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Survival of the Geilest (fm:Humor/Parodie, 3769 Wörter)

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Veröffentlicht: Nov 03 2026 Gesehen / Gelesen: 711 / 549 [77%] Bewertung Geschichte: 9.60 (10 Stimmen)
Der Dating-Seminartitel klang vielversprechend. Ob Karos unterschwellige Sehnsucht nach dem richtigen Partner erfüllt wird? Rüdi scheint evolutionäres Topmaterial zu sein.


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© Karo kommt Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

Das Hotel hieß „Aurea Rheingau – Retreat & Spa“ und man hatte sich, wie Karo beim Einchecken bemerkte, offensichtlich vorgenommen, den Begriff der Reizüberflutung neu zu definieren. Bambus im Foyer. Ein Wasserlauf, der über geschichtete Basaltsteine plätscherte, als hätte jemand die Natur mit einem Budget von zwei Millionen Euro nachgebaut. Eine Duftwolke aus Vetiver, Bergamotte und etwas, das entfernt an frisch gemähtes Gras erinnerte, aber teurer, roch.

„Sie sind wegen des Seminars hier“, sagte die Frau an der Rezeption und lächelte so professionell, dass Karo unwillkürlich die Zähne zusammenbiss. „Modul eins beginnt um siebzehn Uhr im Aura-Labor. Sie erhalten noch eine Willkommens-Kombucha.“

Karo nahm den Kombucha, trank ihn im Aufzug aus und dachte: Feldstudie. Du machst das als Feldstudie. Du bist hier als Naturforscherin. Im Spiegel des Aufzugs besah sie sich. Mit ihren Locken, fünfundvierzig plus eins, einem Po, der sich seit Jahren erfolgreich der Schwerkraft widersetzt, und einer Neugier, die man getrost als Charakterschwäche bezeichnen könnte, schien sie hier genau falsch.

Sie hatte den Kurs gebucht, weil die Anzeige so herrlich absurd gewesen war. „Liebe, Lust und Selektion – was wir wirklich suchen, wenn wir uns verlieben.“ Evolutionsbiologie, Psychologie, ein bisschen Tantra. Ein Wochenende. Zweihundertneunzig Euro, ohne Übernachtung, mit Rieslingverkostung am Samstagabend.

So hatte sie es sich vorgestellt: eine Handvoll Verzweifelte, ein Gummibaum, ein Diavortrag.

Es kam anders.

Der Aura-Labor genannte Raum war ein halbrunder Saal mit Blick auf den Rhein, in dem siebzehn Menschen auf Kissen saßen, die aussahen, als hätte man sie genau hierfür gecastet. Der Querschnitt war, wie Karo befriedigt feststellte, exakt der, den sie erwartet hatte – nur etwas hochwertiger.

Männer in Funktionskleidung, Frauen mit dezent optimierten Gesichtern, bei denen man die Stirn nicht mehr runzeln konnte, ohne dass es teuer aussah. Ein Typ, der beim Vorstellen „Torsten, frisch geschieden, aber im Guten“ sagte, und eine Frau namens Nicole, die „frisch geschieden, im Bösen“ sagte, was alle kurz auflachen ließ.

Ein Mann in den Fünfzigern, Bernd aus Bad Homburg, hatte es innerhalb der ersten zehn Minuten geschafft, die Quadratmeterzahl seines Reihenhauses, die Marke seines Fahrrads und die Tatsache zu erwähnen, dass er „eigentlich gar nichts suche, aber wenn es passt“. Neben ihm krempelte ein gewisser Michael demonstrativ die Hemdsärmel hoch, obwohl es im Raum fünfundzwanzig Grad waren. Ein dritter, Uli, erzählte jedem, der nicht schnell genug weglief, von seinem letzten Marathon in Valencia. Er sagte „Valencia“ so, als müsse man das einordnen können.

Karo lehnte sich zurück und dachte: Da sitzen sie. Die Schickimicki-DNA in Fleece verpackt.

Der Seminarleiter hieß Dr. Albrecht Kempf, war Biologe, Ende fünfzig, hatte eine Stimme wie ein Meditationslehrer, der früher mal Steuerberater war, und trug ein Leinenhemd. Er stellte die zentrale Frage des Seminars vor: Wie findet man den genetisch bestmöglichen Partner?

Dann erklärte er die Antwort.

Symmetrie als Indikator für Entwicklungsstabilität. Körperliche Fitness als Signal für Gesundheit. Status als Signal für Ressourcensicherheit. Fruchtbarkeitssignale – Taille-Hüft-Verhältnis, Hautbild, Haar. Geruch, das MHC-System, die Immunkompatibilität. Soziale Kompetenz als Signal für Kooperationsbereitschaft.

„Wir müssen uns klarmachen“, sagte Dr. Kempf und hob einen Finger, „dass die Partnerwahl keine romantische Angelegenheit ist. Sie ist ein Auswahlverfahren. Und wie bei jedem Auswahlverfahren gibt es Kriterien – bewusste und, weit wichtiger, unbewusste.“

Karo schrieb in ihr mentales Notizbuch: Aha. Bewerbungsgespräch mit

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