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Survival of the Geilest (fm:Humor/Parodie, 3769 Wörter)

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Veröffentlicht: Nov 03 2026 Gesehen / Gelesen: 719 / 555 [77%] Bewertung Geschichte: 9.60 (10 Stimmen)
Der Dating-Seminartitel klang vielversprechend. Ob Karos unterschwellige Sehnsucht nach dem richtigen Partner erfüllt wird? Rüdi scheint evolutionäres Topmaterial zu sein.


Ersties, authentischer amateur Sex


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© Karo kommt Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

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Geruchstest.

Sie sah sich um. Bernd hatte die Beine gespreizt, als wolle er den Raum beanspruchen. Michael hatte die Ärmel jetzt bis zum Ellenbogen hochgekrempelt und ließ den muskulösen Unterarm zucken wie ein Beweisstück evolutionärer Qualität. Nicole sagte halblaut zu ihrer Nachbarin, sie finde so ein Seminar ja viel ehrlicher als Dating-Apps, was Karo als Übersetzung für „ich habe auf Dating-Apps keine Treffer“ verbuchte.

Es war, fand Karo, ein sehr erhellender Abend.

Denn während Dr. Kempf über Signalwirkung sprach, liefen im Raum die Signale ab wie ein Uhrwerk. Die Erwähnung von Immobilienbesitz. Das Hochkrempeln der Ärmel. Der Marathon. Die Behauptung, man suche ja eigentlich nichts Bestimmtes. Jeder Mann im Raum sendete auf allen Frequenzen gleichzeitig, ohne zu merken, dass er dabei so erhaben lächerlich wirkte wie ein Pfau.

Und sie, Karo, saß in der Mitte und fragte sich, ob die Natur tatsächlich so intelligent war, wie man immer behauptete.

Dann kam Rüdi und setzte dem Ganzen die Krone (der Schöpfung) auf.

Er kam zu spät, was er damit erklärte, dass er „auf der A 66 im Stau gestanden“ habe, und das klang bei ihm nicht wie eine Entschuldigung, sondern wie eine Leistung. Er war einundfünfzig, kräftig, breitschultrig, leicht gebräunt, in einem hellblauen Hemd, das über der Brust so eng saß, dass die Knöpfe leicht auf Spannung standen. Goldkette. Teure Uhr, sehr teuer, die Sorte, die man nicht kauft, sondern erwirbt. Er stellte sich als „Rüdi, aus dem Frankfurter Umland“ vor, wobei er „Frankfurter Umland“ so betonte, als sei das ein Adelstitel.

„Ich sag’s mal so“, sagte er in die Runde, „ich hab keine Ahnung von Biologie. Aber ich weiß, wie’s läuft. Zwischen Mann und Frau. Da braucht man kein Studium.“

Dr. Kempf lächelte das Lächeln eines Mannes, der einsah, dass er etwas Geduld brauchen würde.

Karo musterte Rüdi von der Seite und dachte: Karikatur. Du bist eine Karikatur. Du bist der Typ, der bei Facebook „Alpha“ in die Bio schreibt.

Er saß da wie jemand, der sich in einem Raum voller Fremder am wohlsten fühlt, weil er gar nicht auf die Idee kommt, dass ihn jemand nicht gut finden könnte. Er unterhielt sich mit Nicole, indem er ihr erklärte, Frauen wollten eigentlich einen Mann, der wisse, wo es langgeht. Männer müssten führen. Ein bisschen Eifersucht sei sexy. Und wer mit fünfzig noch keinen Porsche fahre, habe irgendetwas falsch gemacht.

Karo notierte mit einem Grinsen in ihr Gedankennotizbuch: 1. Frauen wollen geführt werden. 2. Eifersucht ist sexy. 3. Porsche. – Hat er noch was?

Er hatte noch was. Er hatte die Angewohnheit, beim Sprechen in die Runde zu schauen und dann zu lachen, als hätte er gerade etwas besonders Kluges gesagt. Er hatte eine Meinung zu allem und eine Begründung zu keiner. Als Kempf den MHC-Komplex erklärte, sagte Rüdi: „Also ich riech’ ja, wenn’s passt. Das ist Instinkt. Das kann man nicht erklären.“ Und dann sah er Karo an, direkt, ohne den Umweg über die Höflichkeit, und sagte: „Sie wissen schon, was ich meine. Bei Ihnen riecht man auch sofort, dass das passt.“

Karo hob die Augenbraue. „Sofort?“

„Sofort.“

Das war, zugegeben, ein sehr flotter Einstieg.

Sie amüsierte sich köstlich über ihn. Sie war ihm intellektuell hoffnungslos überlegen, und er merkte es nicht einmal, was ihn in ihren Augen nur noch komischer machte. Als sie ihn in der Pause auf den Widerspruch hinwies, dass er gerade Status als wichtig bezeichnet hatte, obwohl er im gleichen Atemzug behauptet hatte, Frauen sei das Äußerliche egal, sagte er: „Status ist nicht äußerlich. Status ist ’ne Haltung.“

„Status ist eine Haltung.“

„Genau. Merken Sie sich das mal.“

Karo musste lachen. Sie lachte ihn ganz offen aus, und er nahm es als Kompliment.

Am Samstagabend gab es die Rieslingverkostung auf der Terrasse, sechs Weine, dazu kleine Speisen, die aussahen wie architektonische Modelle. Karo trank den dritten Riesling, einen Kabinett aus Rüdesheim, der so kühl und mineralisch war, dass es fast wehtat, und Rüdi stand an ihrer Seite, ohne dass sie genau sagen konnte, wann er dorthin getreten war.

Er erzählte von seinem Fitnessstudio. Er besuchte es viermal die Woche, seit elf Jahren, „Disziplin, ne“, und er erzählte davon nicht wie von einer Beschäftigung, sondern wie von einem Charakterzeugnis. Er sagte „Disziplin“ so oft, dass es anfing, wie ein Tick zu klingen.

„Und Sie?“, fragte er. „Was machen Sie?“

„Ich denke zu viel“, sagte Karo.

„Und? Hilft’s?“

Sie sah ihn an. Es war eine überraschend gute Frage für einen Mann, der gerade behauptet hatte, Eifersucht sei sexy.

„Nicht immer“, sagte sie.

„Sehen Sie.“ Er prostete ihr zu. „Ich denk’ wenig, dafür komm’ ich schneller an. Wo ist da der Nachteil?“

Sie hatte mehrere Antworten. Sie sagte keine davon, weil ihr auffiel, dass er sie inzwischen so ansah, wie er vorher über Genetik gesprochen hatte: unverblümt, ohne Ausweichbewegung, ohne die geringste Sorge, sich lächerlich zu machen. Er sagte ihr, sie habe „tolle Augen, richtig wach“, und dann, ohne Übergang, sie habe „einen Po, für den man töten würde“.

Und Karo, die seit Jahren mit Männern ausging, die über weibliche Bedürfnisse schrieben, ohne je eine Frau zu fragen, merkte, wie etwas in ihr anfing, auf Sendung zu gehen, das sie längst abgemeldet geglaubt hatte.

Es war widerlich. Es war ihr Körper, der hier mitdiskutierte, ungefragt, und sie mochte es nicht, dass er sich so wenig um ihre Meinung scherte. Ihr Verstand hatte Rüdi bereits fein säuberlich einsortiert: laut, selbstverliebt, ein bisschen zu braun für November. Ihr Körper aber registrierte etwas anderes. Die Breite seiner Brust. Die Art, wie er stand, offensiv, ungeniert, mit beiden Beinen im Boden. Die Beule in dieser viel zu engen Hose, die er offensichtlich trug, weil er sie tragen konnte, und die sie beim dritten Riesling zum ersten Mal bewusst zur Kenntnis nahm und beim vierten nicht mehr ignorierte.

Also gut, dachte Karo. Du bist eine Naturforscherin. Dann forsche.

„Ich brauche Luft“, sagte sie, um halb elf. „Der Riesling ist zu gut.“

Er ging mit. Er sagte nicht „darf ich“, er ging einfach, als sei das längst geklärt, und sie fand, dass er recht hatte. Sie gingen den Kiesweg hinunter, an den Buchsbaumhecken vorbei, auf den Teil der Terrasse, wo die Fackeln brannten. Er stellte sich so hin, dass die Fackel hinter ihm war, was sie für berechnend hielt und trotzdem gut fand. Dann küsste er sie. Es war kein raffinierter Kuss. Es war ein Kuss halt. Er nahm sich das, was er wollte, mit einer Selbstverständlichkeit, die Karo kurz aus dem Konzept brachte, und er hörte nicht auf, als sie nicht sofort reagierte, sondern blieb dran, und irgendwann war es ihre Zunge, die sich mitbewegte. Und seine Hände erforschten ihren Po.

„Ich hab' ein schönes Zimmer“, sagte er, als sie sich voneinander lösten. „Gutes Bett. Groß.“

„Du meinst, du hast ein Bett mit zwei Metern Breite?“

„Dreh- und Angelpunkt.“

„Und was macht dich so sicher, dass ich das sehen will?“

Rüdi sah sie an und grinste, und dieses Grinsen war – das musste sie zugeben – das einzig wirklich Gefährliche an ihm.

„Nichts“, sagte er. „Aber fragen kostet ja nichts.“

Das Zimmer war wie das Foyer, nur mit Bett. Der Wasserlauf auf dem Nachttisch plätscherte aus einem kleinen Brunnen, der bei jedem Schritt vibrierte. Karo stellte die Schuhe ab und dachte, dass sie das jetzt wirklich machte, mit sechsundvierzig, nach mindestens einem Riesling zu viel und einem Kerl namens Rüdi, der sein Fitnessstudio häufiger besuchte als eigenes Gehirn.

Er kümmerte sich nicht lange um Vorgeplänkel. Er zog das Hemd aus und legte es über die Stuhllehne, nicht ordentlich, einfach achtlos, und Karo sah ihm zu und dachte: Gut. Okay. Sehr gut, eigentlich. Breite Brust, flacher Bauch, dunkel und reichlich behaart, nichts Aufgepumptes, aber alles da. Er hatte kräftige Arme und die Ahnung davon, wie sie sich anfühlen würden, ließ sie schneller atmen.Er zog sie aus, mit großen Händen, und er war dabei nicht zimperlich, sogar ziemlich ungeduldig, und als ihre Bluse irgendwo landete, hielt er einen Moment inne, sah sie an, und sagte: „Genau so hab ich mir das vorgestellt.“ Karo hätte das albern finden sollen. Sie fand es gut.

Dann zog er die Hose aus.

Und da war er. Der Grund, warum er sie so trug, die Hose, wie er sie trug. Er war groß, dunkel, schwer, im halbsteifen Zustand schon so präsent, dass Karo unwillkürlich einen halben Schritt zurücktrat und dann etwas ungläubig lachen musste, weil es so albern war, so plakativ, so nach Verheißung. Er warf ihr einen Blick zu, der sagte: Ja, genau. Das ist es.

„Und?“, fragte er.

„Angeber.“

„Hab ich mir erarbeitet.“

Er kam herüber, drängte sie mit dem Körper ans Bett, und Karo ließ sich fallen, und dann lag er über ihr, schwer, warm, mit dem Gesicht an ihrem Hals, und er küsste sie so, wie er vorher geredet hatte: lautlos, direkt, ohne Umweg. Seine Hand lag auf ihrer Brust, drückte, und sie waren klein, ihre Titten, das war nie anders gewesen, und er sagte irgendwann: „Die sind gut“, als sei das eine Information, die sie noch nicht gehabt hätte. Sie fasste ihn an. Er war schwerer, als sie erwartet hatte, und warm, und er reagierte sofort, und für einen Moment war alles dicht und richtig und vielversprechend.

Und dann ging es los.

Rüdi war ganz bei sich.

Das ist der einzige Satz, der dem, was folgte, halbwegs gerecht wird. Er war nicht schlecht. Er war auch nicht unerfahren. Er war vor allem ein Mann mit einem sehr klaren Bild davon, wie das aussah, was er gerade tat, und dieses Bild war ausschließlich seins.

Er fing an, sie mit der Hand zu bearbeiten, während er noch küsste, und es war nicht unangenehm, aber es war zu viel, zu schnell, zu direkt auf die Mitte, und als sie leise sagte: „Langsamer“, sagte er: „Ja, ja“, und machte im gleichen Takt weiter. Er hielt das offenbar für Zuhören.

Er zog sie am Becken zurecht, schob sie zurecht wie ein Kissen, das verrutscht war, und kam dann über sie, und als er ihre Schenkel auseinanderdrückte, war das so bestimmt, dass sie kurz dachte: Okay. Jetzt. Das wird jetzt gut.

Und es war gut. Zuerst.

Er hatte einen ordentlichen Schwanz, das war nicht zu leugnen. Nicht einfach nur lang, sondern voll, mit einer Energie dahinter, die sie ausfüllte, und als er in sie eindrang, in zwei, drei Schüben, die er nicht abstimmte, sondern einfach tat, da war dieser Moment, in dem Karo die Luft wegblieb und sie die Hand in das Laken krallte und dachte: Meine Güte. Das ist zu viel, das ist genau richtig, das ist –

Und dann hörte er auf, sich um sie zu kümmern.

Er setzte einen Takt, und dieser Takt war Rüdis Takt. Er war nicht langsam, aber er war gleichmäßig, und er war laut, weil Rüdi laut war. Er stöhnte nicht, er arbeitete mit Geräuschen. Ein „Hah“, ein „Yeah“, ein kehliges „FUCK“ zwischendurch, das er nicht an sie richtete, sondern in den Raum warf. Er sagte „Du bist geil“ und „Ich hab's gewusst“, und „Nimm's“, als sei das ein Befehl, den sie zu erfüllen hatte.

Karo lag darunter und wurde durchgearbeitet.

Das war der Punkt, an dem sie es zum ersten Mal benennen konnte: Er arbeitet. Er arbeitete sich durch sie hindurch, mit einem Fleiß, den er für Leidenschaft hielt. Er hatte die Augen halb zu, er sah sie an, aber er sah nicht, was sie machte. Als sie ihn an sich zog, um den Winkel zu verändern, ließ er sich einen Moment ziehen und drückte sie dann zurück in die Matratze, weil er den Winkel haben wollte, den er haben wollte. Als sie seine Hand zu sich führte, nahm er sie weg, legte sie auf ihre Titten und knetete, was schön war und trotzdem nicht das, was sie gemeint hatte.

Er war dominant, ja. Aber auf eine Art, die wenig mit ihr zu tun hatte. Er war dominant, weil er der war, der den Rhythmus vorgab, und weil es nur einen Rhythmus gab: seinen.

Seine Hände waren überall, aber nicht lange. Ein Griff an den Po, ein Griff in die Haare, ein Griff an ihren Hals, alles fest, alles geübt, alles ein bisschen zu hastig, als müsse er sicherstellen, dass er es auch gemacht hatte. Er war ein Grapscher mit Überzeugung. Ein Mann, der dachte, Festigkeit sei Zärtlichkeit, und Lautstärke sei Nähe.

Und dann schaltete er einen Gang höher.

Er zog das Tempo an, und es war jetzt ein Ficken ohne Rücksicht, mit dem ganzen Körper, mit einer Wucht, die gut war und die sie trotzdem verwirrte. Sie hatte angefangen, sich zu bewegen, hatte den Rhythmus gesucht, war aber gegen diesen Mann und diesen Takt nicht angekommen. Ihre Erregung war noch da, sie war sogar deutlich da, aber sie war jetzt sozusagen unbeaufsichtigt. Sie hatte niemanden mehr, der sie abholte. Sie lag unter einem kräftigen, gut gebauten, gut bestückten Mann und wurde gefickt, und das war ein Ereignis, das ihr zweifellos passierte, aber es war nicht das Ereignis, das sie gerade gebraucht hätte.

Er stöhnte jetzt richtig. Er sagte „Komm“, dreimal, in einem Ton, als müsse er sich selbst ermutigen. Seine Augen waren zu. Er sah nach innen. Und Karo, die unter ihm lag, sah sich selbst von der Zimmerdecke aus zu und dachte: Er merkt es nicht. Er merkt es wirklich nicht. Dann kam er, und das ziemlich heftig.

Ihr Verstand sagte: Gleich ist er fertig.

Ihr Körper sagte: Schade.

Rüdi kam mit einem langen, lauten, vollkommen zufriedenen Stöhnen, hielt kurz inne, drückte noch zweimal nach, als sei ein Punkt zu setzen, und rollte dann von ihr herunter, mit einem Seufzen wie nach einem gelungenen Workout.

„Geil“, sagte er gegen die Decke.

Dann drehte er sich nach zwei Sekunden zu ihr, sah sie an und sagte: „Und?“

Karo lag da, ein Bein noch angewinkelt, feucht, erregt, ein wenig wundgevögelt, unbefriedigt, und wusste nicht recht, was sie antworten sollte. Sie hätte sagen können: Ich war kurz davor, und dann hast du angefangen, dein Programm abzuspulen. Sie hätte sagen können: Du hast mich gefragt, ob ich langsamer will, und dann hast du's ignoriert.

Sie sagte: „Ja.“

Rüdi nickte. „Ja“, sagte er, sehr zufrieden, „das war was.“

Danach holte er Wasser und redete. Er redete über seine Disziplin, über das Fitnessstudio, darüber, dass „nicht jeder so dranbleibt“ und dass er sich vor drei Jahren mal die Schulter verletzt habe und „trotzdem nach acht Wochen wieder drin war“. Karo lag im Bett, die Decke bis zur Brust gezogen, und spürte das Nachglühen einer Sache, die nicht ganz zu Ende gebracht worden war. Sie hätte gern noch seine Hand an sich gehabt. Sie hätte gern noch fünf Minuten gehabt, in denen sie die Hauptperson war.

Sie bekam ein Glas Wasser. Immerhin.

Später, als das Licht aus war und er neben ihr lag, drehte sie sich auf die Seite, und weil es dunkel war, fasste sie nach seiner Hand und schob sie sich zwischen die Beine. Er ließ es zu. Er machte sogar mit, halb im Schlaf, mit dem Daumen, in einer Art, die gar nicht so schlecht war, und Karo schloss die Augen und bewegte sich in diese Hand hinein und kam, relativ leise, relativ schnell, mit einem kleinen, sauberen, selbst erwirtschafteten Höhepunkt, während neben ihr sein Atem schon ruhiger ging.

Sie lag danach wach und dachte: Interessant. Ich hab's mir mit seiner Hand selbst besorgt, während er daneben schlief. Und das war gar nicht das Schlechteste.

Am Morgen war Rüdi bestens gelaunt.

Er habe um sieben schon im Kraftraum des Hotels geackert, erklärte er beim Frühstück, „Rücken und Bizeps, lass ich mir nicht nehmen“, und er sagte es so, als erwarte er dafür Beifall. Er hatte trainiert, geduscht, das Hemd von gestern durch ein neues, hellblaues Hemd ersetzt, das genauso eng saß, und er aß Rührei mit Bacon und redete über Trainingspläne.

„Also bei mir“, sagte er, „läuft das über Frequenz. Vier Einheiten die Woche, das ist der Punkt. Ohne Frequenz geht nichts.“

Karo betrachtete ihn über den Rand ihrer Kaffeetasse.

Er sah gut aus. Ausgeschlafen, braun, kräftig, mit diesem ewigen kleinen Grinsen. Und er sah sie an wie ein Mann, der weiß, dass er einen guten Abend hatte, und der überzeugt ist, dass das eine gemeinsame Sache war.

„Und“, sagte er, und schob sich Rührei auf die Gabel, „sehen wir uns heute Abend wieder?“

Nicht: Wie war's. Nicht: Ich hoffe, du hast auch was davon gehabt. Sondern: Termin.

Karo dachte an Dr. Kempf. An die Symmetrie. An das MHC-System. An die Signale für Fitness und Status. An die große, feierliche These der natürlichen Selektion, dass hier ein Auswahlverfahren liefe, klug, zielgerichtet, an der Qualität der Gene interessiert.

Und sie dachte daran, wie es tatsächlich gelaufen war.

Die Natur hatte ihr einen Mann geschickt, dessen Schultern breit genug waren, um in einer Evolutionslogik als Ressource zu gelten, dessen Geruch funktioniert hatte, dessen Körper sie angeschaltet hatte. Die Natur hatte ganze Arbeit geleistet: Er war gut gebaut, er war ausdauernd, er hatte ein ordentliches Gerät und die Selbstsicherheit, es einzusetzen. Alles war da.

Die Natur, dachte Karo, sucht die besten Gene. Aber sie hat ein verdammt schlechtes Qualitätsmanagement.

Sie überlegte, ob die Evolution irgendwann einen Konstruktionsfehler gemacht hatte, und kam zu dem Schluss, dass es kein Fehler war, sondern schlichtweg Bequemlichkeit. Die Evolution hatte sich bei der Partnerwahl offenbar auf zwei, drei Merkmale beschränkt, die man im Dunkeln und in fünf Minuten prüfen konnte, und alles andere – Technik, Aufmerksamkeit, Timing, die Bereitschaft, sich mal nach dem anderen zu richten – dem Zufall überlassen. Und weil es beim Mann statistisch gereicht hatte, um zum Zug zu kommen, hatte sich daran nichts weiterentwickelt.

Und ihr Verstand? Der hatte die ganze Zeit zugesehen und spöttisch-wissende Kommentare abgegeben, er hatte Bernd aus Bad Homburg aussortiert, Rüdis Sprüche zerlegt, die Karikatur belacht. Und dann hatte ihr Körper die Hand gehoben und gesagt: Der da. Der mit dem engen Hemd und der dicken Beule in der Hose. Von dem lässt Du dich heute durchficken!

Ihr Verstand hatte offenbar nur eine beratende Funktion. Und er hatte nicht einmal das Gefühl gehabt, überstimmt worden zu sein. Er hatte es selbst gewollt, ab irgendeinem Punkt. Das war das Verwirrende daran: dass der Fehler nicht in ihrer Selbsttäuschung lag. Dass sie tatsächlich Lust auf diesen Mann gehabt hatte. Auf seine Art, auf seine Direktheit, auf diesen Körper. Dass sie die Nacht nicht über sich ergehen lassen hatte, sondern mittendrin gewesen war, erregt, feucht, willig, und dass sie den Moment, in dem er sie ausgefüllt hatte, wirklich genossen hatte – so sehr, dass sie jetzt, mit dem Kaffee in der Hand, das Nachgefühl wieder aufrief und merkte, dass es sofort zurückkam.

Sie hatte es genossen. Sogar das. Sogar das Egoistische daran. Sogar das Durchgearbeitet-Werden.

Und ganz ehrlich, für ein bisschen Genauigkeit musste sie zugeben: Es war nicht nur der Körper. Es war auch, dass er gar nicht erst gefragt hatte, ob sie es richtig wollte. Er hatte einfach angenommen, dass sie wollte, und irgendwie war diese Annahme für sie ansteckend gewesen. Ein Mann, der sie ansah und beschloss, dass sie jetzt dran war – das war unverschämt, und es hatte etwas, das sie in ihren letzten Datingjahren, in denen immer alles abgewogen wurde, nie gehabt hatte.

Sie stellte die Tasse ab.

„Was macht dein Kalender“, sagte Rüdi und sah sie an, freundlich, ungeduldig, vollkommen ahnungslos.

„Voll“, sagte Karo. Dann: „Und deiner?“

Er grinste. „Passt schon irgendwie. Sag einfach was.“

Sie sagte nicht sofort was. Sie dachte daran, dass sie ihm beim Frühstück noch erzählen müsste, dass sein Timing verbesserungswürdig war. Und dass sie trotzdem wieder mit ihm ins Bett gehen würde.

Bestes genetisches Material, dachte sie.



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