Wegscheide (fm:1 auf 1, 4896 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: KarlKnaller | ||
| Veröffentlicht: Aug 09 2026 | Gesehen / Gelesen: 523 / 308 [59%] | Bewertung Teil: 9.75 (8 Stimmen) |
| Zwei Schulfreunde treffen einander zufällig wieder und beginnen eine Reise – eine Erzählung aus zwei wechselnden Perspektiven | ||
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7 – Wegkreuzungen
Volker suchte sich einen Weg vom Parkplatz in Richtung St. Malo, weil er unbedingt das Gezeitenkraftwerk sehen wollte – was auch immer das ist. Mir war der Sixpack-Aufkleber beim Einsteigen wieder ins Auge gefallen und ich hing dem Gedanken nach, wann ich zuletzt von Carlotta, Antonio, Zara und "Zacky" Zacharias gehört hatte, bevor ich sie aus den Augen verlor. Antonio war wieder nach Brasilien zurück, hatte sich noch sporadisch gemeldet und reagierte irgendwann nicht mehr auf Mails, aber die Adresse bouncte auch nicht. Carlotta hatte einen viel älteren Mann kennengelernt und war in den Norden gezogen. Zara und Zacky hatten sich auf der Schwedentour ineinander verguckt, aber dann? "Volker?" "Hmm?" "Hast Du noch Kontakt zum Sixpack?" "Nicht zu allen gleichermaßen, seltener als mir lieb ist, aber immer wieder mal." "Was macht Antonio?" "Der ist in Brasilien, hatte eine IT-Firma gegründet und bankrott gemacht. Sich wieder aufgerappelt, erneut klein angefangen und kämpft an allen Fronten – Firma, Frau, Familie laufen, stressen, lieben ihn, wobei die Verb-Nomen-Zuordnungen beliebig permutieren." "Wie schön, ich habe lange kein Reply mehr von ihm bekommen." "Ich auch nicht, aber wann immer ich in Brasilien war, habe ich ihn auf allen Wegen kontaktiert und war auch lange genug da, dass wir uns treffen konnten. Seine Frau ist eine Hübsche, hat ihn ziemlich ihm Griff, was ihm und der Familie gut tut." "Und Zara, Zacky?" "Beide sind in die Kleinstadt bei Köln gezogen, die ich dir zeigen will, haben einen Sohn namens Zeno bekommen, dessen Pate ich wurde." "Oh, klasse! Wohnen sie noch da?" "Hmm." "Hmm?" "Hr-mm. Zacky schon, aber Zara und Zeno wurden vor drei Jahren von einem abbiegenden Laster überfahren." "Nein!"
8 – Wegschäden
Ich war enttäuscht, dass Volker mir Zaras Tod verschwiegen hatte. Zara war das Nesthäkchen im Sixpack, weil sie fünf Jahre jünger war; übersprudelnd, quirlig, immer tanzend, lächelnd, wissbegierig, aufgeschlossen, fröhlich und fast schon anstrengend. Volker fuhr schweigend und saß allein vorn. Ab und zu sah er in den Rückspiegel nach mir, ich guckte dann weg. Plötzlich spielte das Radio »Walking Back To Happiness« von Helen Shapiro. "Was willst du damit sagen? Soll jetzt einfach alles wieder gut sein?" "Nein", erwiderte Volker, "einfach wieder gut wird es selten; einfach wurde es für Zacky nicht, gut wurde es erst später. Aber es geht nicht anders als aufstehen, aufraffen, aufbauen. Er hat über seine Familie fast auch Job, Haus und alles andere verloren. Es war eine Operation durch das Schlüsselloch, seine Existenz zu erhalten, ohne ihn zu bedrängen. Ich glaube auch heute nicht, dass mehr Manpower oder Frauen-Power besser gewesen wären, denn Trauer braucht ihre Zeit. Das Lied war übrigens von ihrer Hochzeit, die ganze Playlist aus »Vier Hochzeiten und ein Todesfall«, weil es Zaras Lieblingsfilm war." "Du hast ihm geholfen?" "Ein wenig." "Und was macht er jetzt?" "Soll ich ihn anrufen für das tagesaktuelle Update?" "Depp!" "Er lebt und arbeitet noch in der Kleinstadt, er hatte sich gefangen, aber bis vor einigen Monaten umwehte ihn immer noch Trauer und Schwermut. Die ehemalige Klassenlehrerin von Zeno hat Silvester mit ihm angebandelt – kann man sich nicht ausdenken." "Woher weißt du das?" "Ich habe beide vor einem Monat getroffen." "Dusseliger Depp! Fahr mal da vorn raus."
Klicken Sie hier für den Rest dieser Geschichte (noch 403 Zeilen)Carina schaute mich entsetzt, fassungslos an, Tränen standen in ihren Augen. Ich fuhr rechts ran und sie rutschte schniefend aus dem Bus. Sie hockte sich ins Gras und heulte, ich setzte mich daneben und hatte einen Kloß im Hals, wie damals als Zacky anrief. "Warum hast du mir nichts gesagt?", fauchte sie mich an. "Warum hat Zacky mir nichts gesagt?", schob sie schluchzend nach. "Erinnere dich. Zacky ist sehr lebenslustig und unterhaltsam, wenn es ihm gut geht, aber zieht sich zurück, wenn etwas auf ihn herein prasselt. Genau das hat er nach dem Unfall auch getan; er hat viel mit sich selbst ausgemacht und es war echt schwer, an ihn heranzukommen, vor allem, wenn man irgendwo in der Welt ist." "Und warum hast du mir nichts gesagt?" "Ich weiß es nicht genau. Wir waren uns nach dem albernen Streit aus dem Weg gegangen und hatten uns darüber aus den Augen verloren, und dann fühlt es sich falsch an, dich mit einer Todesnachricht zu überfallen, die zu übermitteln nicht originär meine Aufgabe ist." Carina rollte mit den Augen. "Ja, ich weiß, dass es schwach ist." "Ja, Mann, sowohl als Haltung als auch als Ausrede. Mach das nie wieder. So schön man mit dir schweigen kann, gibt es ein paar Dinge, die nicht verschwiegen werden sollen." Carina erhob sich brüsk: "Lass uns weiterfahren." Sie war richtig sauer.
Auf Carinas Geheiß setzte ich den Blinker und hielt. Sie
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