Bis zum Horizont ... und darüber hinaus (fm:Sonstige, 3522 Wörter) [4/4] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Mr_Empire | ||
| Veröffentlicht: Oct 08 2026 | Gesehen / Gelesen: 958 / 600 [63%] | Bewertung Teil: 9.61 (23 Stimmen) |
| AKT III: …und darüber hinaus | ||
Ersties, authentischer amateur Sex
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War ich so blind, so glücklich vor Liebe, dass ich nicht erkannt habe, was in ihr vorgeht? Aber wenn sie auf einmal so unglücklich war, wieso hat sie nichts gesagt oder zumindest angedeutet? Mehrere Tränen tropfen auf das Blatt, lassen das Geschriebene fast unleserlich werden. Das dünne Papier knistert leise unter seinen zitternden Fingern, und sein eigener, stockender Atem klingt in der stillen Wohnung fremd und schwer. Die Nässe seiner Tränen kühlt auf seinen Händen, während das fahle Tageslicht die verwischten Buchstaben noch trostloser wirken lässt.
„Ich habe dir nie erzählt, was der wirkliche Grund war, weshalb Thorsten sich von mir scheiden lassen wollte. Es war – so glaube ich – genau der Grund, aus dem ich dies gerade schreibe. Er wollte sich schützen, so wie nun ich dich schützen will. Mein Schatz, ich bin krank. Nicht mehr lange, und ich werde über den Horizont hinausgehen. Verzeih mir, dass ich dir nie von meiner Krankheit erzählt habe. Aber ich hatte einfach Angst, Angst, dass du wie Thorsten … und dafür schäme ich mich sehr.
Wenn ich geh, das ist kein Grund zum weinen
Irgendwann ist alles vorbei
Bitte glaub mir, ich lieb dich
Am liebsten da blieb ich, für immer
Doch sterben muss jeder allein“
In diesem Augenblick trifft Manuel die Wahrheit mit voller Wucht: Ihre Liebeshymne waren nicht nur ein Bekenntnis, sondern zugleich ein leiser, herzzerreißender Abschied. Sie hatte längst gewusst, dass ihrer Liebe keine Zukunft mehr bleiben würde, und doch hatte sie ihn mit jedem Wort noch einmal wissen lassen wollen, wie unendlich tief sie ihn liebt. Bis zu ihrem letzten Atemzug würde kein anderer mehr ihr Herz berühren – und so würde sie seine Liebe mit sich nehmen, weit hinter den Horizont, dorthin, wo nur noch die Sehnsucht bleibt und sie auf ihn warten wird.
Manuel muss kurz innehalten. Sein Herz pocht schwer in seiner Brust, so laut, als könne er es in der Stille des Wohnzimmers hören. Die Erkenntnis, nicht alles von ihr gewusst zu haben, trifft Manuel hart. Hatte er ihr wirklich so sehr das Gefühl gegeben, wie ihr Noch-Mann zu sein? Nie im Leben hätte er sich von ihr abgewendet.
„Ich danke dir für deine Liebe und bin mir sicher – nein, ich weiß –, dass deine Liebe mir zwei, drei Monate mehr auf dieser Erde, an deiner Seite, geschenkt hat. Doch das ist auch der Grund, warum ich nun gehen muss. Ich will, dass du mich als die Frau in Erinnerung behältst, in die du dich verliebt hast. Gutaussehend – wie du mir ja immer wieder glaubhaft gesagt hast –, gut gelaunt und – durch dich wieder – als glückliche Frau. Nicht als das Wrack, zu dem ich nun werde.
Ich wünsche mir, dass du ein langes, erfülltes – auch mit eventuell einer neuen Liebe – Leben führst und werde dann, wenn deine Zeit gekommen ist, sehnsüchtig da drüben auf dich warten. Gleichzeitig beschleicht mich gerade aber auch Angst. Denn kann ich so egoistisch sein, dir eine neue Liebe zu wünschen und am Ende zu hoffen, dass du dich später von ihr abwendest und wieder zu mir kommst?
Wie gerne würde ich noch einmal zurück zu dir ins Schlafzimmer schleichen, dich kurz beim Schlafen beobachten. So wie ich es in den fünf Monaten so oft getan habe. Doch ich habe Angst, dass mich das so überwältigen wird, dass ich mein Vorhaben nicht durchziehen kann.
Wenn ich geh, das ist kein Grund zum weinen
Irgendwann ist alles vorbei
Bitte glaub mir, ich lieb dich
Am liebsten da blieb ich, für immer
Doch am Ende ist jeder allein.
Mein Schatz, bitte erfüll mir diesen einen letzten Wunsch. Lebe dein Leben, und solltest du eine neue Liebe finden, dann bitte ich dich, mir einen kleinen Platz in deinem Herzen zu lassen, sodass du mich nicht ganz vergessen wirst.
Bitte glaub mir, ich lieb dich
Am liebsten da blieb ich, für immer bei dir
In diesem Sinne, dein Bernstein (Tanja)“
Manuel sitzt einfach da. Starrt, während weiterhin Tränen seine Wangen hinabrinnen, auf ihren Abschiedsbrief. Dabei zittern seine Hände, als ob sie einen einsamen, traurigen Takt vernehmen würden. Ich werde dich nie vergessen, Bernstein. Wie kannst du so etwas nur von mir denken? Mich noch einmal verlieben? Niemals. Dafür war unsere kurze Zeit viel zu intensiv. Sabrina.
Schnell steht Manuel auf und eilt ins Schlafzimmer. Nimmt sein Handy in die Hand und sucht die eine Nummer aus den Kontakten. Sein Herzschlag pocht so wild, dass er ihn in den Schläfen spürt, als er Sabrina, Tanjas Tochter, anruft. Das Freizeichen klingt schneidend laut in der Stille, und zwischen den Tönen hört er nur seinen rauen Atem. Das Handy liegt kalt und hart in seiner feuchten Hand, während das bleiche Licht am Fenster den Raum fast kränklich erscheinen lässt.
„Hallo?“, begrüßt diese ihn, als sie das Gespräch annimmt.
„Hallo Sabrina. Weißt du, wo deine Mutter ist? Ist sie bei dir?“, sprudeln die Fragen nur so aus ihm heraus.
Lachend fragt Sabrina: „Mama? Ist sie nicht bei dir? Oder solltest du nicht besser wissen, wo sie ist, als ich?“
Doch Manuel hat den Anschein, als ob da etwas – was er nicht benennen kann – in ihrer Stimme mitschwingt. „Sabrina, bitte. Mach mir nichts vor. Ich denke, dass du von ihrer Krankheit gewusst hast, von der ich gerade erst durch ihren Brief erfahren habe.“
Ein paar Momente herrscht absolute Stille zwischen den beiden, sodass Manuel schon den Eindruck bekommt, dass er sie noch einmal darauf ansprechen – ja, festnageln – muss.
„Du hast also ihren Brief schon gefunden und gelesen.“ Manuel kann deutlich hören, wie Sabrina seufzt. „Bitte, ich weiß, wie sehr ihr beide euch liebt. Manuel, bitte respektiere und erfülle Mama ihren letzten Wunsch. Lass sie glücklich, in dem Wissen, dass du sie nicht so sehen musstest sterben.“
„Also ist sie bei dir? Ich kann sofort zu euch kommen. Sabrina, ich bin nicht wie dein Vater. Ich drücke mich nicht davor. Im Gegenteil, ich will ihr bis zum Ende meine Liebe zeigen“, spricht er mit zitternder Stimme.
„Das weiß Mama, und gerade das hat es ihr auch so schwer gemacht. Bitte tue nichts Unüberlegtes und komme vor allem nicht hierher.“ Auch Sabrina ist anzuhören, wie schwer ihr dieses Gespräch fällt. Auch wenn Tanja und Sabrina – durch ihre Gespräche im Vorfeld – damit gerechnet hatten.
„Ihr wollt es wirklich so? Bernstein? Du willst, dass ich zu dir komme, also nach über dem Horizont hinaus – wie du geschrieben hast. Das kann ich einrichten, wenn ich nur so weiter mit dir zusammen sein, dir meine Liebe zeigen kann.“ Manuels Stimme wechselt von zittrig zu bebend, während er dies sagt.
„Nein, Schatz. Bitte, ich bitte dich nun ein letztes Mal, und auch persönlich. Lebe erst dein Leben und komme zu deiner gesollten Zeit zu mir. Und nicht so, wie du es gerade angedeutet hast. Denn dies würde mir zeigen, dass deine Liebe doch nicht so groß war, da du meinen letzten Wunsch an dich einfach ignoriert hast.“
„Bernstein, ich liebe dich so sehr. Ich will doch nur bei dir sein. Dir weiterhin zur Seite stehen“, bricht es aus ihm heraus, als er ihre Stimme noch einmal hört. „Aber ich werde dich und deinen Wunsch respektieren. Auch wenn es mir absolut nicht leicht fallen wird. Mir bricht das Herz bei dem Gedanken, dass du unter Schmerzen gehen wirst und ich nicht deine Hand halten kann.“ Wie ein gebrochener Mann schluchzt Manuel die Worte mehr in den Hörer, als sie wirklich auszusprechen.
„Ich weiß, mein Schatz. Denk immer dran … Bitte glaub mir, ich lieb dich, am liebsten da blieb ich für immer. Wir sehen uns wieder. Hinterm Horizont im darüber hinaus.“ Damit beendet Tanja das Gespräch und lässt einen vollkommen aus der Bahn geworfenen Manuel zurück.
Nur schwer findet er in den nächsten Wochen und Monaten zurück ins Leben. Immer wieder fragt er sich, ob er ihre Entscheidung zu irgendeinem Zeitpunkt, durch irgendeine Tat oder Aussage, hätte bemerken und beeinflussen können. Oder ob sie mit dieser Entscheidung schon in ihre Beziehung gestartet war.
Die ersten Wochen verbringt er zudem jeden Tag auf der Bank, auf der Tanja immer gesessen hatte und auf der ihr kurzes Glück begonnen hatte. Nachdem Tanja ihn angesprochen und gebeten hatte, sich zu ihr zu setzen.
Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr später klingelt es an seiner Tür. Das schrille Geräusch hallt unangenehm durch die Wohnung. Manuel öffnet diese mit einem Lächeln, da er ein paar Arbeitskollegen erwartet. Doch als er in das Gesicht vor ihm blickt, vergeht ihm sofort das Lächeln. Vor ihm steht, komplett in Schwarz gekleidet, Sabrina. Mit ihr dringt kühle Außenluft herein, feucht und nach Regen riechend. Das Tageslicht hinter ihr ist grau und flach, und für einen Moment fröstelt Manuel, als hätte der Flur die Wärme aus der Wohnung gezogen.
„Hallo Manuel, darf ich reinkommen?“, fragt sie fast ein wenig scheu, da sie sich nicht sicher ist, wie er auf ihren Besuch reagieren wird. Ob er einen Groll auf sie hegt, weil sie ihrer Mutter beigestanden hat und mit dafür gesorgt hatte, dass sich diese vor ihm verstecken konnte.
„Äh, hallo, Sabrina … ähm, natürlich, komm bitte rein“, stammelt Manuel. Es braucht im Grunde keines Wortes, er weiß auch so, was geschehen ist. Langsam führt er Sabrina ins Wohnzimmer. Sie setzen sich gegenüber, und eine schwere Stille breitet sich zwischen den beiden aus. Irgendwo tickt leise eine Uhr, und der Geruch ihres nassen Mantels mischt sich mit der trockenen, warmen Luft der Wohnung. Durch das Fenster fällt gedämpftes Mittagslicht, das die Konturen im Raum weichzeichnet, während Manuel die Anspannung wie einen Druck zwischen Schultern und Brust sitzen spürt.
„Ist …“ durchbricht Manuel die Stille und sieht Sabrina fest an.
„Ja. Mama, dein Bernstein, ist vor drei Wochen von uns gegangen. Hat endlich diesen letzten Schritt geschafft“, antwortet Sabrina, die Hände auf dem Schoß gefaltet und den Blick auf den Boden gerichtet.
„Hat sie sehr leiden müssen?“, hakt Manuel nach. Obwohl er es eigentlich gar nicht wissen will. Warum auch, wenn es nicht so gewesen wäre, hätte sie sich bestimmt nicht für diesen Weg entschieden.
„Die letzten drei Wochen waren hart. Ich bin froh, dass du sie nicht so sehen musstest. Ja, ich beneide dich fast darum. Glaub mir, Manuel: Niemand möchte einen geliebten Menschen so sehen müssen“, berichtet Sabrina und schaut ihn erstmals dabei an. In der Wohnung herrscht absolute Stille. So, als ob diese sich an Tanja erinnern und nun ebenfalls erfahren wollte, was Sabrina zu erzählen hat.
„Ich bin nicht nur hier, um dir zu sagen, dass Mama fort ist. Nein, nun bin ich es, die ihren letzten Wunsch erfüllen muss. Denn wenn Mama auch wollte, dass du ihre letzten Tage, Wochen, Monate nicht miterlebst, so möchte sie doch, dass du weißt, wo sie begraben ist. Dass du sie, solange es sein muss, dort besuchen kannst. Denn das war ihr genauso wichtig, wie dich vor diesem Anblick zu schützen. Dass du jederzeit einen Punkt hast, zu dem du kommen kannst, um zu trauern oder bei Bedarf mit ihr zu sprechen“, erklärt Sabrina den Grund ihres Besuches.
Manuel schaut Sabrina fest an. Sie sieht, wie er schluckt, bevor er antworten kann. „Ehrlich? Danke, vielen Dank, Sabrina. Daran habe ich gar nicht mehr zu hoffen gewagt“, sagt Manuel, dem sofort wieder Tränen die Wangen hinunterlaufen.
Schnell steht Sabrina auf, setzt sich neben ihn und nimmt ihn in ihre Arme. „Schon gut, Manuel. Lass es raus. Ich denke mal, dass es das erste Mal für dich ist. Wir alle haben nicht gewollt, dass du so leidest. Am wenigsten Mama“, spricht sie ruhig zu ihm und streicht dabei mit einer Hand sanft über seinen Rücken.
Ohne Scheu lässt Manuel seinen Gefühlen freien Lauf. Merkt, wie gut es ihm tut, und weiß, dass Sabrina ihn dafür nie schief ansehen oder verurteilen wird. Erst als der Strom an Tränen nachlässt, hebt er den Kopf – der auf ihrer Schulter gelegen hatte – und schaut Sabrina wieder an. „Danke“, sagt er immer noch leicht schluchzend.
Sofort lächelt sie Manuel an. „Immer wieder, wenn es sein muss. Denn ich habe dir ja ebenso zu danken.“
Fragend schaut Manuel Sabrina an. „Mir? Weshalb solltest du mir denn danken?“
„Ja Manuel, dir. Denn du warst für Mama in ihrer schwersten Zeit da. Als sich mein Vater wegen ihrer Krankheit von ihr getrennt hatte, da hast du sie aufgefangen. Warst ihr Anker. Hast ihr das Lächeln und Glück zurückgebracht. Erst durch dich hat Mama wieder zu strahlen begonnen, und dafür danke ich dir. Dafür, dass du ihr Leiden für diese kurze Zeit so viel angenehmer gemacht hast, und das sogar, ohne zu wissen, wie wichtig du für sie geworden warst.“ Die ganze Zeit über hält Sabrina seinen Blick und ergreift seine Hand. „Wenn ich ehrlich bin, hast du mir in dem knappen halben Jahr - in dem ihr ein Paar wart - mehr gezeigt, wie viel dir Mama bedeutet hat, wie sehr du sie geliebt hast, als es mein Vater in 20 Jahren getan hat. Im Gegenteil. Der Mann, der geschworen hatte, sie zu lieben – in guten wie in schlechten Zeiten –, ist, als wirklich schlechte Zeiten kamen, sofort abgehauen. Hat Mama wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Du hingegen hast fast darum gebettelt, an ihrer Seite bleiben zu dürfen. Das alles hat die Gefühle für meinen Vater ziemlich abkühlen lassen, und wenn ich aussuchen, bestimmen könnte, wer mein Vater ist, dann würde ich dich ihm sofort vorziehen. Deswegen: Wann immer etwas ist, ich bin für dich da.“
Manuel weiß einen Moment lang nicht, was er darauf erwidern soll. Die Worte hängen schwer in ihm, als hätten sie ihm für einen Augenblick den Atem genommen. Natürlich hatten Sabrina und er sich in den vergangenen Monaten gesehen, ein wenig kennengelernt, verbunden durch denselben Menschen, den sie beide liebten. Doch mit solcher Wärme, solcher Offenheit hatte er nicht gerechnet. Es rührt ihn tiefer, als er zeigen kann. „Sabrina, ich weiß nicht was …“, beginnt er leise.
Behutsam legt sie ihm die Hand auf den Arm und hält ihn damit sanft zurück. In ihrer Berührung liegt nichts Drängendes, nur Verständnis. „Alles gut, Manuel“, sagt sie ruhig. „Du musst gar nichts darauf sagen. Ich weiß, dass ich dich damit gerade überfallen habe. Aber es war mir wichtig, dass du es weißt.“ Ihre Stimme ist leise, fast warm, und gerade darin liegt etwas, das ihm unvermittelt die Kehle eng werden lässt.
Manuel hebt den Blick und sieht sie fest an. In seinen Augen steht noch immer der Schmerz, doch nun mischt sich etwas anderes darunter: Dankbarkeit, still und aufrichtig. Er schluckt, bevor er antworten kann. „Danke, Sabrina. Wirklich … danke. Das bedeutet mir mehr, als ich gerade in Worte fassen kann.“
Die beiden umarmen sich ein paar Momente. Dann löst sich Sabrina von ihm und schaut Manuel fest in die Augen. „Und, würdest du jetzt gern Mama besuchen?“
„Sehr gern“, ist alles, was Manuel erwidert. Dann machen sie sich auf zum Friedhof.
Tanja hatte darauf bestanden, in ihrer alten Stadt beerdigt zu werden – dort, wo auch Manuel lebt – und nicht zwei Stunden entfernt bei Sabrina. So wollte sie ihm die lange Fahrt ersparen, wenn er sie besuchen will.
Langsam führt Sabrina Manuel durch die Reihen von Gräbern, bis sie auf einmal vor einem frischen Grab stehen bleibt. Unter ihren Schritten knirscht feiner Kies, und der Duft feuchter Erde steigt kühl in Manuels Nase. Ein leichter Wind fährt durch die Bäume, lässt Blätter leise rascheln. Das Licht ist hell, aber sanft, als läge ein dünner Schleier über dem Himmel. Die Kühle des Tages kriecht durch seinen Mantelstoff, als Sabrina kurz seine Hand drückt. „Ich lasse euch zwei mal allein und in Ruhe“, sagt sie zu Manuel und drückt kurz erneut seine Hand.
Manuel betrachtet kurz den schönen Grabstein. Die Luft riecht nach feuchter Erde, welken Blumen und dem kalten Stein vor ihm. Langsam geht er in die Knie und als seine Finger über die raue Oberfläche des Grabsteins gleiten, spürt er die gespeicherte Kühle darin. „Hallo, Bernstein. Ich danke dir dafür, dass ich wenigstens wissen darf, wo ich dich ab jetzt treffen kann und darf.“ Stumm gleitet sein Blick zum Himmel empor. In der Ferne ruft ein Vogel, sonst ist nur der Wind zu hören. Über ihm liegt ein helles, stilles Licht, das weder warm noch kalt wirkt, sondern fern und klar. „Ich hoffe, dass es dir jetzt wieder gut geht. Du ahnst nicht, wie sehr du mir fehlst, und ich freue mich schon sehr darauf, wenn wir uns wiedersehen werden. Ja, ich weiß, ich habe dir versprochen, erst mein Leben zu leben, und das werde ich versuchen. Trotzdem werde ich dir dann mit mindestens derselben Sehnsucht entgegentreten, mit der du mich in Empfang nehmen wirst. Ich weiß und kann dich heute auch ein wenig verstehen, verstehen dass du mich nur schützen wolltest. Aber ich bin nicht dein Ex-Mann. Okay, genug davon, ich will unser Zusammensein nicht mit negativen Gedanken beginnen. Ich liebe dich, Bernstein. Bis zum Horizont … und darüber hinaus.“
In diesem Moment kommt es ihm so vor, als ob – obwohl heller, lichter Tag ist – oben ein Stern kurz aufleuchten würde. Ein feiner, beinahe unwirklicher Lichtpunkt im blassen Himmel. So, als ob sein Bernstein ihm zeigen wollte, dass sie seine Worte gehört hat und auf ihn warten wird.
Mit einem Lächeln steht Manuel auf und dreht sich um, geht die knappen zehn Schritte zu Sabrina zurück.
„Alles gut?“, will diese sofort von ihm wissen.
„Alles gut, Sabrina. Sehr gut sogar“, lächelt er sie an und weiß, selbst diese Distanz kann ihn und sein Bernstein nicht auseinanderbringen.
Ende von Akt III: und darüber hinaus
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