicht war eine Maske aus purem, eiskaltem Stein.
„Komm mit zur Bar“, sagte er flach, ohne jede Melodie in der Stimme.
Beate folgte ihm mit klopfendem Herzen. Sie saßen sich an dem dunklen Holztisch gegenüber, an dem sie noch vor Kurzem gelacht hatten. Julien sah sie nicht an, als er sprach.
„Ich habe alles in die Wege geleitet“, sagte er mit einer schneidenden, emotionslosen Stimme. „In Marokko dauert das Verfahren für diese spezielle Form der Annullierung fünfzehn Tage. Ich habe den Antrag eingereicht. Nach Ablauf dieser Frist bist du wieder eine freie Frau. Die Papiere werden dir nach Hamburg geschickt.“
Er hielt kurz inne, als müsste er kurz Luft holen, doch er sah sie immer noch nicht an. „Das ist alles.“
Er stand auf. Kein „Mach’s gut“, kein letzter, vorwurfsvoller Blick, kein Abschied. Er drehte sich um und ging. Beate blieb wie vor den Kopf gestoßen sitzen. Sie spürte, wie die Tränen nun unaufhaltsam über ihre Wangen liefen. Er ließ ihr nicht einmal die Chance, sich zu erklären, sich zu entschuldigen oder ihm zu sagen, wie leid es ihr tat.
Als sie kurz darauf mit gepacktem Koffer vor das Riad trat, stand dort bereits ein Taxi. Der Fahrer rief ihren Namen. Als sie nickte, sagte er auf Englisch: „Mr. Julien hat mich bezahlt. Ich soll Sie zu Ihrem Hotel bringen.“
Der schmerzhafte Abschied und die Einsamkeit in Marrakesch
Bis zu ihrem Rückflug am nächsten Tag um 15:00 Uhr verbrachte Beate die Stunden in einer qualvollen Isolation in ihrem Hotelzimmer. Ihr Handy blieb stumm. Sie starrte im Sekundentakt auf das Display, hoffte auf eine Nachricht, einen Anruf, eine letzte Gelegenheit, ihm gegenüberzutreten. Sie wollte ihm sagen, dass ihre Gefühle in der Hochzeitsnacht echt gewesen waren, dass sie ihn nicht nur benutzt hatte, sondern dass er etwas in ihr entfacht hatte, das sie nie wieder vergessen würde. Aber Julien gab ihr diese Gelegenheit nicht mehr. Er hatte eine Mauer aus absolutem Schweigen um sich hochgezogen.
In Marrakesch blieb Julien mit einem gebrochenen Herzen zurück. Er lief stundenlang ziellos durch die staubigen, heißen Gassen der Medina, doch die Farben und Düfte, die er so geliebt hatte, bedeuteten ihm nichts mehr. Er war zutiefst gedemütigt. Ausgerechnet er, der Freigeist, der dachte, er kenne die Menschen und das Leben, war vollkommen auf dieses perfide Spiel hereingefallen. Er hatte sich verletzlich gemacht, hatte zum ersten Mal in seinem Leben an die wahre, große Liebe geglaubt und einer Frau sein Herz auf dem Silbertablett serviert – nur um festzustellen, dass er für sie nichts weiter als eine Schachfigur in einem absurden, egoistischen Spiel gewesen war. Der Schmerz saß so tief, dass er sich schwor, nie wieder einer Frau so nahe zu kommen.
Der Rückflug in die Realität
Der gesamte Rückflug nach Hamburg war für Beate eine einzige Tortur. Während das Flugzeug die Wolken durchschnitt, war ihr Kopf kilometerweit entfernt. Sie dachte keine einzige Sekunde an Alexander. Seine strukturierte, berechenbare Art, das gemeinsame, wohlgeordnete Leben in Hamburg – all das erschien ihr plötzlich so unendlich weit weg, so blass und bedeutungslos.
Alles, woran sie denken konnte, war Juliens Gesicht, seine warmen Hände, sein Lachen, der blaue Diamant an ihrem Finger, den sie nun schmerzhaft in ihrer Tasche verbarg, und schließlich dieser markerschütternde, tränenreiche Blick am Morgen nach ihrer Hochzeitsnacht. Ihr wurde mit einer grausamen Klarheit bewusst: Man kann das Leben und die Gefühle anderer Menschen nicht wie ein Geschäft behandeln. Man kann nicht einfach aus strategischen Gründen heiraten und sich danach „geschäftsmäßig“ scheiden lassen, ohne dass dabei Seelen zerbrechen. Sie hatte geglaubt, sie könnte ihr Schicksal austricksen, doch stattdessen hatte sie ein emotionales Trümmerfeld hinterlassen – und ihr eigenes Herz gleich mit zerstört.
Zurück in Hamburg
Als die Maschine auf dem Hamburger Flughafen aufsetzte, war der Himmel grau und verregnet. Eigentlich war vereinbart gewesen, dass Alexander sie abholt. Doch Beate hatte ihm weder Bescheid gegeben noch auf seine Nachrichten geantwortet. Sie konnte ihn jetzt einfach nicht sehen. Sie ertrug die Vorstellung nicht, in seine ahnungslosen Augen zu blicken und so zu tun, als sei nichts gewesen.
Sie nahm sich ein Taxi und fuhr schweigend zu ihrer Wohnung. Als sie die Tür hinter sich schloss, stellte sie ihren Koffer in den Flur und blickte in die aufgeräumte, perfekt durchgestylte Wohnung. Alles hier schien so steril, so steril im Vergleich zu der wilden, farbenfrohen und emotionalen Hitze Marokkos.
Sie hatte noch drei Tage Urlaub, bevor der Alltag sie wieder einholen würde. Drei Tage, die sie eigentlich mit Alexander verbringen sollte. Doch Beate wusste, dass sie diese Zeit für sich brauchte. Sie musste allein sein. Sie musste einen klaren Kopf bekommen und sich den schmerzhaften Fragen stellen, die sie so lange verdrängt hatte:
Was wollte sie wirklich? Konnte sie nach all dem überhaupt noch zu Alexander zurückkehren? Und wie sollte sie jemals den Mann vergessen, dem sie in Marrakesch das Herz gebrochen hatte?
Am letzten Tag ihres Urlaubs saß Beate Alexander gegenüber. Als er sich zu ihr beugte, um sie zu umarmen und zu küssen, zog sie sich unwillkürlich zurück. Alexander sah sie verständnislos an. Für ihn war sie lediglich zwei Wochen im Urlaub gewesen und nun zu ihm zurückgekehrt – er ahnte nicht im Mindesten, welche dramatische Wendung ihr Leben genommen hatte. Je mehr Alexander versuchte, die gewohnte Nähe aufzubauen, desto falscher und distanzierter fühlte sich diese analytische, unterkühlte Beziehung für Beate an.
In den darauffolgenden Tagen durchforstete sie unentwegt das Internet nach Lebenszeichen von Julien. Doch da war nichts. Keine neuen Artikel, keine Posts, keine Fotos. Die Ungewissheit, wie es ihm ging, brannte wie Feuer in ihrer Brust. Was sie nicht wusste: Julien vergrab sich förmlich in seine Arbeit. Er war für zwei Monate in Marokko gebunden, um eine umfangreiche Reportage über die wirtschaftliche Zusammenarbeit des Landes mit Frankreich und Spanien fertigzustellen. Wohin es ihn danach verschlagen würde, wusste er selbst noch nicht – sein Herz war zu taub, um Pläne zu machen.
Alexanders Geduld war schließlich am Ende. Seine zunehmend ungehaltene Art nahm Beate als willkommenen Anlass, um den Schlussstrich zu ziehen und sich endgültig von ihm zu trennen.
Voller Verzweiflung wandte sie sich an den Chefarzt des Krankenhauses, an dem sie als Ärztin arbeitete. Er war ein väterlicher Mentor und ein guter Zuhörer. Beate schüttete ihm ihr Herz aus und erzählte alles – lückenlos, samt dem absurden Familienfluch, dem ausgeklügelten Plan und den tiefen Gefühlen für Julien.
Der Chefarzt hörte lange schweigend zu. Dann sah er sie über den Rand seiner Brille an und fragte direkt:
„Frau Doktor, was wollen Sie eigentlich wirklich? Sind Sie allen Ernstes so abergläubisch, dass Sie an diesen Blödsinn glauben?“
Er redete ihr ins Gewissen: Sie müsse um ihren Ehemann kämpfen, sonst würde sie ihn für immer verlieren. Wann der Scheidungstermin sei? Sie müsse sofort handeln, um diesen Termin zu verhindern!
Da ging Beate endlich ein Licht auf. Der Fluch war Unsinn, Alexander Geschichte. Sie wollte nicht das logische Leben in Hamburg – sie brauchte nur ihren Julien.
Sie zögerte keine Sekunde mehr: Beate kündigte ihren Job im Krankenhaus, packte ihre Sachen, kaufte ein Flugticket und flog auf der Stelle zurück nach Marokko. Ohne überhaupt ein Hotelzimmer zu buchen, fuhr sie auf direktem Weg zu Juliens Unterkunft.
Als sie ankam, kam Julien gerade aus dem Raum, wo er eine Video-Telefonkonferenz mit der Redaktion von Le Monde diplomatique beendet hatte. Als er den Blick hob und Beate vor sich stehen sah, blieb seine Miene eiskalt. Er fragte sie nicht einmal, was sie hier suchte, wich ihr gekonnt aus und wollte einfach an ihr vorbeigehen.
Doch Beate wäre nicht Beate, wenn sie so schnell aufgeben würde. Sie rannte ihm nach, warf sich ohne Rücksicht auf Verluste um seinen Hals und schlang die Arme um ihn.
„Julien, bitte! Gib mir einfach zehn Minuten, um mich zu erklären! Bitte, nur zehn Minuten, auch wenn du es nicht hören willst!“, flehte sie.
Julien sah die Entschlossenheit in ihren Augen und erkannte, dass er ihr so schnell nicht entkommen würde. Er seufzte schwer und nickte schließlich. Sie gingen in den schattigen Innenhof des Riads und bestellten Tee.
Dort packte Beate die ganze Wahrheit aus. Sie erzählte ihm von dem ominösen Familienfluch, ihren ursprünglichen Plänen mit Alexander und wie ihre Mutter sie intensiv beschworen hatte, vor der „wahren“ Ehe eine erste Scheidung abzuwickeln. Sie gestand ihm, wie sie bei der Recherche auf sein Profil gestoßen war und ihn gezielt ausgewählt hatte. Doch dann trat Beate ganz nah an ihn heran, sah ihm fest in die Augen und sagte mit zitternder, aber ehrlicher Stimme:
„Was ich nicht geahnt habe... Ich habe nicht gemerkt, wie tief und bedingungslos ich mich vom ersten Augenblick an in dich verliebt habe. Wenn du mir keine zweite Chance gibst, Julien... dann stürze ich mich auf der Stelle aus dem Fenster!“
Julien starrte sie überrascht an. Ein besorgter Zug glitt über sein Gesicht, der jedoch schnell einem feinen, amüsierten Lächeln wich. Er blickte kurz zum Fenster und dann wieder zu ihr.
„Weißt du eigentlich... dass wir hier im Erdgeschoss sitzen?“, fragte er trocken.
Beate musste trotz der Anspannung unwillkürlich auflachen – und genau dieses Lachen brach das Eis zwischen ihnen. Julien brauchte noch einen Moment, um den tiefen Schmerz der letzten Wochen loszulassen, doch als er in ihre Augen blickte, spürte er die absolute Ehrlichkeit ihrer Worte. Die Mauer um sein Herz schmolz dahin.
Er nahm sie fest in die Arme, zog den Antrag auf Annullierung zurück, und aus den beiden wurde schließlich das überglückliche Paar, das von Anfang an füreinander bestimmt gewesen war.
*** Ende ***
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